Tango – getanzte Einsamkeit und Sehnsucht

Neulich erzählte mir eine Freundin sie lerne nun Tango tanzen, hätte gerade ein Buch darüber gelesen und einfach richtig Lust dazu. Natürlich kommt ihr Freund nicht mit. Aber Tango ist ja laut Horacio Salas auch „Wehmut, die man tanzen kann“ und warum, das erfahrt Ihr hier.

Horacio Salas, Tango: Wehmut, die man tanzen kann

Also, Tango. Horacio Salas hat ein Buch über den Tanz der Einsamen, über den Tango geschrieben und Lato dazu die Illustrationen gefertigt. Salas muss es ja wissen, denn er ist nicht nur Tangoexperte, sondern auch noch Kultursenator von Buenos Aires – der Tangostadt schlechthin – und obendrein Direktor der Nationalbibliothek.

Salas hat alles zum Thema Tango gesammelt und vereint in seinem Buch nicht nur die Entstehungsgeschichte, den Mythos, die Seele des Tanzes und seine Philosophie, sondern auch ganz praktische Dinge, wie Schrittfolgen in Bildform oder Gedichte und Zitate in denen wir schwelgen können. Fest steht, er steckt an und die meisten Frauen, bekommen sofort Lust in die Welt des Tangos einzutauchen und loszutanzen.

Den meisten Männern allerdings wird Salas Buch wohl wie ein Horror-Splatter-Movie der übelsten Sorte vorkommen. Wenn sie nur schon tanzen hören, stehen ihnen die Nackenhaare zu Berge und dann auch noch Tango – da nehmen sie Reißaus.

Tango ist – für uns Frauen – getanzte Einsamkeit und Sehnsucht, denn Männern ist das einfach alles zu viel. Schrittabfolgen merken, auf die Partnerin achten, ihr nicht auf die Füße treten, noch dazu gut aussehen – das alles gilt es zu beachten. Für Nicht-Multitasker eben der blanke Horror. Nicht nur das: Tango ist Musik, Tanz, Körperbeherrschung, Leidenschaft, Philosophie und natürlich Poesie, denn der Tango erzählt von den Einwanderern aus Europa – aus Italien, Spanien, Frankreich – oder auch aus anderen Ländern – die sich um 1900 in Argentinien niederlassen. Sie alle trugen die Kultur ihrer Heimat und die Sehnsucht nach ihren zurückgelassenen Familien in sich. Auf der Suche nach einem Ausdruck für ihre Gefühle, schufen sie den Tango und sichten in ihm ein Stück Zuhause. Am Rio de la Plata fand dieser Tanz seine Anfänge, heute wird er überall auf der Welt getanzt mal von mehr, mal von weniger geübten, sogar eine Erneuerung erfuhr er gerade in den letzten Jahren. Dennoch wird er noch immer von mehr Frauen, als Männern geliebt. Völker verbindend wirkt er – ist schließlich schon seit seiner Entstehung multikulturell, so viel Geschichte und Geschichten vereint er in sich und doch können sich die Kerle für diesen Tanz nicht erwärmen – außer denen, die im Weltkulturerbe-Gremium sitzen. Seit 2009 nämlich steht der Tango auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste. Als Argument wird auch das bei unseren Kerlen nicht ziehen, aber es ist gut zu wissen.

Horacio Salas
„Tango: Wehmut, die man tanzen kann“
Mit Illustrationen von Lato
Verlag C. Bertelsmann, 2010
Elke Heidenreich Edition

TS

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