Zentralmoschee Köln – Außen und Innen

Der Rohbau der umstrittenen Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld ist fertig. Nun beschäftigt sich Gestalter Orhan Gökkus in Zusammenarbeit mit dem Architekten des Baus Paul Böhm mit der Beziehung zwischen Innen und Außen.

Visualisierung der noch nicht fertig gestellten Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, Architekt Paul Böhm, www.boehmarchitektur.de

Visualisierung der noch nicht fertig gestellten Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, Architekt Paul Böhm, www.boehmarchitektur.de

Dieser Bau ist ein sehr heikles Thema. Im Jahr 2006, nach 10 Jahren Diskussionen mit der Stadt Köln und dem Land Nordrhein-Westfalen, musste schließlich von DITIB, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, ein Architekturwettbewerb für den Neubau einer Zentralmoschee ausgeschrieben werden. Eigentlich baut das Atelier Orhan Gökkus die meisten Gebäude für die DITIB. Architekt Paul Böhms Entwurf belegte bei diesem Wettbewerb den ersten Platz. Auf dem  Grundstück von DITIB in Köln-Ehrenfeld, an der Venloer Straße, soll, der Ausschriebung nach, ein prachtvoller Sakralbau entstehen. Er soll Platz zum Beten für etwa 1200 Muslime und das Leben ihrer Religion bieten. Zugleich soll er auf etwa 16.500 m² Nutzfläche eine Bibliothek, Schulungs- und Seminarräume, Flächen für Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe und eine Tiefgarage beherbergen.

Das Projekt nahm auch im Detail Form an und wurde Bürgern und Parteien vorgestellt. Auf die Anfrage, die Minarette etwas niedriger auszuführen gingen der Architekt und die Bauherren nicht ein. Die Minarette sind 55 Meter hoch und damit nicht die höchsten Baukörper in der näheren Umgebung. Als 2008 dem Antrag auf Baugenehmigung stattgegeben wird, gehen die Vorbereitungsarbeiten los und hitzige Diskussionen scheinen an einem Höhepunkt angelangt zu sein.Der interkulturelle Dialog droht hier erneut spektakulär zu scheitern. Die Kölner Bürger spalten sich in zwei Lager und DITIB fällt es schwerer als gedacht, Transparenz und Offenheit gegenüber den anders oder nicht Gläubigen zu zeigen. Dabei suggeriert doch gerade Böhms Entwurf eine Offenheit und Transparenz, wie wir sie bei ähnlichen Bauaufgaben noch nicht gesehen haben.

Im Jahr 2009 findet bei großem Aufgebot an Prominenz und mit 2000 Besuchern die Grundsteinlegung für den Bau der zeitgenössischen Zentralmoschee statt. Die Streitigkeiten um den Bau scheinen zu eskalieren und übertragen sich auf das Verhältnis von Architekt und Bauherren. DITIB wirft Paul Böhm vor, geheime christliche Zeichen im Baukörper untergebracht zu haben. Dies aber kann nicht stichhaltig erwiesen werden. Auch gegen Baumängel und Kostenexplosion will DITIB vorgehen. Eigentlich wollten sie den Architekten seines Amtes entheben, der aber möchte unter Berufung auf sein Urheberrecht den Bau vollenden. Im Februar 2011 konnte dann schließlich doch noch Richtfest gefeiert werden. Im Herbst 2011 überträgt DITIB ihrerseits schließlich die weitere Bauleitung an das Atelier Gökkus und damit enden auch die Aktualisierung zum Baukörper auf der Seite zum Bau der Zentralmoschee. Der jüngsten Pressemitteilung nach, wird nun nach einem Mediationsverfahren, Architekt Paul Böhm weiterhin gestalterisch bis zur Vollendung an diesem Bau mitwirken. Baumängel werden behoben.

Architekt und Gestalter Orhan Gökkus kümmert sich um die Ausgestaltung des Innenraums. Er hat für DITIB deutschlandweit schon einige Moscheebauten ausgeführt und genießt somit ihr Vertrauen. Für die Zentralmoschee arbeitet er mit zwei Kölner Künstlerinnen und auch mit Paul Böhm zusammen. Wie Uta Winterhager– die Orhan Gökkus in seinem Atelier besuchte – bei Koelnarchitektur.de über das Innen und Außen berichtet, werden wohl nur wenige oder keine typischen Ornamente verwendet. Koran-Suren sollen zu einem kalligraphischen Wandschmuck werden, bei dem laut Winterhager zwei Lesarten möglich seien: zum einen die abstrakte, dekorative für westliche Besucher und zum anderen die kunstvolle Wiedergabe des von Gott gesprochenen Wortes für  Muslime. Die auf der Wand vervielfachten Suren sollen dabei zugleich die Unendlichkeit Gottes symbolisieren. Die rituellen Möbel, wie die Kürsü, die Vortragskanzel, oder auch das elfstufige Predigtpodest, das Minber, sollen sich der Dynamik des Raumes anpassen. Entgegen einiger Annahmen wird – aller Voraussicht nach – keine große Diskrepanz zwischen Außen- und Innengestaltung erwartet. Orhan Gökkus nutzt keine traditionellen Ornamente für den gesamten Innenausbau, sondern lässt sich bei der Ausgestaltung des Innenraums auf seine Weise vom zeitgenössischen Außenbau inspirieren.

Eigentlich soll die Zentralmoschee im Mai 2012 eröffnet werden. Bisher ist jedoch nicht klar, ob der Termin eingehalten werden kann. Eher nicht, vermuten wir.

Bei einer derzeit stärker konservativ wirkenden türkischen Welt und einer sich zurücknehmenden, sich verschließenden Organisation, wie der DITIB bleibt zu hoffen, dass die vor dem Bau propagierte Transparenz und Offenheit nicht nur durch den Bau suggeriert, sondern auch durch das Miteinander der Menschen in und um die Zentralmoschee gelebt wird.

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