Volkstheater Frankfurt

Bis Ende Mai 2013 wird es noch eine Volksbühne in Frankfurt geben, dann ist Schluß und neue Ideen sind dem Sparzwang der Stadt zum Opfer gefallen. Das Haus ist marode und die Zuschauerzahlen waren gesunken. Warum hat das Volkstheater Liesel Christ es nicht geschafft, das Haus voll zu bekommen?

Volkstheater Liesel Christ

Nach der Komödie „Wie zerronnen, so gewonnen“ und der Wiederaufnahme von „La Cage aux Folles“, endet der Spielplan des Volkstheater Liesel Christ in Frankfurt am Main am Großen Hirschgraben am 25. Mai 2013. Dann ist Schluß.
Das Volkstheater, einst begründet von Liesel Christ ist kaputt. Es müsste aufwendig saniert und modernisiert werden, doch da schon seit einiger Zeit der Finanzdruck wächst, die Zuschauerzahlen immer weiter sinken und zudem kein Rückhalt mehr aus dem Kulturdezernat kommt, ist dies unmöglich zu realisieren. Frankfurt muss sparen. Dem Sparplan fallen eine Neueröffnung einer Volksbühne mit Michael Quast und das geplante Romantikmuseum – das im Gebäude des Volkstheaters am Großen Hirschgraben in direkter Nachbarschaft zu Goethes Geburtshaus entstehen sollte – zum Opfer. Das Volkstheater muss auf Wanderschaft gehen und das Romantikmuseum wird gar nicht erst aufgebaut.

Warum hat das Volkstheater Liesel Christ es nicht geschafft, das Haus voll zu bekommen? Ist mundartliches Theater völlig aus der Mode gekommen? Nein – schaut man sich ähnliche Häuser, wie zum Beispiel das Volkstheater München und seine Geschichte an.

Eine erfolgreiche Mischung – das Volkstheater München

Volkstheater München

Gestartet ist das Haus 1983 unter den Intendanz von Jörg-Dieter Haas, der eine prominente Volksschauspielerriege wie Gustl Bayrhammer, Beppo Brem, Helmut Fischer, Willy Harlander, Karl Obermayr, Veronika Fitz, Enzi Fuchs, Rita Russek und Maria Singer im Ensemble hatte. Auch Ruth Drexel, die das Haus dann bis 2002 leitete, hatte Zuschauermagneten parat – darunter sich selbst, aber auch Hans Brenner, Nikolaus Paryla, Helen Vita und Christine Ostermayer. So zeigte das Haus klassische Volkstheaterliteratur mit einer zeitgenössischen Anbindung durch die Zusammenarbeit mit prägenden Autoren des kritischen Volksstücks, wie Peter Turrini, Martin Sperr, Felix Mitterer und Franz Xaver Kroetz. Im Oktober 2002 übernahm dann Christian Stückl die Intendanz und läutete abermals eine neue Ära am Volkstheater München ein.

Jugend und Nachwuchsförderung haben ihren Platz! Im so genannten „backstageKlub“, der seit 9 Jahren besteht, treffen sich Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren einmal pro Woche, arbeiten mit den Schauspielern des Ensembles und stehen mit auf der Bühne. Christian Stückl öffnete das Haus für die Arbeiten junger Regisseure und hob – das seit 2005 jährlich stattfindende – Festival „Radikal jung“ aus der Traufe.

Es gibt neben dem normalen Spielplan des Hauses auch Gastspiele und Konzerte und Lesungen. Eine erfolgreiche Mischung.Außerdem findet einmal im Jahr das Festival junger Regisseure, „radikal jung“, statt und da gibt es nicht nur Münchner zu sehen. In diesem Jahr findet es vom 16. bis 19. April 2013 statt und es sind Regisseure aus Zürich, Tel Aviv, Klagenfurt, Hamburg, Bielefeld, Jena und Köln dabei. All das macht das Angebot des Münchner Volkstheater zu einer erfolgreichen Mischung.

Wie sieht es in Frankfurt aus? – Volkstheater Hessen

Collage Volkstheater Hessen

17 Leute des bisherigen Volkstheater-Teams haben sich zusammengeschlossen, sie möchten einen gemeinnützigen Verein gründen, der den Namen „Volkstheater Hessen“ trägt. Ihr Ziel ist es, das Volkstheater weiterleben zu lassen. Sie wollen mit der Stadt in Verhandlung treten, das Haus am Großen Hirschgraben erst mal weiter nutzen zu können und gemeinsam auf die Suche nach einer neuen Spielstätte zu gehen. Die Leitung des Vereins übernehmen die Volksschauspielerin Anette Krämer, der Schauspieler und Regisseur Steffen Wilhelm und der kaufmännische Mitarbeiter Hauke Hummel. Ebenfalls dazu gehören Heinz Harth, Sabine Isabel Roller, Detlev Nyga sowie Kostümbildner und Techniker. Weitere Prominenz ist aufmerksam geworden und unterstützt das Vorhaben mit einer Mitgliedschaft, dazu zählen Luca Zamperoni, Helmut Markwort und auch Robert Treutel – eher bekannt, als Bodo Bach – ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt haben Moderatorin Sonya Kraus, Tony Marshall, Margit Sponheimer und  Wirtschaftsjournalist Frank Lehmann. Wir freuen uns, wenn dieses Team das Volkstheater Frankfurt neu aufstellt, einiges wagt und sich dem Nachwuchs öffnet, um auch für dieses Haus eine erfolgreiche Mischung zusammen zu brauen.

Damit dies gelingt sind jedoch  – wie in München – auch die Bürger gefragt. Für alle die mitmachen und etwas bewegen wollen stehen eine Unterschriftenliste und der Antrag auf Mitgliedschaft zum Download auf der Seite des Verein Volkstheater Hessen bereit.

Ist eine neue Spielstätte gefunden, oder darf die alte weiter genutzt werden, so geht es darum Spenden zu sammeln, um auch das Gebäude ins Heute zu führen und den Theaterbetrieb auch technisch und funktional auf den neuesten Stand zu bringen. Bei der Erweiterung des Frankfurter Städel, die ohne die vielen Unterstützer nicht möglich gewesen wäre, haben die Frankfurter schon gezeigt, dass sie es können. Wiesbadener und jeder der mag, kann natürlich auch mitmachen…sogar die Offenbacher ; )

Also, jetzt seid Ihr dran!

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