Theaterpflicht

Wir haben Euch von den Sparzwängen einiger Theater berichtet. Vor kurzem waren die Intendanten Bettina Jahnke, Peter Carp, Christian Tombeil, Michael Schmitz-Aufterbeck, Staffan Holm und Michael Grosse in der Redaktion der Rheinischen Post bei Annette Bosetti, Dorothee Krings und Lothar Schröder zu Gast. Bei diesem Treffen machten die Intendanten die Idee öffentlich, dass die Bildungspolitik eigentlich die Schulen verpflichten müsste ins Theater zu gehen! Eine gute Sache!

Theaterpflicht für Schüler?

Wie das Amphitheater in Delphi sind auch unsere heutigen Theaterhäuser eigentlich für das ganze Volk gedacht – doch nur noch ein Zehntel geht hin. Macht eine Theaterpflicht für Schüler Sinn, um sie wieder für gutes Schauspiel und lebendige Inszenierungen zu begeistern?

Wie oft waren wir mit der Schule im Rahmen des Unterrichts damals eigentlich im Theater? Nur einmal im Rahmen des Deutschunterrichts und einmal als wir selbst auf der Bühne standen. Wie war das bei Euch? Unsere Lehrer hatten immer das Problem, dass sie einen Wust an Formularen ausfüllen und Genehmigungen von verschiedenen Stellen und aus dem Kollegium einholen mussten und manchen war dies vielleicht einfach zu viel Aufwand. War das bei Euch anders?

Was sicherlich in allen Klassen nahezu gleich ist, ist das Pensum an klassischer Literatur von Goethe, Schiller, Kleist, Brecht, Dürrenmatt und Kollegen. Und da bietet es sich doch geradezu an ins Theater zu gehen, denn nicht alle Verfilmungen sind der Hit. Kann man die Thematik nicht viel besser verstehen, wenn man sie auf der Bühne gesehen uns miterlebt hat?

Die Landesregierung und das Bildungsministerium möchten eine Beteiligung der Theaterleute an Bildungsmaßnahmen – leisten doch auch die Theaterhäuser eine gewisse kulturelle Grundversorgung. Zugleich aber fordern sie von den Intendanten gehörige finanzielle Einsparungen bei gleichzeitiger Steigerung der Zuschauerzahlen wie wir Euch im Beitrag „Rotstift“ berichteten.

Die Regierung könnte – allein schon um die Zuschauerzahlen zu steigern – auch mal weniger Hürden für Lehrer bauen und stattdessen die Schulklassen, die sich mit der entsprechenden Literatur oder dem Darstellenden Spiel befassen in die Theater schicken. Weil es aber auch einige Rektorate und Lehrer gibt, die jetzt nicht eben theateraffin sind, könnte das Ministerium Theaterbesuche in den Lehrplan aufnehmen.

Damit – und das ist der logische Schluss – wäre der Regierung, den Theatern und den Schulen beziehungsweise den Schülern wirklich geholfen und das auch noch nachhaltig; sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch nachhaltig. Das Bildungsangebot für die Schüler wächst, sie können das Theater, die Themen und kurzum die Kultur für sich entdecken und die Theaterhäuser haben neue Zuschauer, die durch eine solch frühe Einführung und Bindung an  die Theaterhäuser sicher gerne wiederkehren.

Wie wär das?

Hier könnt Ihr Euch das ganze Interview mit den sechs Intendanten aus dem Rheinland durchlesen.

(550 Posts)

2 thoughts on “Theaterpflicht

  1. Bine

    Also das wäre tatsächlich mal eine für alle sinnvolle Maßnahme. Ich fände es als LehrkörperIn (die/der sich angesichts der vielen Klassiker manchmal als LeerkörperIn fühlt) super – ohne all die genannten Hürden – mit Schülern klassische Stücke anzuschauen, die ihnen helfen vor allem bei dem immensen Pensum, das wir zu absolvieren haben. Allerdings müssen da sicherlich noch viele formale Dinge geklärt werden durch die eine Lehrplanänderung Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauert. Wenn es schneller ginge und ich es sogar noch in meiner Lehrzeit erlebe, fände ich das revolutionär. Ich würde sogar ein paar mal meine Freizeit dafür opfern, viele Kollegen wahrscheinlich aber nicht. Nichtsdestotrotz! Wohl an! Ich wäre dabei! Es Grüßt, Frau Bine

  2. HansK.

    Schön, doch stellt sich mir die Frage, warum Schüler nicht von selbst auf die Idee kommen, ein Theater zu betreten und sich ein Stück anzuschauen. Ist das Theater nicht mehr zeitgemäß?
    Freue mich auf Einschätzungen,
    HansK.

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