Musik und Gesang

ist bei Christen üblicherweise Ausdruck von Frömmigkeit und Dankbarkeit. Doch an Karfreitag scheiden sich darüber die Geister.

Vor ein paar Jahren zogen wir durch die Nacht in der Stadt, in einem beliebten Viertel voller Bars und Clubs und wunderten uns ob der Stille, die uns umgab. Was war bloß los, in dem Viertel, indem doch eigentlich immer was abgeht?! Ganz einfach: Wir waren in Bayern, in München – zwar im Glockenbachviertel, aber es war Karfreitag.

Musik und Gesang zu Ostern

Lapidar winkte ein Barkeeper ab und erklärte uns, dass wir ja gerne alle zusammen „Ein Schiff das sich Gemeinde nennt“ singen könnten, aber alle anderen Sounds stünden leider unter Strafe und man habe schon mal eine Abmahnung kassiert. Natürlich wollten wir nicht, dass die Konzession entzogen wird, aber singen und dann auch noch „Ein Schiff das sich Gemeinde nennt – weil es das einzige Kirchlied war, was der Barkeeper selbst kannte – das wollten wir auch nicht.

Für die meisten anderen Nachtvögel schien es normal, dass keine Bässe aus der Box wummerten und uns keine wohligen Klänge zum Tanzen verführen. Für uns war das ganz wundersam, was wohl daran lag, dass wir halt Preußen waren…dachten wir.

Doch auch jenseits des Weißwurstäquators hört man seit neuestem, also genauer seit jetzt, zwischen Gründonnerstag und Karsamstag auch nichts mehr. Tanzverbot allerorts, sogar in Frankfurt. Der Ordnungsdezernent – ja, so einen Beruf gibt es wirklich – hat sich durchgesetzt und urplötzlich verschärfte Kontrollen angesagt. Er pocht auf das seit 1952 bestehende hessische Feiertagsgesetz und will es durchziehen. Das ist neu.

Casinos, Spielhallen, Puffs, Freizeitparks und dergleichen dürfen aber öffnen und den Menschen Freude bereiten. Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit! Nicht allein ums Feiern geht es ihnen,  denn so ein Clubabend und die diversen Veranstaltungen waren bereits lange im Voraus organisiert und kosten schließlich auch ganz schön was. In ihrer Ohnmacht, über die angedrohten, plötzlichen und unvermuteten Kontrollen, wandten sich die Frankfurter Clubbesitzer an die Oberbürgermeisterin Roth. Sie möge Gnade vor Gesetz ergehen lassen… bisher gibt es in dieser Sache jedoch keine neuen Erkenntnisse. Da hilft nur noch beten.

Apropos, die Kirche schmückt sich derweil mit den Zeilen „Karfreitag – Zeichen der Stille“ und schweigt. Man kann gespannt sein, ob sich dieses Schweigen denn auch über die österlichen Zusammenkünfte legt – wäre doch auch dies eine Erfahrung der ganz anderen Art: Stumme Chöre und Kirchengänger, ruhende Organisten, eingeklemmte Glöckchen, verschwiegene Predigten.

Wir wünschen allen Frohe und friedliche Ostern  – still müssen wegen uns die Feiertage aber nicht sein – sonst müsste man sie in Ruhetage umbenennen ; ) und anstatt Frohe Ostern vielleicht eher verschwiegene oder sogar scheinheilige Ostern wünschen ; )

TS

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