Licht unter der Erde

Der Erweiterungsbau des Frankfurter Städel ist offen für Alle, ab Samstag, den 25. Ferbuar 2012. Wir hatten die Gelegenheit schon zuvor durch die hellen Säle zu schreiten.

Der Garten des Frankfurter Städel ist übersät von insgesamt 195 bullaugenartigen Fenstern. Zwischen einem sattgrünen Rasen wirken sie wie kleine Kapseln, oder Seifeblasen, die nur darauf Warten in die Höhe steigen zu können. Schon vor einer Weile haben wir uns vom Bauzaun aus die Städelsche Baustelle angesehen und von dort aus für gut befunden. Klar war, dass die Bullaugen-Fenster im Boden dem Erweiterungsbau der darunter entstand Licht geben sollen. Wir waren – zugegeben – etwas skeptisch, ob die Idee der Architekten Till Schneider und Michael Schumacher auch die gewünschte Helligkeit bringt und damit der neuen Sammlung an Gegenwartskunst gerecht wird.

Und nun? Fast schütteln wir beschämt den Kopf, wegen unserer anfänglichen Skepsis. Denn die Erweiterung des Städel Museum in Frankfurt am Main ist ein Licht durchfluteter, unterirdischer Bau, der die Werke strahlen lässt und ihnen den wohl größtmöglichen Respekt zollt.

Die neue Sammlung der Gegenwartskunst ist hier bestens präsentiert. Und sie zeigt nicht nur große Namen, sondern auch in Vergessenheit geratene Werke von vergessenen Künstlern.

Treppe zum unterirdischen Erweiterungsbau des Städel Museum

Treppe zum unterirdischen Erweiterungsbau des Städel Museum, www.staedelmuseum.de

Begrüßt von Tischbeins Bildnis von Johann Wolfgang von Goethe steigen wir über eine Freitreppe hinab in die Helligkeit. Weiße Wände und eine Decke, die zum Teil ganze 8 Meter hoch ist. Das muss der Hügel sein, den wir vom Garten aus sahen. Durch die Bullaugenfenster strahlt das Licht von draußen hinein und wenn wir hinauf sehen, blicken wir zum Himmel.

Um den Hauptraum, der eine verbindenden Mischung an Werken zeigt, und auch ohne große Namen auskommt, werdet Ihr rund 300 weitere Werke auf insgesamt 700 Quadratmetern vorfinden. Es lohnt sich die Werke in Ruhe zu betrachten, zu studieren oder über sie zu grübeln.

Innenraum der Sammlung der  Gegenwartskunst im neuen Städel-Erweiterungsbau

Innenraum der Sammlung der Gegenwartskunst im neuen Städel-Erweiterungsbau, www.staedelmuseum.de

Einige der Prachtexemplare haben Sammlungsleiter Martin Engler aus der Sammlung des Städels wieder ausgegraben. Ankäufe von Klaus Gallwitz, Ankäufe des so genannten „Städelkommitess“, Dauerleihgaben der Deutschen Bank sowie der DZ Bank und Schenkungen von Frankfurter Unternehmerfamilien kamen hinzu.

Das so genannte „Städelkommitee“ besteht aus Frankfurter Bürgern, die 25.000 Euro gezahlt haben, damit sie in die Ankäufe investiert werden können.

Die Erweiterung des Städel Museum und diese wunderbare Sammlung an Gegenwartskunst konnte nur funktionieren, weil alle mobilisierten Kräfte an einem Strang zogen. Zu diesen mobilisierten Kräften gehören wahnsinnig viele Frankfurter Bürger, wie du und ich. Mit kleinsten, kleinen und großen Spenden haben sie Max Hollein, dem Leiter des Städel Museums damit eine enorme Verantwortung auferlegt. Unterstützt wird Hollein von Sammlungsleiter Martin Engler und dessen Team. Große Plakate über ganze Litfasssäulen haben sie seit Beginn des Erweiterungsprojektes drucken und überall in Frankfurt anbringen lassen, um die Hilfe der Bürger und Unternehmen zu honorieren.

Und übrigens: Johann Friedrich Städel war ein 1728 in Frankfurt am Main geborener und ebendort 1816 verstorbener Privatbankier und Mäzen, dem die Kunst und die Ausbildung der Künstler am Herzen lag. Seine Sammlung stiftete er, auf das sie von Jahr zu Jahr vermehrt und vollkommener wird. Dieser Maxime wird das Städel mehr und mehr gerecht und wenn Herr Städel erscheinen könnte, so würde er wohl jauchzend und strahlend durch das Haus flanieren.

Tun wir es an seiner Stelle!

Der Eröffnung für alle ist ein Bürgerfest angeschlossen, als Dank an die vielen Unterstützer und unter dem Motto: Offen für Alle!
25. und 26. Februar 2012 von 10-20 Uhr bei freiem Eintritt.

Wir sind begeistert und berichten deshalb mehr.

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