In Reykjavik regiert Humor und Kultur

Jón Gnarr, Komiker und neuer Bürgermeister, und „Die Beste Partei“ versuchen ihr Land aus der misslichen Lage zu führen und haben dafür ihre ganz eigene Hauptstadt-Politik.

Als die isländische Regierung gestürzt wurde und die Wirtschaftskrise das Land an den Abgrund brachte, wurde auch der Bürgermeisterposten in der Hauptstadt frei. Mit seiner Partei „Besti Flokkurinn“, übersetzt „Die Beste Partei“, trat Jón Gnarr zu den Kommunalwahlen an und gewann. Zwar muss er sich auch auf den Koalitionspartner einstellen, aber er regiert jetzt wirklich Islands Hauptstadt.

Auch einige Deutsche hätten wegen Hape Kerkelings Film „Isch kandidiere“ bei der letzten Wahl wohl auf „Horst Schlämmer“ und seine Partei „HSP“ gesetzt, wäre er wirklich angetreten und auf der Liste zu finden gewesen. So muss es auch den Isländern gegangen sein, nur mit den beiden entscheidenden Unterschieden, dass Jón Gnarr und „Die beste Partei“ wirklich angetreten sind, wählbar waren und das Island so dicht am wirtschaftlichen Abgrund steht, wie kaum ein anderes Land Europas, also dringend Aufwind und Erneuerung braucht.

Die beste Partei, Island

Bild: Home, bestiflokkurinn.is

Jón Gnarr – seine Frau soll übrigens die beste Freundin von Björk sein – und „Die beste Partei“ versprachen ihren Wählern einiges. Der Trupp aus Komikern und Künstlern aus verschiedenen Bereichen machte klar, dass sie sich bereichern wollen, dass sie das Parlament bis 2020 Drogenfrei machen möchten und gleichzeitig Reykjavík aus den Schulden führen werden. Außerdem wollen sie kostenlose Handtücher im Schwimmbad einführen und Eisbären für den Zoo besorgen.

Das kam beim Volk an. „Die beste Partei“ bekam 34,7 Prozent der Stimmen, „Die Unabhängigkeitspartei“ bekam 33,6 Prozent und die Sozialdemokraten 19,1 Prozent. Jetzt wird es ernst für „Die beste Partei“. Keiner der Parteimitglieder hat jemals einen solchen Job gemacht, da ist es vielleicht ganz gut eine Koalition mit den Sozialdemokraten zu haben. Es ist nicht einfach eine Hauptstadt zu regieren in der die Arbeitslosigkeit schlappe acht Prozent beträgt, alle Bürger verschuldet sind und keine Aussicht auf Besserung sichtbar ist.

Materiell wird „Die beste Partei“ sich sicher kaum bereichern, ideell aber allemal und sicher auch ihr Volk. Gerade gestalten sie das Regierungsprogramm in Zusammenarbeit mit den Politprofis aus den Reihen der Sozialdemokraten.

Wir sind gespannt, drücken die Daumen, dass alles glatt geht und die Lachssaison eröffnet werden kann.

TS

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