Pro und Contra zur 3. Startbahn in München

In München findet am Sonntag, den 17. Juni 2012 einen Bürgerentscheid statt zum Ausbau des Flughafens Franz-Josef-Strauß mit einer 3. Startbahn. Und weil die Geister sich hier scheiden, haben wir ein paar Argumente Pro und Contra zusammengetragen.

Flughafen München, www.munich-airport.de

Flughafen München, www.munich-airport.de

Hier also Pro und Contra zur 3. Startbahn in München
Pro Flugverbindungen und Auslastung: Es sollen nicht nur mehr Direktflüge für Fluggäste möglich sein, sondern viel schneller viel mehr Produkte und Dienstleistungen aus München in die Welt kommen und damit die Wirtschaft in München und Umgebung ankurbeln. Ein Ausbau erhöht zudem die internationale Konkurrenzfähigkeit, denn momentan meldet der Flughafen am Limit zu sein. Einige Fluggesellschaften können derzeit nur zu unattraktiven Zeiten Start- und Landerechte bekommen.

Contra Flugverbindungen und Auslastung: Mehr Direktflüge, oder generell mehr Flüge wären mit zwei Startbahnen möglich, wenn man unattraktive Flugzeiten in Kauf nehmen würde. Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schätzt die Starts und Landungen, die Pro Jahr auf zwei Startbahnen abgewickelt werden können auf 500.000. Für den Flughafen München wären auch bei zwei Startbahnen – wie derzeit vorhanden – rund 90.000 Starts und Landungen mehr – also etwa 246 Starts und Landungen pro Tag mehr – möglich.

Pro Arbeitsplätze: Geschätzte 11.000 neue Arbeitsplätze will man mit dem Ausbau schaffen. Bisher gibt es etwa 30.000 Beschäftigte am Münchner Flughafen.

Contra Arbeitsplätze: Wie man zum Beispiel beim Ausbau zur 4. Startbahn am Rhein-Main Airport beobachten kann, bringt eine weitere Startbahn nur bedingt mehr Arbeitsplätze. Voraussichtlich wird es weder im Tower, noch beim Bodenpersonal der Airlines, oder im Innenbereich des Flughafens und im Einzelhandel im Flughafen, weitere Jobs geben.

Pro Stadtkämmerei: Sollten von den 11.000 Arbeitsplätzen, die geschaffen werden, Menschen aus München kommen, oder deshalb nach München ziehen, würden sie ihre Steuern in München zahlen und die Stadt hätte mehr Einnahmen.

Contra Stadtkämmerei: Von den derzeit 30.000 Beschäftigten am Münchner Flughafen, wohnen nur rund 6.000 in München und zahlen dort ihre Steuern. Würden neue Arbeitsplätze geschaffen, bedeutet dies nicht zwangsläufig mehr Einnahmen für die Stadtkasse.

Pro Standort: International tätige Unternehmen schätzen eine hohe Mobilität und mehr Flugverbindungen in die Welt. Mit einer weiteren Startbahn könnten sich mehr Firmen für den Standort München entscheiden – und das wiederum könnte zum einen mehr Arbeitspläzte, mehr Steuerzahler und mehr Gewerbeeinnahmen bedeuten.

Contra Standort: „Weltstadt mit Herz“ lautet schon jetzt der Slogan der Stadt. Für Firmen ist das Prestige sich einen Standort hier überhaupt leisten zu können – bei den Immobilienpreisen – ein wichtiger Faktor. Zudem schaffen das Web und darüber mögliche Videokonferenzen noch schnellere und sogar umweltfreundlichere Verbindungen in die Welt.

Pro Umweltschutz durch Ausbau: Häufig müssen Flieger am Himmel Kreise ziehen, bis sie eine Landegenehmigung erhalten können. Das bedeutet bislang eine erhöhte Lärmbelästigung und verbraucht mehr Kerosin.

Contra Umwelt durch Ausbau: Erhöhte Lärmbelästigung und Mehrverbrauch von Kerosin wäre nicht nötig, würde man die beiden vorhandenen Bahnen besser nutzen, wie zum Thema Auslastung beschrieben. Durch eine ordentliche Auslastung der beiden vorhandenen Startbahnen, gäbe es zwar auch mehr Starts und Landungen, also auch mehr Lärm- und Schadstoffbelastung, aber es müssten nicht noch zudem 1.000 Hektar Vogelschutzgebiet zerstört werden. Bei einem Ausbau schon. Für den Bau des Flughafens in den 1990er Jahren ins Erdinger Moos wurde der Grundwasserspiegel für das Gebiet abgesenkt und die Moorlandschaft musste weichen. Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels ist die Artenvielfalt von Flora und Fauna im Naturschutzgebiet nicht nur zurückgegangen, einige Arten sind sogar bedroht, meldet der Bund für Naturschutz. Die damals angelegten so genannten „Ausgleichsflächen“ sind also nachweislich kein Ersatz für das bislang zerstörte Naturgut Erdinger Moos. Hinzu kommt, dass München sich vorgenommen hat eine bessere Ökobilanz zu bekommen. Öko ist Trend! Alternative und regenerative Energien sind auf dem Vormarsch. Dieser Trend schließt auch eine ökologischere Mobilität mit ein.

Pro Kosten: Die Gesamtkosten werden derzeit auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt, für die die Flughafengesellschaft selbst aufkommen will. Die Stadt oder der Kreis und damit die Bürger zahlen nichts.

Contra Kosten: Die Kostenschätzung für den Ausbau liegt derzeit bei 1,2 Milliarden. Doch wieviel Budget wurde anfänglich für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg – oder die Elbphilharmonie – geschätzt? Die Flughafengesellschaft, die für das Budget allein aufkommen möchte, hat derzeit geschätzte 2 Milliarden Euro Schulden. Welche Bank gewährt ihnen unter diesen Umständen einen Kredit und wer wird dafür bürgen?

Wir sind gespannt, wie sich die Münchner entscheiden. Genug Argumente für Pro oder Contra haben sie an der Hand.

Übrigens: Die Gemeinden die direkt um den Flughafen herum liegen, wie Erding, Mosinning, oder Freising sind vom Bürgerentscheid ausgeschlossen, obwohl sie am Stärksten vom Ausbau betroffen wären. Da die Stadt München mit 23% Gesellschafter des Flughafens ist, der Freistaat Bayern mit 51% und der Bund mit 26% dabei sind, bliebe für die Mitbestimmung der um den Flughafen München herumliegenden Gemeinden also nur, der Freistaat Bayern mit einem Bayerischen Volksbegehren.

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