Roma – bella Roma!

Das „fare niente“ wurde jeh durch einen Rom-Aufenthalt unterbrochen. Es ist keine gute Idee in diese explodierende Stadt zu fahren, wenn man vorher mit Pecorino, Oliven, dem Wein, den Zypressenhainen und den sanften Hügeln, die die Sonne abends in Gold taucht, gesprochen und mit ihnen sinniert hat.

Bumm, da haut es dich raus aus deinen Träumen und du wirst geradewegs durch Rom geschoben, kannst dein Hirn bei Trenitalia in Termini abgeben… Sie folgen in Rom keinem Stern. Sie folgen dem bunten und sehr individuell gehaltenem Hirtenstab ihres jeweiligen Stadtführers, der mit ihnen über Funk verbunden ist und ihnen erzählt, was sie eigentlich auch ganz ohne ihn sehen könnten. Sie müssten nur die Augen auf machen und sich ihres Hirnes bedienen…verrückt! Obelix sagte: „Die spinnen die Römer!“ Es sind wohl weniger die Römer, die spinnen, als all die Touristenströme, die sich durch ihre Stadt schieben…Der Römer an sich, scheint einfach nur ums überleben zu kämpfen. Rom, bella Roma könnte so schön sein, aber es ist wahrlich der Wahnsinn. Gut, es hätte auch alles anders kommen können – ist es aber nicht. Dies gleich vorweg. Ein Tag in Rom ist ungefähr so anstrengend, wie ein Tag auf der Wiesn, nur, dass man in Rom nicht unbedingt Bier trinkt. Alle sind hier: Amerikaner, Australier, Japaner, Chinesen, Afrikaner, Deutsche, Franzosen, Engländer, Spanier…die ganze Welt und wir. Man könnte sagen, wer Rom liebt, der schiebt. Der schiebt sich in die Metro, der schiebt sich aus der Metro, der schiebt sich in endlos scheinenden Schlangen vorwärts zu jeder einzelnen Sehenswürdigkeit Roms, der schiebt sich zum Vatikan und durch den Petersdom, der schiebt sich durch die Straßen, durch den dichten Verkehr, vorbei an den unendlich vielen Gruppen, denen immer ein Stab voraus zieht. Man könnte eine ganze Geschichte über den kreativsten Hirtenstab schreiben, den die Stadtführer und Stadtführerinnen so gestalten, dass er sich von allen anderen unterscheidet. Sie müssen kreativ sein, diese Hirten mit ihrem Hirtenstab, damit ihre Schäfchen sich nicht verlaufen, verloren gehen und gar unzufrieden sind.

Trenitalia Roulette – setze auf den richtigen Zug
Von der Toskana aus – wo man nur reden muss, wenn man wirklich will – den Zug zu nehmen, bietet sich an. So muss man sich nicht durch den römischen Stadtverkehr schieben und ist daher weniger Herzinfarkt gefährdet. Das Ticket kostet ab Chiusi zwischen 9 und 16 Euro. Morgens um 7.31 Uhr fährt einer der ersten Züge nach Rom, verpasst man den – weil auf dem Weg zum Bahnhof 3 Ape’s vor einem hertuckern, oder vielleicht sogar der eigene Tank aus heiterem Himmel plötzlich leer ist, kann man auch den Zug um 8.30 Uhr nehmen und käme eineinhalb Stunden später mit einer weiteren Mütze voll Schlaf in Rom an.

Retardo 45 Minuti
Trenitalia und die Deutsche Bahn scheinen sich auf den ersten Blick nicht zu gleichen. Auf den zweiten allerdings schon. „Der Regionalzug nach Rom, der um 8.31 Uhr ab Gleis 3 abfahren sollte wird sich voraussichtlich um 45 Minuten verspäten. Er fährt übrigens auf Gleis vier, anstatt auf Gleis 3 ab!“. OK, das ist nicht so schlimm und nach einer Dreiviertelstunde kommt dann endlich die wärmende Sonne raus und der Zug tatsächlich auch am Bahnsteig an. Wer aber meint, er könne eine Mütze voll Schlaf im Zug nehmen, der sollte Oropax mitnehmen und sich durch nichts erschüttern lassen – nichtmal durch lautstarke und pikierte Amerikaner. Anstatt um 10 Uhr kommt man also dann gegen 11 in Rom an. „Roma Termini“: Die Türen gehen auf und der Zug spuckt tausende Menschen aus, die sich sofort von den Regionalgleisen aus – vergleichbar mit dem Holzkirchner Bahnhof in München –  sozusagen zur Kathedrale in Form des Bahnhofsgebäudes Termini auf den Weg machen. Also, auf zur Kathedrale der Mobilität! Auf zur Metro! Meistens sind allerdings wirklich auch alle die zum Bahnhofsgebäude pilgern auf dem Weg zur Metro und je näher man der Metrostation kommt, desto enger werden die Wege und desto mehr Menschen pilgern zusammen. Wie gesagt, wer Rom liebt der schiebt. So schiebt man sich zunächst zum Ticketautomaten. Vor dem Ticketautomaten endlich angekommen sollte natürlich das passende Kleingeld nicht fehlen, will man das empfohlene Tagesticket auch wirklich kaufen. Wer dann irgendwie feststellt, dass das Kleingeld zu klein ist und die Scheine zu groß, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich entgegen des Menschenstroms wieder hinauf in die Bahnhofshalle zu kämpfen. Gelati! Eine Gelegenheit das Geld zu wechseln. Also kauft man sich gleich mal den ersten Eisbatzen Roms, legt den großen Schein auf die Theke und „Va bene“: Da ist das nötige Kleingeld. Vier Euro reichen für ein Tagesticket für Bus, Straßenbahn und Metro durch Rom –  übrigens: eine empfehlenswerte Alternative zum Sightseeing Bus. Allerdings sollte man dann sein Hirn nicht bei Trenitalia in Termini lassen. Schleckend schiebt es sich besser zur Metro-Super-Ticket-Maschine. Bei dem herausragenden Klima in den engen Gängen erntet man neidische Blicke. An der Super-Ticket-Maschine helfen Zigeunerinnen eben jenen, die ihr Hirn doch bei Trenitalia gelassen haben. In wahrscheinlich allen Sprachen der Welt erklären sie, wie es funktioniert die Tasten zu drücken. „Vier Euro für das Ticket und einen Euro für mich, Signora!“ Was für ein lukrativer Job, so kannst du sicher in einer Stunde 200 Euro machen und zur Wiesnzeit ist das in München sicher eine Alternative zum Büro. Einfach mal versuchen… Mit dem Ticket in der Hand geht es dann weiter durch die Metro-Katakomben Roms und das ist wahrlich kein schöner Anblick. Oben hui unten pfui. Durch ein Labyrinth mit endlos vielen Pfeilen und Schildern schieben die Menschen sich zur Linie A Richtung Battistini und wer Glück hat, kommt sogar am Bahnsteig an. Panik braucht keiner zu bekommen nur Entscheidungen sind ständig zu treffen, denn es gibt mehr Schilder, die zu einem Ausgang weisen, als zum richtigen Bahnsteig. Raus oder doch standhalten? Weiterkämpfen, oder aufgeben? Aber das ist ja alles erst der Anfang. Dann endlich ist der Bahnsteig erreicht und sogleich fliegt die Metro ein. Als Kinder hatten wir mal gelernt, dass man die Leute erst aussteigen lässt und dann einsteigt. In Rom, sollte man diese gute Erziehung jedoch wegsperren. Man sollte so schnell wie möglich einsteigen, ohne nachzudenken – tut man es nicht, helfen die Römer nach. Sie schieben so lange, bis sich die Türen schließen. Haltet also Arme und Beine und überhaupt alles beieinander, sonst bleiben die am Ende noch an der Station stehen.

Die spinnen die Römer!
Obelix wurden diese visionären und immergültigen Worte in den Mund gelegt. Kaum an der richtigen Station angekommen, schiebt man sich in den römischen Straßenverkehr und auch hier gilt: „Vergiss, was du gelernt hast, lauf um dein Leben!“ Sportarten wie Parcours werden in Rom gar nicht erst ausgeübt. Wahrscheinlich würden die Römer gar nicht verstehen, wieso das, was sie tagtäglich immerwährend machen überhaupt als Sport tituliert wird. Schon die Kleinsten wissen sich aus ihrem Kinderwagen heraus zu behaupten, fehlt nur noch, dass sie ihn selbst steuern und nicht ihre mutige Mama. Die Hunde Roms sind so abgebrüht und agil wie kaum andere Stadthunde. Sie brauchen keine Extra-Agility oder Dogdancing auf einer grünen Wiese, damit sie nicht unterfordert sind und vor langweile eingehen. Sie haben genug zu tun, um ihren täglichen Spaziergang zu absolvieren und dabei zu überleben und Herrchen und Frauchen bei all dem Trubel nicht aus der Nase zu verlieren.

Rom ist voll
Die Hauptreisezeit für diese Stadt sind 365 Tage oder 52 Wochen im Jahr. Kaum vorstellbar, dass man hier auch ganz normal leben kann. Um eine Strecke von zwei Kilometern durch die Stadt zu überwinden, muss man entweder schweben, oder schon automatisch eine oder auch zwei Stunden mehr einplanen als anderswo. Die Masse schiebt sich mal schneller und mal langsamer durch die Straßen in die Metro und die Tram und die Busse – aber immer schiebt sie sich. Die Römer haben wohl für sich selbst beschlossen, sich keinesfalls in eine Schlange einzureihen. Ob am Ticketautomaten, im Supermarkt, an der Metro, selbst im Petersdom – als Römer sieht man eine Schlange und geht auf jeden Fall nach ganz vorne. Fängt dann ein Tourist an zu meutern, der sich brav eingereiht hat, wird groß rumlamentiert. Lamentieren und Diskutieren sind übrigens Eigenschaften, vor denen man sich bei einem Rombesuch auf keinen Fall scheuen sollte, sonst kommt man zu nichts. Quatscht Euch in bereits geschlossene Museen hinein und quatscht Euch aus prekären Situationen heraus, debattiert über den zu hohen Preis für einen Espresso und gewinnt dabei auch noch Freunde – vorausgesetzt ihr beherrscht die Sprache.

Trenitalia Roulette – setze auf den richtigen Zug: nicht aufgeben! Ja, um 22.36 Uhr fährt der letzte Zug des Tages zurück in die beschauliche und erholsame Toskana. Allerdings steht zwar beinahe überall „ab Roma Termini“, aber da wird ein bisschen getrickst und Trenitalia fordert Euch zum Kampf auf. Die Gladiatoren begeben sich aufs Feld und haben erfolgreich die Super Trenitalia Ticket-Maschine besiegt! Jetzt heißt es um so mehr aufgepasst, denn sie wird subversiv zurückschlagen. Wer um 22.18 Uhr das Rückticket für den Zug um 22.36 Uhr gekauft hat, dem kann durchaus erst vom Schaffner am richtigen Gleis gesagt werden, dass es zwar das richtige Gleis und auch die richtige Uhrzeit ist, aber noch lange nicht der richtige Zug. Der richtige Zug fährt nämlich ab Roma Tiburtina ab und den Zug, der Euch dorthin bringt, den habt Ihr dann aber leider gerade verpasst. Spielt das Spiel weiter. Der Kampf ist noch nicht verloren, es steht eins zu eins. Im Service Center geht es auf zum nächsten Gefecht. Wo ist der Zug? Hmmmm, der ist gerade ab Tiburtina abgefahren. Aha, und was machen wir jetzt? Ihr habt eine Stunde Zeit, um Euer Ticket am Ticketschalter von Trenitalia umzutauschen! Secondo Galeria lautet das Losungswort. Macht Euch auf den Weg. Um 23.00 Uhr schließt der Schalter allerdings und bereits eine Viertelstunde vorher wird die nächste Hürde in Form eines Bediensteten aufgestellt. Dies ist eine günstige Situation um das Lamentieren und Debattieren zu üben. Wer sich nicht abwimmeln lässt, gewinnt und wird bis zum Bahnpersonal am Schalter vorgelassen. Regalo! Regalo! Sconto! Alles Gratis! Lasst Euch von den Freudengesängen des Trenitalia-Mannes nicht irritieren. Er hat in einer Viertelstunde Feierabend, da kommt Ihr ihm gerade recht. Feierabend! Tutto Chiaro?! Während er euch ein neues Ticket für den nächsten Tag ausdruckt und gegen das andere tauscht, könnt Ihr ihm ja was vom Oktoberfest erzählen, sicher freut er sich darüber. Ah, Monaco di Baviera! Bier!

Buonanotte
Es steht wieder zwei zu eins. Ha! Oder doch nicht? Weil Ihr ja den letzten Zug verpasst habt, müsst Ihr irgendwie die Zeit herumkriegen, bis der erste wieder fährt, oder Ihr nehmt erst einen gegen Mittag und übernachtet in einem Hotel. Also doch zwei zu zwei. Es steht unentschieden und es liegt an Euch. Wieder gilt es eine Entscheidung zu treffen. Fest steht Trenitalia hat jetzt zu. Euer Hirn ist also entweder hinter Schloss und Riegel, oder zur freien Entfaltung in Eurem Kopf verblieben. Letzteres ist natürlich die bessere Variante. Wer sich für ein Bett anstatt eine Parkbank oder den Bahnhofsboden entscheidet, der muss sich sputen. Ab Mitternacht sind nicht mehr viele Hotelrezeptionen besetzt. Es lohnt sich auf jeden Fall vor einem Romtrip ein paar Herbergen ausfindig zu machen, die nicht horrende Übernachtungspreise haben und dann zu hoffen, dass tatsächlich noch ein Zimmer frei ist. Noch besser ist es natürlich, wenn Ihr Jemanden kennt, der gerade in Rom ist und vielleicht sogar vorsichtshalber ein Zimmer für Euch optioniert hat. Noch besser?! Pah, das ist der absolute Hammer und Ihr könnt Euch glücklich schätzen, solch umsichtige Menschen zu kennen. So wird die Nacht dann wirklich noch eine „Buona Notte“ und am nächsten morgen gibt es sogar noch ein leckeres Frühstück, einen guten Kaffee und nette Gespräche.  Natürlich kann man sich auch ein paar Stunden in der Stadt herumtreiben und auf den ersten Zug zurück in die Toskana warten. Der Vorteil ist dann definitiv, dass man zwar total fertig ist, aber man kann sich frei bewegen. In der Nacht schiebt dich keiner durch Rom, da musst du schon selbst für den aufrechten Gang und dein Fortkommen sorgen.

Solo Domenico Wer dann – einigermaßen schlapp und müde – noch Zeit hätte, um etwas mehr von dieser wunderschönen Stadt in sich aufzusaugen, dem seien die Linienbusse oder Straßenbahnen empfohlen. Das Ticket habt Ihr ja – braucht Ihr eh, um wieder zum Bahnhof zu gelangen und auch mit einem einfach Ticket für einen Euro kann man immerhin 75 Minuten quer durch Rom düsen. „Alora, va bene“. Setzt Euch in einen Bus an dessen Haltestellenschild interessante, bekannte Stationen stehen und vergewissert Euch, dass es ein Stadtbus und nicht ein Überlandbus ist. „Urbana“ sollte oben drauf stehen. Abfahrtszeiten gibt es nicht, aber der Bus kommt in jedem Fall – es sei denn es hängt irgendwo ein Zettel „Solo Domenico“. Dann nämlich fährt der Bus von dieser Haltestelle nur am Sonntag ab und nicht dann, wenn Ihr da unter der Woche herumsteht und wartet. Der Stadtbus ist eine wirklich gute Alternative zum Schieben. Im Bus könnt Ihr sitzen – kaum einer ist richtig voll. Wenn Ihr was seht, was Ihr unbedingt näher betrachten wollt, steigt einfach aus. Meist dauert es nur 10 Minuten bis der nächste Bus in die gleiche Richtung kommt und Ihr wieder weiterfahren könnt.

Trenitalia Roulette – setze auf den richtigen Zug: Spiel Satz Sieg
Wie auch immer Ihr die Nacht herumgebracht habt. Sobald Ihr das Bahnhofsgebäude betretet heißt es Aufgepasst. Was kann noch kommen? Der Zug war da, ist aber schon wieder weg. Oder: Der Zug fährt heute nicht, sondern nur am Sonntag. Oder: Der Zug hat leider drei Stunden Verspätung…Man kann ja nie wissen. Nun gut, was soll schon jetzt noch schief gehen, denkt Ihr Euch, bis die Anzeigentafel zu sehen ist. Hinter dem Zug mit der Zugnummer, die auf Euerem Ticket steht, steht in roter Schrift geschrieben, dass er 45 Minuten später als erwartet eintreffen wird. Moment, noch mal vergewissern! Doch jetzt sind es schon 55 Minuten. Da solltet Ihr misstrauisch werden, denn Ihr wisst ja mittlerweile „Trenitalia Roulette – setze auf den richtigen Zug“, das ist die Aufgabe. Bevor es 2 zu 3 für Trenitalia stehen kann, heißt es nun für Euch taktisch klug vorgehen. Welcher Zug fährt ab „Roma Termini“ Richtung Firenze und wenn es einen gibt, hält der auch in Chiusi? Ja. Hurra und der Zug hat bis jetzt auch keine Verspätung. Nehmt ihn. Nehmt ihn in jedem Fall, sonst hat Trenitalia den Sieg eingefahren und Ihr steht auch morgen noch in Rom. Es sei denn, Ihr seid von dieser wunderschönen Stadt so verzaubert, dass Ihr Euren Aufenthalt gleich noch um eine Woche verlängert und dann einfach zurück nach Hause fliegt anstatt mit dem Zug zu fahren. Bella Roma! Das kann schon mal vorkommen.

TS

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2 thoughts on “Roma – bella Roma!

  1. TV

    Rom, ja das schöne Rom! Voll, heiß und immer laut! Gut beschrieben und noch besser mit TRENITALIA verpackt 😉

  2. Susi G

    ein wunderbarer beitrag zur situation trenitalia. alles selber schon erlebt. mit dem nachtzug… man glaubt man ist schon finalemente in roma, doch der zug wird immer langsamer und die stops länger.
    aber das gelati in rom ist es allemal wert.

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