Zentralplatz Koblenz

In der einzigen Stadt an Rhein und Mosel, so ihr Slogan, steht ein Klotz inmitten der Stadt. Ein Shoppingtempel, der angeblich eine Lücke im Einzelhandelsangebot der kleinen Stadt Koblenz – die offenbar hoch hinaus will – schließen soll. Wo genau ist, bei all dem Leerstand, diese Lücke und hat es das gebraucht? Gut, ein Kulturbau ist auch entstanden…Eine Entschuldigung?

Der Zentralplatz in Koblenz (Wikimedia Commons: Datum am 1. Juni 2005, festgehalten durch Holger Weinandt)

Der Zentralplatz in Koblenz noch im Jahr 2005 (Quelle: Wikimedia Commons: Datum am 1. Juni 2005, festgehalten durch Holger Weinandt, commons.wikimedia.org/wiki/File:Panorama_Zentralplatz_Koblenz_2005.jpg?uselang=de

Den Koblenzer Zentralplatz kennen wir noch als einen rechteckig angelegten Platz, der zu zwei Seiten offen war. An einer Seite wurde er durch das Hygieneinstitut der Bundeswehr und auch „Haus der Begegnung“, dem das Residenz-Kino und der spätere „Residenz-Club“ angeschlossen war sowie durch das ehemalige Quelle, beziehungsweise Hertie-Kaufhaus – einem typischen Kaufhausbau vom Ende der 1960er Jahre – gerahmt.

Auf dem Platz selbst befanden sich wenige Sitzgelegenheiten, ein weitgehend ungenutztes Schachfeld, einem Pavillon und ein paar Pflanzkübel. Er war – so wie wir ihn kennen – kein Ort mehr, der zum Verweilen einlud, es sei denn, es war Weihnachtsmarkt. Bedingt durch die zentralen Bushaltestellen, an denen neben den Stadtbussen auch die Busse der umliegenden Orte hielten, war es am Koblenzer Zentralplatz immer umtriebig. Leute hetzten von einer Haltestelle der einen Seite, zu einer Haltestelle der anderen Seite, oder von dort, quer über den Platz in die Altstadt, oder auf die Löhr-Straße.

Im Kaufhaus war schon zu dieser Zeit weder Quelle noch Hertie untergebracht. Hertie zog 1998 aus. Das Kaufhaus-Gebäude wurde bis zum Abriss von Ramschläden, so genannten 1-Euro Läden, ein paar Billigtextilketten und auch einer Dönerbude zwischen genutzt. Das ehemalige Kino, indem in der Zwischenzeit ein Club eingezogen war, wurde schließlich abgerissen. Darauf folgte Abrissbirne für das ehemalige Kaufhaus.

Nun hatten wir die Hoffnung, dass dieser zentrale Platz durch eine neue Struktur aufgewertet wird und doch noch die – in der Nachkriegszeit ersonnene – Nutzung als zentralem Platz einer kleinen, aber aufstrebenden Stadt, erfährt. Vielleicht, so dachten wir, würde sogar ein schöner Park angelegt, indem man gerne verweilt und erholt. Als wir zur Bundesgartenschau mal wieder zu gegen waren, fanden wir ein klaffendes Loch inmitten der Stadt.

Schade, man hätte die Bundesgartenschau auch hierhin ausweiten sollen und den Zentralplatz neu beleben, zu einer grünen Stadtoase machen können. Stattdessen aber setzten sich in der Stadt diejenigen durch, die auf diesem Platz einen „Shopping-Tempel“ haben wollten, einziger Kompromiss: Kultur soll an dieser zentralen Stelle auch seinen Platz finden. Das Ergebnis ist noch nicht ganz fertig, aber schon jetzt keineswegs überzeugend.

Zentralplatz Koblenz, 2012/2013 - Umgestaltung und Gebäude Benthem Crouwel

Zentralplatz Koblenz, 2012/2013 – Umgestaltung und Gebäude Benthem Crouwel, www.benthemcrouwel.nl/portal_presentation/public-buildings/kulturbau-and-mall

Es wird zwei neue Gebäude, die in Anbetracht ihres architektonischen Umfeldes viel zu groß dimensioniert sind, geben. Im nördlichen Teil des ehemaligen Platzes entsteht ein 32 Meter hohes Gebäude mit 12.250 Quadratmetern Nutzfläche für die Kultur, indem das Mittelrhein-Museum, die Stadtbibliothek und ein Tourismus-Zentrum rund um das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal ihren Platz findet. Zudem wird es ein 550 Quadratmeter großes Foyer mit Lichthof und Kulturcafé und eine 900 Quadratmeter große und öffentlich zugängliche Dachterrasse und nicht öffentlicher, separater 750 Quadratmeter großer Leseterrasse geben. Der Koblenzer Kulturklotz wird im Frühjahr 2013 eröffnet, voilá!

Nicht höher, aber dennoch scheinbar überdimensionierter – gar den Kulturbau verdrängend – wirkt der Shoppingtempel namens „Mittelrhein-Forum“, der eine Verkaufsfläche von rund 20.000 Quadratmetern beherbergt und jetzt eröffnet wurde. Den Namen Forum hat der Bau – so geschlossen, wie er wirkt  – eigentlich nicht verdient, war doch damit ureigentlich eine Markt-, Gerichts- und Versammlungsstädte für das Volk gemeint. Die künftigen Kunden des neuen Koblenzer Shopping-Tempels sollen in etwa 90 Läden konsumieren und auf 750 Plätzen auf dem Parkdeck ihre Autos abstellen können. Man hätte aus den Dimensionen und dem Schicksal des benachbarten „Schengel-Center“ lernen können. Hat man aber nicht. Schicksal des Schengel-Centers: häufiger Leerstand.

Kritiker an diesem überdimensionierten und sehr kostspieligen Gesamtprojekt hat man vorerst mit einer – vergleichsweise kleinen – Freifläche zwischen den beiden Gebäuden, mit Sitzgelegenheiten und einem Wasserspiel besänftigt. Mal sehen, wann sie fertig ist und ob man dort verweilen möchte.

Verantwortlich für die Architektur und Struktur des Gesamtensembles ist das Aachener Büro der Amsterdamer Architekten Benthem Crouwel, die im Jahr 2007 den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewannen und trotz der Proteste, der scharfen Kritik und der Bürgerinitiative Zukunft Koblenz, die sich strikt gegen den Bau aussprachen, nicht abgeschreckt waren. Nach einer im Eilverfahren erteilten Rüge des Oberverwaltungsgerichtes Rheinlad-Pfalz, minderten sie schlicht Geschoßanzahl des Shoppingtempels, weiter nichts.

Es ist ein neues städtebauliches Gesamtensemble und vielleicht ein Ort mit einer starken, eigenen – aber leider beängstigenden – Identität entstanden. Die Baukörper fügen sich so wohl nicht – wie geplant – wie selbstverständlich in das gewachsene Geflecht aus Wegebeziehungen ein.

Hat es das wirklich gebraucht?

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