Work hard play hard

So der Titel eines beeindruckenden Dokumentarfilm von Carmen Losmann über unsere „schöne“ neue Arbeitswelt, bei der wir uns die so genannte „Work Life Balance“ selbst gern in die Tasche lügen. Und wenn wir sagen „Arbeit bedeutet für mich Freude“, ist es nicht immer wahr, sondern eine Floskel, die wir sagen, um davon abzulenken, dass es Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit längst nicht mehr gibt. Ob uns das gut tut, oder nicht, wir machen mit.

Work Hard Play Hard - ein Film von Carmen Losmann über unsere "schöne" neue Arbeitswelt

Work Hard Play Hard - ein Film von Carmen Losmann über unsere "schöne" neue Arbeitswelt, www.workhardplayhard-film.de

In Unternehmen werden Mitarbeiter längst „Human Resoucre“ genannt. Und eben diese Human Resource wird stets versucht zu optimieren, jedoch nicht, indem man Mitarbeiter zahlen erhöht, sondern in dem man aus denen, die da sind noch mehr Leistung rausholt. Wer dem nicht standhält, fliegt. Hire an Fire ist eine Floskel, die wir vorwiegend aus den 1990er Jahren kennen und etwas negativ behaftet ist, deswegen hört man es heute in der „schönen neuen Arbeitswelt“ auch nicht mehr. Es muss auch nicht benannt werden, denn es ist bei Geschäftsführung und Vorständen von Unternehmen längst in Fleisch und Blut übergegangen. Man spricht nicht mehr darüber, man macht es und das, völlig selbstverständlich.

Diese Anführer der „schönen neuen Arbeitswelt“ schaffen nicht nur einfach Arbeitsplätze, sie schaffen Atmosphären. Atmosphären, die sich auf die Psyche der Mitarbeiter so auswirken, dass sie ihr letztes Hemd geben werden, um zu bestehen. Sie gehen mit ihnen Raften, Bungee jumpen, Bäume fällen, Kart fahren, in den Klettergarten und ähnliches. Die einen lassen sich blenden und finden es toll, die anderen haben längst kapiert, dass das eine weitere Auslese und Aufgabe an die Mitarbeiter ist, sich und seine Leistung in jeglicher Hinsicht unter Beweis zu stellen. Was aussehen soll, wie Spaß und fröhlich „Teambuilding-Maßnahme“ genannt wird ist ein Wettkampf um die Plätze nach oben, oder die Sicherung des Platzes in der Maschinerie des Unternehmens.

Wir sehen kühle Bilder, typische Szenen und verfolgen Gespräche und Erklärungen in der so genannten „Manager-Sprache“, also schick und trendy klingende Worthülsen, die nichts als eine sehr schicke Verpackung für die oben geschilderte „Ausbeuterei“ menschlicher Leistungskraft ist. Zeitgenössische Sklaverei.

Die Regisseurin Carmen Losmann hält sich mit Anklagen zurück, lässt uns stattdessen selbst auf die Zwischentöne hören und hilft uns sehr genau hinzusehen. Ein wirklich sehenswerter Film, der uns vorführt, wie wir uns vorführen und manipulieren lassen und sogar selbst manipulieren.

Work Hard – Play Hard
Deutschland 2011
Regie: Carmen Losmann
Kamera: Matthias Schellenberg, Dirk Lütter
Schnitt: Henk Drees

Seit 12. April 2012 im Kino

Hier der Trailer zum Film:

[youtube width=“425″ height=“344″]http://www.youtube.com/watch?v=jd6qOmWf3xU[/youtube]

Quelle: Youtube.com/viptrailer

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