Stadt mit ehrlichem Bezug zur eigenen Hipness

Man sollte meinen, Wash Echte spricht hier nur von seiner Wahlheimat Berlin. Dem ist aber gar nicht so.

Ihr kennt Wash Echte nicht?  Wash Echte – natürlich ein Pseudonym – ist ein Blogger, der Berlin zu seiner Wahlheimat gemacht hat und darüber schreibt, wie man ein Berliner wird, ein hipper Berliner wohlgemerkt. Darum hat er auch seinen Blog so genannt. Eigentlich kommt er aus London. Mit „Deutscher Präzision“ beleuchtet er außerordentlich unterhaltsam, was zu empfehlen und wovon abzuraten ist.

Weil es so unterhaltsam ist, gibt es das Ganze nun nicht nur als Blog, sondern auch als Buch.  Und wer dem Englischen nicht ausreichend mächtig ist, wem es zu Mühsam ist das Ganze im Kopf zu übersetzen und zu verstehen, wird sich freuen. Das Buch ist in Deutscher Sprache erhältlich.

Neben Berlin und den Berlinern beleuchtet Wash Echte aber auch die Eigenheiten anderer Städte samt ihrer Einwohner. Nicht verpassen, sollte man da beispielsweise den Abschnitt über Hamburg, oder auch die Schwaben. Sehr schön herausgearbeitet hat Wash Echte die Eigenheiten Münchens, der Münchner und all der Wahlmünchner. München ist gerade bei den hippsten aus dem hippen Kiez nahe Mitte als Konkurrenz zu ihrer Stadt verhasst. München stecke voller Kapitalisten und sei außerordentlich rückwärtsgewandt, sei eben wenig hip.  Der dortige Lifestyle manifestiere sich in seit Jahrzehnten wiederkehrenden – oder nie verschwundenen – gegelten Haaren, hoch geklappten Polo-Shirt-Krägen, oder nackten Füßen in Mokassins, die die Pedale eines weißen Golf Cabrio bedienen. So ganz Unrecht haben sie da ja nicht…

Aber Wash Echte weiß – unter vorgehaltener Hand, denn er lebt ja in Berlin – zu berichten, dass München eine kleine, gemütliche Stadt ist, die tatsächlich überhaupt keine Ambitionen hat, das neue New York zu werden. Und er es daher sogar ganz angenehm findet, in dieser Stadt zu sein. Sie habe einen ehrlichen Bezug zu ihrer eigenen Hipness. Noch einen oben drauf: Sie führe sich nicht auf, wie ein pubertierender Jugendlicher, der so tut als sei er der König der Welt.

Manch ein Münchner, der gerne hipper wäre, als man ihm nachsagt, spricht immer davon nach Berlin zu gehen, tut es aber nicht. Dahoam ist schließlich Dahoam! Manch ein hipper Berliner sollte vielleicht mal nach München reisen, um sich die Stadt genauer anzuschauen und nicht nur auf aufgeschnappten Mainstream-Meinungen herumzutrampeln, so der Kanon. Berlin und München, was macht eine echte und eine heimliche Hauptstadt eigentlich wirklich aus? Es kommt ganz auf die Perspektive an.

Mehr über Wash Echte und die Hippen oder gar nicht Hippen erfahrt ihr in seinem Blog oder in seinem Buch.

TS

Ich werde ein Berliner von Wash Echte

Bild: Coverbild, Goldmann Verlag, www.randomhouse.de

Wash Echte
Ich werde ein Berliner – How to be a really hip German
Verlag Goldmann, 2010
ISBN: 978-3-442-15647-4
8,99 Euro

(550 Posts)

One thought on “Stadt mit ehrlichem Bezug zur eigenen Hipness

  1. Jim Jiminez

    Kann ich unterschreiben. Obwohl ich eher skeptisch war, ob der eher angelsächsisch geprägte Witz des Blogs sich so einfach auf Deutsch übersetzen lässt, habe ich mir das Buch ungesehen bestellt, und nach ein paar Seiten war klar, dass es sehr wohl funktioniert. Der reservierte, beobachtende Stil von Wash Echte ist sehr gut getroffen. Das Buch ist jetzt schon mein Geheimtipp für 2010. Dieses Verbinden von Satire mit teilweise wirklich tiefergehenden, ans Philosophische grenzenden Beobachtungen (wie konnte es dazu kommen, dass man sich genauso kleidet, spricht, und denkt wie die alle um einen herum, aber sich dennoch für total individualistisch hält?), gefällt mir sehr gut und übertrifft alles, was über die Berliner Szene bisher veröffentlicht wurde.

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