Die Unvollendete

Die Sagrada Familia, der wohl spektakulärste Bau des genialen Architekten und Künstlers Antoní Gaudí, wurde vom Papst zur Basilika geweiht. Fertig soll sie erst 2026 werden.

Sagrada Familia Barcelona

Antoní Gaudís Sakralbau in Barcelona, den man Sagrada Familia nennt, heisst eigentlich „Temple Expiatori de la Sagrada Família“. Übersetzt würde das soviel bedeuten, wie „Sühnekirche der Heiligen Familie“. Ihre Bauzeit ist zwar nicht die längste der Menschheitsgeschichte, begann aber bereits 1882 und wird sich wohl noch bis ins Jahr 2026 hinziehen. Das hat mehrere Gründe: Antoní Gaudí, der katalanische Architekt, der den Sakralbau in neukatalanischem und für ihn typischen Stil ersann, hatte 1926 direkt vor der Kirche einen tödlichen Unfall. Er plante das Riesenprojekt auf einer Fläche von etwa 18.000 Quadratmetern mit 18 Türmen und Zwei prunkvollen Zierfassaden, konnte es aber nicht vollenden. Hinzu kam, dass während des spanischen Bürgerkriegs um 1935 die Originalpläne Gaudís verloren gingen. Anhand eines einzigen, leider auch beschädigten Gipsmodells, versuchen nun Barcelonas Architekten seit 1950 den Bau zu vollenden. Die Finanzierung erfolgt über Spenden und Stiftungsgelder.

Noch immer und immer wieder gibt es eine Debatte um den Bau. Die einen fordern, den Bau so zu lassen, wie ihn Gaudí nun einmal hinterließ. Die anderen fordern ihn zu vollenden, möge es noch so lange dauern.

2005 wurden die Geburtsfassade und die Gruft der Sagrada Família in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen, sozusagen als Erweiterung der anderen Weltkulturerbe-Arbeiten von Antoní Gaudí.

Der jüngste Höhepunkt in der Geschichte der Sagrada Familia war am 7. November 2010. Papst Benedikt XVI. kam nach Barcelona und erklärte, oder weihte die Kirche und erhob sie damit zu einer so genannten päpstlichen Basilica minor. Die Sagrada Familia bekam also einen besonderen Ehrentitel verliehen, der sie mehr an die Organisation Kirche, also den Papst bindet.

Von nun an finden Gottesdienste nicht mehr in der Krypta – in der die Gebeine Gaudís liegen – unten, sondern in der Basilika oben statt und zwar täglich. Benedikt der XVI. zögerte nicht die scheinbar gelungene Synthese aus Glaube, Kunst und Technik anhand der architektonischen Gestalt dieses Sakralbaus zu würdigen. Und er unterstreicht damit die Verbindung von christlichem und menschlichem Bewusstsein.

Die Sagrada Familia – ist sie auch unvollendet –  ist immer einen Besuch wert. Sie ist ein beeindruckendes Bauwerk, das bei jedem Besuch neue Perspektiven bietet. Allein die Fassaden sind schon so vielschichtig, dass man sie immer neu entdecken kann. Ihr müsst nicht bis 2026 warten.

TS

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