Zweifel anstatt Schäfchen zählen…

Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr nachts wach liegt und darüber grübelt, ob ihr Euch verloren habt auf dem Weg, den Ihr geht – egal ob Job oder Freizeit? Zweifel, Selbstzweifel und die Qual der Wahl – Wir wissen nicht weiter.

Eigentlich wollen wir nur glücklich sein, dazu sind wir schließlich geboren und deshalb leben wir. Alles könnte so schön sein, wären da nicht diese verdammten Zweifel, die uns nachts wach halten und darüber grübeln lassen, ob wir den Job weiter machen sollen, oder nicht.

Vom Mond aus betrachtet, spielt das Ganze gar keine so große Rolle - Handeln anstatt ZweifelnJana ist eine junge Frau, Ende Zwanzig, sympathisch, mit guter Ausbildung und einem spannenden Job in den neuen Medien, der ihr wirklich Spaß macht. Doch seit einiger Zeit quälen sie Zweifel, ob sie nicht woanders besser aufgehoben sei. Sie liegt nachts wach und fragt sich: Habe ich das richtige studiert? Ist das, was ich tue, wirklich mein Ding? Tue ich es für mich, oder für andere? War mein beruflicher Weg bisher OK, oder stand ich mir selbst im Weg? Ist es OK, dass mich die Kollegen und Kunden manchmal so mies behandeln, oder müsste ich einfach mal öfter den Mund aufmachen? Eine Antwort hat sie bisher noch nicht gefunden und die Zweifel abstellen, klappte auch nicht. Sie hat Angst, sich selbst zu verlieren bei dem Versuch, es allen anderen Recht zu machen. Das macht sie traurig. Schlaflose Nächte lähmen sie, machen sie müde. Ohne Energie, kann sie an der Situation nichts verändern, sagt sie.

Lisa läuft seit Tagen wie Falschgeld durch ihr Leben, erzählt sie uns und wirkt müde ist fahl im Gesicht. Bloß nicht anmerken lassen, das etwas nicht stimmt, denkt Sie – ohne Makeup keine leichte Sache. Sie ist beruflich zufrieden und hat keine Probleme, doch privat ist es anders. Wenn sie abends heimkommt, dann rollt sie sich auf der Couch ein, sieht fern oder liest ein gutes Buch. Toll findet sie das nicht. Rausgehen will sie aber auch nicht. Die Stadt ist ihr zu laut, zu kalt und viel zu viel nach einem gewöhnlichen Arbeitstag. Sie sehnt sich nach einem kleinen Paradies, nach einem Platz an den sie gerne kommt, um Energie zu tanken. Sie sehnt sich nach Sonne, nach einem Fleckchen Erde umgeben von Natur, nach Vogelgezwitscher und spannende Ausblicke, draußen auf dem Land. Aus ihrem Wohnzimmer-Fenster kann sie derzeit nur die Küche der Nachbarn sehen. Kein schöner Anblick, wie sie uns versichert. Sie sucht schon eine Weile nach einem kleinen Paradies auf dem Land unweit der Stadt das auch noch bezahlbar ist. Bei ihrer Suche gerät sie immer wieder in die Zwickmühle: Wohin will ich wirklich, wo macht es für mich Sinn zu leben? Werde ich mich dann da wohl fühlen oder nerven mich die langen Wege in die Stadt, zum Büro, oder gar die neuen Nachbarn, die durchaus spießiger sein könnten als die liberalen Stadtmenschen. Bin ich glücklich oder noch einsamer? Fragen, die wir ihr nicht beantworten aber durchaus nachvollziehen können.

Mella, Mutter eines Sohnes, zurückhaltendes aber gewinnendes Lächeln, zerzauste Haare und Teetrinkerin überlegt gerade, ob es eigentlich fair ist, dass man ihr zwar immer mehr Arbeit auflädt, sie aber weder Dank noch Lohn für diese zusätzlichen Mühen bekommt. Wenn die Chefin nichts unternimmt, nichts gegen das hohe Pensum, nichts gegen die wenige Wertschätzung unternimmt, dann wird Mella ihre Konsequenz daraus ziehen und denkt sogar darüber nach, sich selbständig zu machen. Das machen viele in diesen Zeiten, aber es gehört eben auch viel Mut dazu, diesen Schritt überhaupt zu wagen, gerade dann, wenn man, wie Mella, für ein Kind zu sorgen hat und nicht nur für sich selbst. Aber wenn Mella abends im Bett liegt und sich von einer Seite auf die andere dreht und grübelt und grübelt, dann weiß sie nicht, was besser ist: So weitermachen und traurig sein, oder allen Mut zusammen nehmen und ein Wagnis eingehen, um glücklicher zu sein. Ja, manchmal ist es wohl besser einen Weg zu gehen, der noch nicht ausgelatscht ist, bleibt uns zu sagen. Mehr nicht, denn wer kennt diesen Gedanken und das dazugehörige Hadern nicht?!

Jannis ist ein netter Typ, mit struppigem Haar, braun gebrannt und lächelnd. Eigentlich wirkt er absolut entspannt. Aber das täuscht, wie er uns nach dem zweiten Latte Macchiato berichtet, denn auch ihn überkommen immer wieder Zweifel. Er ist das Wagnis eingegangen, vor dem Mella noch scheut. Er hat sich selbständig gemacht, baut sich gerade ein kleines Label auf, hat viele Ideen, die aber immer wieder auf die Bank schieben muss, solange die Finanzierung noch nicht wirklich gut gesichert ist. Reserven anzapfen, um weitere Wagnisse einzugehen, das ist nur bedingt möglich, sagt er, denn er will ja nicht in einem Jahr schon wieder zu machen und aufgeben. Seine Freundin und er träumen von einem kleinen chilligen Haus am See und einem alten Bus, mit dem sie hinfahren können, wohin sie wollen. Freiheit, so Jannis, sei ja schließlich echt wichtig und fragt uns: wann wenn nicht jetzt?! Nun hat er diese Freiheit zumindest beruflich zwar erreicht, aber auch einen Rucksack mit Ängsten und Zweifeln dabei. Aller Anfang ist schwer, sagen wir ihm und sind hoffnungsfroh, denn wenn man ihn so sieht, scheint er wild entschlossen. Bleibt die Frage: Was, wenn es zu lange dauert, bis er ausreichend verdient, dass er und seine Freundin die Freiheit genießen können?

Ein ganz anderes Problem hat Johanna. Sie sitzt uns nervös gegenüber, streicht immer wieder eine Strähne aus ihrem Gesicht, schaut aber meistens in die Kaffeetasse und kommt stockend ins Gespräch. Sie braucht eine Weile, um mit dem Thema herauszurücken und das liegt daran, dass es sic- ihrer Meinung nach – nicht einfach zu verstehen ist. Johanna ist Anfang dreißig. Sie macht einen Job, der sie auslastet und der sehr abwechslungsreich ist. Privat ist sie schon länger mit ihrem Freund zusammen und eigentlich auch glücklich. Nur eines belastet sie und lässt sie grübeln: Hätte ein Kind Platz in unserem Leben? Wie würde sich unser Leben mit einem Kind verändern? Halte ich das aus? Just do it, denken wir – probieren geht über studieren, denn aller Voraussicht nach, wächst man in so eine Sache rein. Besser ist es, sich nicht verrückt machen zu lassen. Aber das ist wahrscheinlich auch bei Johanna einfacher gesagt, als getan.

Zweifel oder auch Selbstzweifel zu haben, ist ein Zustand der Unentschiedenheit, der junge Menschen zwischen Mitte zwanzig und Anfang dreißig immer mehr plagt. Die meisten sind gut ausgebildet, machen einen interessanten Job – häufig irgendwas mit Medien – verdienen mittelmäßig bis schlecht, sind meist liiert, selte einsam und stellen nachts ,wenn sie nicht schlafen können, alles in Frage. Denn, seien wir mal ehrlich: Sie haben die Qual der Wahl. Und genau das, also die Qual der Wahl, verursacht enorme Unsicherheit, die sie immer wieder abwägen lässt.

Wir haben kein Rezept, wie diese Zweifel verschwinden, denn sonst würde es uns wahrscheinlich selbst nicht auch ab und zu mal so gehen. Aber es heißt ja eigentlich: Wer die Wahl hat, hat die Qual und daher sollte man mal eine der Optionen, die so möglich wären auswählen und ausprobieren – einfach so. Das würde für Jana zum Beispiel bedeuten, sich auf einen anderen Job zu bewerben und abzuwarten, was es für ein Feedback gibt, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt – um bei den Redewendungen zu bleiben. Lisa braucht kein Trübsal zu blasen. Sie sollte Ihre Stadtwohnung zwischenvermieten und das Landleben ausprobieren – das wäre doch ein sicherer Versuch, der nachher Klarheit bringt! Wenn es nichts ist, kann sie problemlos wieder Städterin werden. Mella können wir gut verstehen und bestärken sie gerne in ihrer Überlegung, auszubrechen. Es führt ja immer auch wieder ein Weg zurück, selbst aus der Sackgasse. Und Jannis sollte vielleicht mal seine Reserven in ein bisschen privates Glück stecken, anstatt allein an neuen Geschäftsideen zu feilen. Vielleicht ist es besser, sich und seiner Freundin einen der Träume erfüllen – es muss ja nicht für immer sein, aber es könnte klappen. Wenn nicht, war es eine gute Erfahrung und sicher eine schöne Zeit. Und Johanna, jeder ist irgendwann zum ersten mal Eltern. Anders als einen Bus, oder ein Haus, kann man ein Kind zwar in keinem Fall zurück geben, aber man kann sicher spannende Wege finden, das Leben als Familie zu meistern, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Du meine Güte, das klingt ja so, als hätten wir das größte Weltwissen und immer Klarheit! So ein Quatsch! Haben wir das Richtige geraten? Wirken wir mit diesem Beitrag jetzt wie das Dr. Sommer-Team? Oder haben wir erreicht, aufzuzeigen, dass es vor allem ein Mittel gegen Zweifel gibt: Die Tat.? ; )

Denn Handeln ist die Devise, um die miesen Zweifel loszuwerden und vielleicht ist das Handeln auch der Schlüssel zum Glück. Der Idealist  Johann Gottlieb Fichte sagt dazu ganz nüchtern: „Handeln, das ist, wozu wir da sind.“ Nun denn, wohl an! Auf zu neuen Taten!

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