Tom meets Zizou – kein Sommermärchen

…ist ein Film von Aljoscha Pause über Thomas Broich, der als ein Hoffnungsträger in Sachen Fußball– auch wenn er darauf keinen Bock hat – im gleichen Atemzuge genannt wurde, wie Schweinsteiger, Podolski, oder auch Lahm.  Sieben Jahre lang hat Pause den Spieler mit der Kamera begleitet und seinen Weg vom FC Wacker Burghausen bis zu den Brisbane Roars festgehalten.

Tom meets Zizou, Filmplakat, www.mindjazz-pictures.de

Tom meets Zizou, Filmplakat, www.mindjazz-pictures.de

Tom meets Zizou – so hieß mal Thomas Broichs Emailadresse. Gerne hätte er sein Idol Zinedine Zidane einmal getroffen, aber wer weiß, vielleicht klappt das ja noch.

Alles beginnt in Burghausen. Rudi Bommer, damaliger Trainer des FC Wacker Burghausen, hatte Thomas Broich von Unterhaching geholt, um mit seiner Hilfe den Verein auf Vordermann zu bringen. Von ihm hat Broich viel gelernt und von seinen Teamkollegen vielleicht auch. Denn Broich war immer schon etwas anders, als die anderen Spieler. Er las auch mal ein Buch, oder hörte schon mal klassische Musik anstatt Mainstream. Als ein Spielerkollege mit ihm im Auto saß und Orff aus den Boxen tönte, handelte sich Broich seinen Spitznamen „Mozart“ ein, der ihm fortan wie zäher Kaugummi an den Sohlen kleben sollte. Diese Sonderstellung, die er durch seine Andersartigkeit erhielt war für Broich rückblickend Fluch und Segen zugleich und so begann er damit auch öffentlichkeitswirksam zu spielen.

Vom beschaulichen Burghausen wechselte Broich dann zu Borussia Mönchengladbach. Mit Trainer Holger Fach kam Broich gut klar, doch dann wurde Fach gegen Dick Advocaat eingewechselt und Broich bekam erstmals das ihm oft prophezeite „Haifischbecken der Bundesliga“ zu spüren. Mit dem gefürchteten Holländischen Trainer konnte er nicht warm werden und so wurde er auch kaum eingesetzt. In der Nationalmannschaft der U21 aber, feierte er weiterhin mit seiner Fußballkunst Erfolge. In Gladbach spitzte sich die Situation immer mehr zu und Freigeist, wie Broich nun mal ist, fällt es ihm schwer sich einfach stillschweigend anzupassen und zu machen wozu man ihm riet.

Von Gladbach ging es dann nach Köln, wo er sein Talent bestmöglichst zum Einsatz bringen konnte und dem Verein half aufzusteigen. Doch irgendwie passte es für Broich noch immer nicht hundertprozentig und auch mit Daum konnte er nicht wirklich viel anfangen. Vielleicht hat er über alles, was er tat zu viel nachgedacht. In dieser Zeit schien seine Vielseitigkeit und Tiefgründigkeit, sein Wissensdurst eher wie ein Fluch. Selbstzweifel, gepaart mit jugendlichem Rebellentum und vielleicht ein bisschen Arroganz brachten ihn schließlich dazu, über das Ende seiner Fußballerischen Karriere nachzudenken – mit 28. Rückblickend sagte er über diese Zeit „Vielleicht war das eine ausgewachsene Fußballdepression.“
Wenn er tatsächlich aufgehört hätte, wäre er nicht ins Nichts gefallen, dafür wäre er zu clever, doch ob er das wusste? Seine Mutter sagte ja schon verschmitzt. „Da hast du so ein schlaues Kind und dann spielt es Fußball!“

Immer wieder spricht er im Film in den verschiedensten Etappen der sieben Jahre davon, mal ins Ausland zu gehen. Als er schließlich mit Nachdruck seines Freundes Michael Oenning dann von Köln doch noch zu Nürnberg wechselt, erzählt Broich von „Beinen wie Blei“, davon, wie ihm die Kondition flöten ging und er immer mehr spürte, wie sehr doch die Physis von der Psyche abhing.

In diesem tiefen Loch, kam plötzlich der Trainer der Birsbane Roar, Ange Postecoglou, ähnlich einem Erlöser über 10 Stunden für einen Kaffee von Amsterdam nach Nürnberg gefahren, um Broich persönlich kennen zu lernen.

Ja, und sie haben sich sofort gut verstanden. In Brisbane scheint Broich nun angekommen und auch wir bekommen den Eindruck, dass er viel gelöster und entspannter spricht. Erfolge kann der Fußballkünstler in seiner derzeitigen Wahlheimat auch vorweisen…ist doch Brisbane Roar dank seiner Mithilfe seit der Saison 2010/2011 australischer Meister.

Tom meets Zizou ist ein ehrlicher Film. Ohne Schnörkel umschreibt er den Werdegang gleich einer Achterbahn eines jungen Menschen, der nicht nur ein Talent besitzt und an dem Business in der Bundesliga, aber auch seinen eigenen Ideen fasst zerbricht. Wir lernen zu verstehen.

Diesen Film dürft Ihr nicht verpassen!
Auch wer kein Fußballfanatiker ist, wird ihn sehr mögen, den Broich, den Film und seinen leisen Tiefgang.

„Tom meets Zizou – kein Sommermärchen“ könnt Ihr ab 28. Juli 2011 im Kino sehen!

TS

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