Liebe

Bestseller 2012

Welche Bücher in diesem Jahr am meisten verkauft werden, wissen wir noch nicht. Die Leipiziger Buchmesse wird sicher ein Trendgeber sein. Seine Besteller des vergangenen Jahres aber hat Buecher.de schon zusammengestellt. Themen die hiernach eindeutig den Markt beherrscht haben scheinen Macht, Umwelt, Politik, Alter und Mord und Tod und ein klein bisschen Liebe.

Buecher.de Bestellerliste für 2012

Buecher.de Bestellerliste für 2012

Ganz am Zahn der Zeit führt eine Geschichte rund um Mythen, Macht und Monopole die Liste an. Der “Kampf um Strom” von Claudia Kemfert ist auf dem ersten Platz. Erst auf Platz 9 ist ein Buch mit dem Titel “Leben” von Davig Wagner zu finden, dass mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2013 ausgezeichnet wurde und gleich darauf folgt auf Platz 10 ein Kinderbuch von Sven Nordqvist, “Pettersson und Findus / Findus zieht um”.  Und eh wir sentimental werden, bringt und das Buch auf Platz 11 wieder auf den Boden der Tatsachen, denn da geht es um Steuern. Weiter geht es mit einem Markencheck und “Greg’s Tagebuch” über Dan Browns “Inferno” zu “Conni und der Osterhase”, gefolgt von “Stups, der kleine Osterhase”. Das klingt schon ziemlich verrückt, wenn man das so liest. Aber in der Tat geht es auf Platz 17 weiter mit “Mein Leben die Liebe und der ganze Rest” und danach mit der “Göttlich verliebt”-Trilogie, wobei wir direkt wieder ausgebremst werden mit einem Diätbuch für Berufstätige. Es soll ja keiner abheben. Aber das ist noch lange nicht alles…

Wir finden, so eine Liste spannend, denn sie sagt einiges darüber aus, mit was und mit wem wir uns beschäftigen und so sagt sie auch etwas über unsere Zeit und über die Menschen unserer Zeit aus. Schaut Euch die Buecher.de Bestellerliste 2012 mal an udn überzeugt Euch selbst.

Das Beste aus meinem Liebesleben

Das kleine Büchlein von Axel Hacke, erschienen im Kunstmann Verlag, trägt den Untertitel: „Ein kleiner Beziehungsberater für alle Lebenslagen“. Das sehen wir jedoch ganz anders.

“FÄLLT DIR EIGENTLICH GAR NICHTS AN MIR AUF?”, fragt Paola. Das sind so Fragen. Sie kommen aus dem Nichts, aber an der Art, wie sie beantwortet werden kann sich viel entscheiden.” Das kennt jeder, oder? Und wie man dann vom Hunderste ins Tausendste kommen kann, wohl auch. Genauso wie die pädagogisch wohl wertvolle Formulierung: “Man müsste mal, oder Jemand müsste mal…in diesem Fall die Christbaumkugel in den Keller bringen, denn schließlich ist ja schon August. Dies und mehr kennt Hacke und wir auch, kennt wahrscheinlich jeder, der sein Leben mit einem anderen Menschen teilt…

Axel Hacke: Das Beste aus meinem Liebesleben Cover

Axel Hacke: Das Beste aus meinem Liebesleben Cover, www.kunstmann.de

In jedem Fall ist Axel Hacke’s “Das Beste aus meinem Liebesleben” ein kleines Sammelsurium aus kurzen Geschichten aus dem Leben, insbesondere dem Beziehungsleben ein nettes Geschenk für Paare, Brautpaare und solche, die für den Moment vorhaben ein Leben miteinander zu verbringen. Die Geschichten dieses kleinen Büchleins sind aus anderen Werken Hacke’s zusammengetragen. Nicht alle sind für uns neu, aber neu in dieser geballten Form – wie gesagt ein schönes Geschenk.

Ein Beziehungsberater jedoch – wie all die Millionen Ratgeber-Bücher zum Thema Beziehung, glückliche Partnerschaft und dergleichen – ist es jedoch nicht. In Anekdoten, kurzen Geschichten erzählt Axel Hacke, wie es ihm so ergeht, sinniert über das, was er erlebt in seiner Beziehung mit seiner Frau und Kind, bzw. Kindern. In vielen Geschichten erkennen wir uns wieder. Hier und da können wir Frauen „das Leid“ der Männer auch schon nicht mehr hören oder lesen und in anderen müssen wir schallend über ihre Sichtweise auf die Dinge lachen.

Man sollte dieses kleine Büchlein vielleicht eher Beziehungs-Trost-Buch nennen, denn dieses Gefühl hat sich bei uns eingestellt. Wir haben Trost gefunden: „Siehst du, anderen geht es genauso“. Und das ist wirklich tröstlich zu wissen. Wir sind nicht die einzigen „Bekloppten“, die sich über die liegende Zahnpastatube aufregen. Und wir sind auch nicht die einzigen, die nichts mehr im Schrank haben, obwohl der überquillt und beim Shoppen, dann doch wieder nur etwas für unseren Kerl finden. Und wir sind nicht die einzigen die ihn im Büro anrufen, um sicher zu gehen dass er sich auch rechtzeitig auf den Weg macht und wenn wir dann mit ihm im Auto sitzen und er fährt beinahe über seine Fahrweise verzweifeln. Auch die Mutlosigkeit bei der Parkplatzwahl. Ja, wir kennen das und wir erkennen uns wieder. Vielen Dank, wir sind nicht alleine und wir können in einer eben solchen Situation in die Hände klatschen und das Gemecker einfach mal sein lassen. Das wiederum wird dann unser Partner als tröstlich empfinden. Sicher ist: wir merken, dass wir unseren Partner lieben, weil er ist, wie er ist. Und würde alles Glatt laufen, wäre es ja furchtbar langweilig. Gebt’s doch zu!

Das Beste aus meinem Liebesleben ist auch als Hörbuch erschienen. Neben den Geschichten können wir Songs von Ursula Mauder über das Leben und die Liebe lauschen. Schön.

Liebe

Im Marbacher Literaturarchiv geht es um die drei Worte „Ich liebe Dich“ und zwar von Goethe bis Kurt Schwitters und anderen Literaten und Künstlern.

Liebe im Literaturarchiv Marbach

Es ist kein Frühling sondern Herbst, umso mehr Liebe wird benötigt dachte sich das Marbacher Literaturarchiv und stellte eine Ausstellung auf die Beine, bei der es sich um die Liebe dreht und zwar die Liebe in Worten. Wer drückte seine tiefe Liebe von der Renaissnce bis heute wie aus? Zu sehen sind Briefe, Bilder und tiefe Einblicke in menschliche Gefühle. Einiges wird Euch überraschen…“von hinten wie von vorne A N N A“, gemeint ist Anna Blume und Verfasser war Kurt Schwitters.

Eine kleine Geschichte zu drei Worten!

Ich liebe Dich!
20. September 2011 bis 29. Januar 2012
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillerhöhe 8-10
71672 Marbach am Neckar

Frühlingserwachen

Im Unterscheid zu 1891 – als Wedekind seine “Kindertragödie” verfasste – ist heute kaum ein Tabu mehr vorhanden. Die Freiheit der Liebe, gibt es bald wieder überall zu sehen, denn dann können wir uns alle endlich wieder draussen aufhalten. Der Frühling ist erwacht und nun döst er noch ein  bisschen, bevor er mit aller Wucht – spätestens an Ostern – die Welt bunt einfärbt.

Man müsste dem Frühling vielleicht einen guten Schluck Kaffee – vielleicht auch intravenös – verpassen und das am liebsten so schnell wie möglich. Wir wollen raus! Das Herz will raus und auf hochtouren kommen. Und das nicht nur beim Radfahren, Kraxeln, Laufen oder Fliegen,  sondern auch in Punkto Liebe und anderen Hauptsächlichkeiten ; ).

Wie sehen also die Prognosen für die nächsten Tage aus?

Nun, lange Vorhersagen sind ja oft nicht sicher, aber Tendenzen sind allemal auszumachen und da geht es ganz klar von heiter bis wolkig über zu strahlender Sonne. Nicht überall im Land, aber fast.

Der Frühling scheint in Kürze am Start zu sein, dann fehlt nur noch der Schuß.
Juchuuuuu! Wer es gar nicht abwarten kann, der sollte mal wieder ins Theater gehen und das Frühlingserwachen anschauen. Wer weiß was in diesen Zeiten die Inszenierungen des Stückes zu bieten haben…

Aus gegebenem Anlass…

Möchten wir Euch mehr über den anstehenden Frühling erzählen und strecken für Euch unsere Fühler aus.

Zuallererst fällt uns da der Herr Mörike ein, dessen Verse vielleicht sogar noch immer von Grundschullehrern aus dem „Hut gezaubert“ werden, damit die Kleinsten sie auswendig lernen.  Lassen wir ihn zu Wort kommen:

Frühling

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

(Eduard Mörike)

Baumherz im Fühling

Frühlingsdüfte und Farben

Wenn der Schnee langsam taut und das Grün der Wiesen wieder zu sehen ist, arbeiten sich auch die Schneeglöckchen aus der Erde. Sie gehören meist zu den ersten Pflanzen, die sich der Sonne entgegenstrecken. Dann ist es aber noch lange nicht bunt. Dafür sorgen erst die Krokusse und Narzissen mit ihren zarten Farben.

Frühling in den Ohren

Ja, es geht wieder los, das Vogelgezwitscher der Meisen in der Morgendämmerung. Mancher Specht hackt in den Nachbarsbaum, die Amseln bauen fleißig am Nest und auch im Wald ist schon früh am Morgen „Rush Hour“. Denn alle suchen entweder Futter, oder eine neue Bleibe, den Partner für die Saison, oder sogar für das ganze Leben.

Frühlingstriebe

Bei Buchen, Linden und Eichen wachsen langsam junge Triebe. Bis zu 600.000 neue Blätter können dann bald an einer mittelhohen Buchen hängen- – ganz schön viel. Und auch die Buschwindröschen, oder das Scharbockskraut, der Lerchensporn, der Sauerklee, die Schlüsselblumen und Maiglöckchen beginnen allmählich sich zu recken.

Frühlingsgefühle

Frühling bedeutet Aufbruch bei Flora und Fauna und Inspiration für uns Menschen. Denn all diese Reize rufen bei uns  „Frühlingsgefühle” hervor und öffnen uns für die Hoffnung, für die Liebe. Nicht umsonst heißt es dann kurz vor dem Sommer: „Alles neu macht der Mai!”. Naja und bis dahin haben wir ja noch ausreichend Zeit. Lassen wir es auf uns wirken ; ).

Nun dann, wohl an! Lasst ihn sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte und seid gespannt auf süße und doch wohlbekannte Düfte! Geniessen wir den kommenden Frühling in vollen Zügen – wer weiß schon, ob es nicht der letzte Frühling sein könnte, denn wir erleben dürfen. Denkt daran unser Leben ist endlich, nur die Jahreszeiten kehren immer wieder.

Advent, Advent ein Lichtlein brennt

Es ist soweit! Wir warten wieder ganz offiziell und offensichtlich auf den Heiligen Abend und alles, was damit zusammenhängt.

Laute Nacht, teuflische Nacht, alles rennt, alles blafft. Es ist doch alles kaum zu glauben: In einer Welt in der die Menschen mies miteinander umgehen, nicht zueinander stehen, nicht füreinander da sind, sich viele Einzelne um sich ganz alleine drehen, da sollen wir glaubhaft das Fest der Liebe und Familie feiern?

Ja. Nein, JA BITTE!

Die Familie kommt zusammen, sitzt an einem Tisch in einem Haus redet über dies und das, beteiligt sich am Leben und den Gedanken der anderen und irgendwann ist Bescherung. Bei einer schönen Bescherung merken die Beschenkten, dass sich ein anderer Gedanken um sie gemacht hat und weiß: Ich bin nicht allein. Ich habe jemanden an meiner Seite stehen. Bestenfalls denkt die Familie auch an andere, denen es schlechter geht und die vielleicht ungewollt alleine sind. Manch einer – vorwiegend Christen – gehen an Weihnachten gerne in eine Christmesse, um die Atmosphäre aufzusaugen und den Glauben zu leben. Zufriedenheit ist hier ganz wichtig.

Kommerzwahnsinn, Hektik und Stress und lästige Feiertage machen garstige Menschen noch aggressiver, als sie ohnehin schon sind. Wäre es nicht besser sie blieben einfach in ihrem Büro oder ihrer Studierstube, nutzten die Zeit, in der sich garantiert keiner per Mail oder telefonisch meldet und irgendwas möchte und lässt alle anderen das machen lassen, was ihnen gut tut – wenigstens einmal im Jahr? Schließlich ist es das Fest der Liebe und da gehört die Nächstenliebe an erster Stelle dazu. Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu, müssten sie sich selbst einmal sagen.

Advent, Advent ein Lichtlein brennt

Heute ist der erste Advent und das bedeutet, wir warten wieder ganz offiziell und ganz offensichtlich auf Weihnachten. Jeden Sonntag zünden wir eine Kerze an – bitte keinen Kollegen. Wir können jeden Tag ein Türchen aufmachen und im Büro auch anderen mal eine Türe aufhalten, anstatt ihnen Türen vor der Nase zuzuschlagen. Wir könnten uns jedesmal über das Türen öffnen, oder aufhalten freuen. Gibt es keine Türchen zu öffnen, dann sollten wir wenigstens jeden Tag versuchen ein Herz zu öffnen, einfach indem wir Lächeln und es ehrlich meinen – nicht wie ein Chirurg. Das kostet nicht mal was. Wir könnten alle Hektik, den ganzen Stress und Kommerzwahnsinn vor der Tür lassen uns zurücklehnen und über andere nachdenken. Vielleicht schaffen wir es sogar, uns in ihre Lage zu versetzen und für ein paar Momente nicht nur an das eigene Wohl zu denken. Schließlich wäre eine schöne Bescherung doch viel schöner, als noch mehr Sorgen, Nöte, Ängste und nochmehr Einsamkeit…

Jeden kommenden Sonntag können wir uns also selbst beim Anzünden der nächsten Kerze (!) daran erinnern, dass wir ja ureigentlich auch gemocht werden wollen und ungern einsam sind und deshalb niemandem etwas antun, was wir selbst nicht angetan bekommen möchten.

Advent, Advent ein Lichtlein brennt.

TS

Die Freiheit der Worte

Gehört: Rafik Schami – Eine Hand voll Sterne

Wer es noch nicht gelesen hat, sollte es unbedingt tun. Auch als Hörbuch entführt die Geschichte – wenngleich ein Jugendroman – den Leser oder Zuhörer in die Welt des Ich-Erzählers. Und der fesselt seinen Rezipienten nicht im negativen Sinne, denn es geht um Freiheit. Es geht um die Freiheit der Menschen, der Meinung, des Wortes, der Presse.

Rafik Schami ist ein herausragender und sensibler und liebevoller Erzähler. Die Geschichte „Eine Hand voll Sterne“ wird aus dem Tagebuch eines 14jährigen jungen, der in Damaskus lebt und das Schreiben über alles liebt, erzählt.

Der Junge kommt aus einem der ärmeren Viertel in Damaskus, er und seine Familie sind Christen. Er ist gut in der Schule, aber nur in den Fächern, die ihn wirklich interessieren. Sein Vater ist Bäcker, bemüht sich streng zu sein. Der Vater ist aber auch ein leidenschaftlicher Leser, allerdings nur von einem – sehr, sehr dicken – Buch. Auch der Ich-Erzähler verschlingt Bücher für sein Leben gern. Seine warmherziger Mutter kümmert sich um den Haushalt.

Weitere Wegbegleiter sind vor allem seine besten Freunde Onkel Salim, der bereits 75 Jahre alt ist, Mahmud und Josef, die genauso alt sind, wie der Ich-Erzähler. Mahmud, Josef und der Ich-Erzähler gründen gemeinsam eine Art Geheimbund namens „Schwarze Hand“.

Als gegenüber neue Nachbarn einziehen lernt er Nadja, die Tochter, kennen. Zuerst begegnen sich ihre Blicke nur flüchtig. Doch das reicht schon aus, um sich ineinander zu verlieben. Da Nadjas Vater sehr streng ist und – so vermutet der Ich-Erzähler – für den Geheimdienst der syrischen Regierung arbeitet, ist die Freundschaft und die Liebe der beiden sehr schwierig und natürlich heimlich.

Als die Bäckerei nicht gut da steht, entschließt sich der Vater den Sohn aus der Schule zu holen. Er muss für ihn in der Bäckerei arbeiten und bringt den Leuten das bestellte Brot nach Hause. Bei dieser Gelegenheit begegnet der Junge Habib. Die beiden Freuden sich an, obwohl Habib ein merkwürdiger Kauz ist. Als Journalist ist er gezwungen unter dem Pressediktat der Regierung zu arbeiten. Er verdient damit seinen Unterhalt, seine Ideale sind jedoch andere. Fasziniert von Habib und angetrieben von seinem eigenen Wunsch zu schreiben, lässt er sich von Habib journalistische Techniken beibringen und schließlich gemeinsam mit den Freunden vom Geheimbund der „Schwarzen Hand“ die so genannte Sockenzeitung herauszubringen. Sie entgehen der Zensur der Regierung und begeben sich damit in höchste Gefahr. Nichts aber treibt sie mehr an, als das freie Schreiben, das Berichten der Wahrheit, die Freiheit der Worte und ihre Wichtigkeit in dieser Welt.

Es geht um Menschen aus unterschiedlichen Milieus, unterschiedlicher Religion und unterschiedlicher Träume, die gemeinsam einen Weg gehen, sich zum Teil verstehen und zum Teil nicht, aber dennoch auskommen. Es geht darum sich für etwas einzusetzen, für seinen Traum zu kämpfen. Es geht um die Freiheit der eigenen Meinung und der Freiheit der Berichterstattung. Es geht um die Freiheit der Liebe und der Worte.

TS