Sternstunden der Bedeutungslosigkeit

Ein Buch, ein Mann, ein Antiheld. Was wollen wir mehr? Krisen, Schwächen,  Alltagswahnsinn und wie man vom Dorfpunk zum Stadtneurotiker wird.

Kurze Tage, graues Wetter und Eises Kälte sorgt für schlechte Stimmung. Aber nur dann, wenn man keine gute Lektüre hat, oder kein bequemes Sofa, oder zu viel Langweile. Dann neigen wir dazu uns in Selbstmitleid zu suhlen und erstarren im fies-novembrigen Alltag. Das muss aber nicht sein. Ein gutes Buch kann prophylaktisch wirken oder Abhilfe schaffen.

Rocko Schamoni: Sternstunden der Bedeutuungslosigkeit

Bild: Dumont Buchverlag

Dem geht’s ja noch viel schlechter, als mir! „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ von Rocko Schamoni verspricht hinter einem genialen Titel auch einen spannenden Inhalt. Wir begleiten Antiheld und kunsthassenden Kunststudent Michael Sommer mit all seinen Schwächen durch Krisen und den ganz gemeinen Alltagswahnsinn in der Warteschleife des Lebens.

Noch dazu bekommen wir inspirierende Ideen unseren oft bedeutungslosen, täglichen Wahnsinn aufzupeppen. Wie wäre es mit folgendem Kunstprojekt: Sobald man eine Touristengruppe sieht, die sich gerade vor einer Sehenswürdigkeit fotografieren lässt, quetsche man sich in merkwürdiger Pose zwischen sie. Später, wenn die Bilder dann irgendwo auf der Welt entwickelt sind, werden sich die Heimgekehrten fragen, wer das eigentlich ist und Ihr seid irgendwo auf der Welt auf irgendwelchen Urlaubsbildern vertreten. Wenn das mal nichts ist!

Wer bin ich eigentlich, was soll ich hier und was mach ich mit diesem Leben? Das scheint sich Sonntag ständig zu fragen, wer nicht. Auf keinen Fall ein normaler Spießer sein, das hat er sich vorgenommen und fliegt deshalb von Party zu Party, von Tag zu Tag, von Affaire zu Affaire. Und immer wieder blitzt die Bedeutung auf, lässt uns nicht aufhören auch solch schöne Sätze zu lesen, wie: „Einsame ältere Männer und Frauen mit Erinnerungen an Liebe, an Sexualität und Zärtlichkeit, mit Bildern im Kopf aus Tagen, in denen auch sie noch von der Welt gewollt wurden. Aber diese Wünsche nach Berührung verwelken nicht mit dem alternden Körper, diese Wünsche leben fort. Alle Menschen brauchen Liebe.“ Aber mehr noch, mehr noch!

Ja, es geht ihm schlechter als Euch, denn Schlimmer geht es immer, das ist doch reichlich tröstend. Es wird Zeit, dieses Buch zu lesen – schließlich ist es schon seit 2007 auf dem Markt.

TS

Rocko Schamoni
Sternstunden der Bedeutungslosigkeit
Verlag DuMont Literatur und Kunst, 2007
ISBN 978-3-8321-8011-9
14,90 Euro

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