Streit um Kulturpalast Dresden

Debatten um die Rekonstruktion des Dresdner Neumarktes sind noch nicht genug. Auch der geplante Umbau des Kulturpalastes Dresden liefert viel Gesprächsstoff.

Kulturpalast Dresden

Bild: www.kulturpalast-dresden.de, Konzert- und Kongressgesellschaft mbH Dresden Kulturpalast

Ein Palast für die Kultur

Der Kulturpalast in Dresden erfüllt seit seiner Eröffnung alle Funktionen einer Stadthalle und bietet in seinem multifunktionalen Festsaal Platz für über 2.400 Personen. Architekt Wolfgang Hänsch hat das Gebäude als sachlichen Quader auf einer Grundfläche von 70 mal 100 Metern realisiert. Seine Außenhaut besteht aus weiten Glasflächen, auf einer Stahlbeton-Skelletkonstruktion. Trotz der Moderne des Gesamtbaus, erinnert die untere Etage, die Sockelzone des Gebäudes, an einen antiken Säulenumgang.

Sanierung und Überlegungen der Stadt

Im Jahr 2007 musste der Kulturpalast in Dresden brandschutzsaniert werden und blieb einige Monate geschlossen. Doch diese Sanierung ist nicht der ausschlaggebende Punkt für die Überlegungen eines vollständigen Umbaus des Gebäudes. Hierfür ist vielmehr der Wunsch nach einer entsprechenden und akustisch hervorragenden Spielstätte für die Dresdner Philharmonie und die Sächsische Staatskapelle Dresden. Wurde 2008 noch das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, lobte die Stadt Dresden im Jahr 2009 einen Architektenwettbewerb um den Umbau des Hauses aus.

Umbau und Umnutzung

Der Umbau des Kulturpalastes sei laut den Verantwortlichen in der Stadt kostengünstiger, als ein Neubau für Philharmonie und Staatskapelle an anderer Stelle. Den Wettbewerb entschieden die Architekten aus dem Büro von Gerkan, Marg und Partner, gmp, für sich. Während sie Außen mit nur wenigen mehr Offenheit und Transparenz erzielen möchten, soll der Innenraum – nach Vorbild eines Weinberges – zu Gunsten der Akustik gänzlich neu gestaltet werden. Allerdings würde der Konzertsaal dann weniger Zuschauer fassen können und eben für musikalische Inszenierungen geeignet sein, also wäre er nicht mehr multifunktional. Bis 2012 kann das Haus noch so bespielt werden, wie es ist. Danach läuft die Genehmigung aus und ein möglicher Umbau könnte starten.

Widerstand wird laut

Nicht nur die Veranstalter aus der Unterhaltungsbranche, die den Kulturpalast bisher bespielen, sondern auch der Architekt des Gebäudes und einige Bürger laufen gegen die Planungen der Stadt Sturm. Sie wollen den „Kulti“ – wie er im Volksmund gerne genannt wird – so behalten, wie er ist. Architekt Wolfgang Hänsch, heute 81 Jahre alt, droht Klage gegen den Umbau einzureichen, da er eine Entstellung seines urheberrechtlich geschützten Werkes nicht zulassen möchte. Auch Prominente Dirigenten fordern einen Neubau für Philharmonie und Staatskapelle, anstelle eines Umbaus des Kulturpalastes.

Debatten beleben die Stadtentwicklung

In der Stadt Dresden ist kein Ende der Debatten in Sicht und das ist gut so. Nichts belebt die Stadtentwicklung mehr, als solche Debatten. Stadtplaner, Architekten und auch die Öffentlichkeit, die Nutzer, also die Bürger, müssen sich an diesem Prozess beteiligen, um zu zukunftsweisenden und nachhaltigen Umsetzungen zu gelangen.

Eine Chronologie über die Debatten und Entscheidungen um den Kulturpalast Dresden findet Ihr auf der Neumarkt-Dresden-Seite.

TS

(550 Posts)

3 thoughts on “Streit um Kulturpalast Dresden

  1. P. Kamthusen

    Der Umbau Kulturpalast wird nach folgendem Schema ablaufen:

    1. Baumafia, Schmiergelder, Auftragsvolumen, Billigarbeiter.
    2. Ein Drittel weniger Sitzplätze ( laut Planung).
    3. Damit Preiserhöhung nötig.
    4. Volk raus, Bonzen rein.

    – Ende der Geschichte –

  2. E. Boce

    schließe mich der vorhergehenden meinung an. Möchte aber noch ergänzen, dass es sehr schade um dieses Bauwerk ist, weil es für Dresden ein einzigartiges architektonisches Denkmal der 60-iger Jahre im Gesellschaftsbau ist. Für mich bezieht sich der Denkmalschutz nicht nur auf die äußere Hülle.

  3. sandig

    möchte das Gesagte noch ergänzen: nach dem Umbau werden die Einnahmen nicht mehr reichen – dann ist der Grund gegeben, das aus sozialistischer Zeit bestehende Gebäude abzureißen. Siehe Palast der Republik Berlin! Dann kann das Gelände wieder gewinnbringend spekulativ an gut brgüterte „Altbesitzer“ verkloppt werden. Dann entstehen hier wieder gewinnbringende Kaufhäuser etc. Nur Profit zählt! Der Pöbel kann sich per TV seine Kultur reinnziehen! Auf zur westlichen Kultur und Demokratie!

Comments are closed.