Light+Building 2012

Die Light+Building, die weltgrößte Messe für Licht und Gebäudetechnik und ganz nebenbei auch ein Treffpunkt der Architekten und Lichtplaner-Szene, hat in Frankfurt noch bis morgen die Türen geöffnet. Und was soll ich sagen: So ein Messegang ist doch lustig. Nicht nur wegen des Fachwissens, der Trends und der Kontakte, die man in seinem Fachbereich knüpfen und pflegen kann. Nein, auch an sich.

Vom Messealltag

Fähiges Personal am Eingang bescheinigt einem Online-Affinen die Unwissenheit: „Nein, mit dem auf dem Smartphone abgespeicherten Bar-Code alleine, kann ich Sie nicht einlassen. Da bräuchte ich schon die zugehörige Karten-Nummer!“. Seltsam nur, dass es am nächsten Tag an anderer Stelle problemlos funktioniert.

Im Anschluss freut man sich darauf, die Trends in Augenschein zu nehmen. Und noch bevor ich über den ersten Trolley eines asiatischen Mitbesuchers gestolpert war, wollte ich sinnvollerweise die Jacke abgeben. Auf Nachfrage, wie lange die Jacken denn abgeholt werden können, darf man sich dann in hessischem Dialekt des 65-jährigen Garderobieres anhören: „Bis 19.30 Uhr. Denge Sie, mir mache Nachtschicht?“ Zu meiner Anmerkung, dass es da ja auch die eine oder andere Standparty gibt, meinte mein charmantes Gegenüber: „Ja, des is doch net mei Problem.“ Mit Kopfschütteln und Jacke verließ ich die Garderobe. Gut: Die 2 Euro konnte ich mir sparen!

Was gibt’s denn Schönes?

Aber weg vom Messealltag und hin zum Thema. Denn frische Ideen gab es schon auch. In den Hallen 1.0 und 1.1 findet man – wie schon in den vergangenen Jahren – eher dekorative Leuchten: von umgekehrten Schreibtischleuchten bei den Jungdesignern, über die mit falschen Schmetterlingen besetzen Ingo-Maurer-Glühbirnen bis zur schalterlosen, aber dennoch mittels Handwink dimmbaren Tischleuchte bei Nimbus.  Nette Ideen, die der einen oder anderen exklusiven Eigentumswohnung im Münchner Lehel vielleicht noch eine extravagante Note geben könnte. Aber Ironie beiseite: Tatsächlich gibt es wieder interessante und vor allem gestalterisch anspruchsvolle Leuchten auf der light+building zu sehen. Die spanischen Hersteller wie Marset glänzen mit einfallsreichem Design und  ansprechender Standarchitektur. Bei Viabizzuno stehen riesige Klatschmohn-ähnliche Aussenleuchten, die schon einen zweiten Blick lohnen. Oder die Mia von Domus, eine filzbespannte und mit starken Farben versehene Leuchte für den Beistelltisch.
Generell sind Farben einer der Trends. So findet man an vielen Ständen Lampenschirme mit gefärbtem Plexiglas oder Glas. Auch Deckeneinbauleuchten, die um die Lichtquelle eine farbige Aurora bekommen haben sind – sagen wir mal – keine Seltenheit. LED macht´s möglich.

Die LED Technologie ist wie nicht anders zu erwarten eines der Kernthemen der light+building. Ohne ein LED-Produkt traut man sich als Aussteller nicht auf diese Messe. Auffällig für mich ist dabei, dass das Thema bei den Herstellern angekommen ist. Zumindest bei manchen. Denn es begegneten mir noch genügend Vertriebler, die mir (wie im entsprechendem Newslettern im Vorfeld) mit den Worten entgegen sprangen: „Wir haben jetzt auch LED im Programm!“ Ganz neu und ganz toll und viel besser als die Anderen.
Zu sarkastisch? Ich versuche mich zu bessern.

Die Firmen, die sich tatsächlich mit der neuen und energieeffizienten Form des Beleuchtens auseinander gesetzt haben, sind da schon etwas überschaubarer. Das einer der Branchenvorderen wie Erco LED kann, ist nicht weiter überraschend. Interessant ist hier – und auch bei einem der langjährigen LED-Forscher wie Nimbus oder der Truppe von XAL – die Art und Weise, wie das Leuchtmittel genutzt wird. Man erkennt, dass hier nicht nur wie beim Gro der Aussteller die Glühbirne raus- und ein Ersatz-LED-Produkt eingeschraubt wurde. Diese Firmen haben sich sowohl in Technik und Forschung als auch in Design mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt und daraus Neues erstellt. Wirklich gut.

Bei Artemide und auch bei XAL arbeiten anscheinend auch Liebhaber von Science Fiction: Artemide präsentierte mit der „Scopas“ eine Hängeleuchte im Stil des nicht vollendeten Todessterns aus Star Wars. Auch eine zweite Leuchte mit Röhren im Inneren erinnerte an die Energieknoten, die Obi Wan Kenobi in Episode 4 ausschaltet. Bei XAL hängen schallabsorbierende Pendelleuchten wie UFOs auf dem Stand. Übrigens eine gute Lösung für die Schallproblematik.

Standdesign von Zirkus bis Rocher

Interessant für den Messebesucher mit Architektur-Background ist neben den Ausstellungsstücken vor allem das Ausstellungsumfeld, sprich das Standdesign. Und da geben die Aussteller teilweise richtig Gas.

Konsequent von Stand bis Tüte ist hier Delta Light zu nennen. Wie Ferrero Rocher: Immer goldrichtig. Der Stand in Halle 3 glänzt golden und wirkt wie in Notdecken verpackt. Etwas verkrümpfelt, aber edel.

Occhio hat sich wieder Platz verschafft: Auf zwei hellen und offenen Ständen nebeneinander, wird einem eines verdeutlicht: Klotzen statt Kleckern. Interessant dabei: der bespielbare Wasserfall. Eine Wasserwand, die Formen wie beispielsweise verdrehte Schlangenlinien erzeugt.

Manege frei für Modulor. Da steht tatsächlich ein Zirkuszelt in Halle 3. Und das Konzept wurde durchgehalten. Kataloge bekommt man am Ticketschalter im Wohnwagen, Leuchten werden hinter roten Samtvorhängen gezeigt und die Bar sitzt wie Löwen hinter Gitterstäben in der Arena.

Daneben sieht man Klassiker wie den Erco-Stand, der sich meinem Wissen nach nie ausschlaggebend verändert hat. Gut gelöst und ähnlich konzipiert sind Prolicht und XAL, die in einem äußeren Ring die Produkte in weißem Umfeld zeigen und im dunkleren Zentrum Bar und Empfang beherbergen. Die Bretterbude von Wever & Ducré mit aufgesprühter Information ist ebenso gelungen wie iGuzzinis Deckenmalerei a la Michelangelo auf der innenliegenden und vom Boden illuminierten Piazza des Standes.

Wirklich undurchsichtig und vielleicht auch etwas kurzsichtig wirken die Stände der großen Leuchtmittelfirmen wie Osram oder Phillips. Wer hier etwas oder jemanden sucht wird definitiv nicht auf Anhieb fündig. Und da helfen auch die orange gekleideten Messehostessen in ihren Flugbegleiterinnen-Outfits nicht.

Unverständlich auch die mäßig belichteten Schautafeln des AIT-Awards. Auf einer Messe für Licht dürfte man auch von einer Fachzeitschrift erwarten, die Exponate etwas besser ins rechte Licht zu setzten. Zugegeben: die Verortung war gut gewählt. Bei Wartezeit vor den Toiletten konnte man sich gelungene Architektur ansehen.

Fazit

Alles in allem ist die light+building eine Reise in die Mainmetropole Frankfurt wert. Nicht nur als Elektriker, der bei seinen Lieferanten mal das eine oder andere Getränk oder Goodie abstauben will, sondern auch als Architekt, der sein Wissen und damit seinen Horizont erweitern will.

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Text und Bilder: Axel Dürheimer

(1 Posts)

2 thoughts on “Light+Building 2012

  1. Liese

    Ein wunderbarer und informativer Einblick zur Light & Building, vielen Dank. Im nächste Jahr bin ich auch wieder da und freue mich schon jetzt darauf. Mal sehen, welche Leuchten, dann dort so abhän
    gen ; )

  2. Joana Carvalheira

    Ich war auf der Light + Building und liebte die Veranstaltung. Delightfull war mein Lieblings-Stand. Herzlichen Glückwunsch an Diogo Carvalho verankertYoung Designer. 🙂

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