Landhausplatz Innsbruck

LAAC Architects und Stiefel Kramer Architekten haben am Landhausplatz/Eduard-Wallnöfer-Platz in Innsbruck eine „urbane Bodenplastik“ geschaffen, die Skaterherzen höher schlagen lässt, aber auch endlich mal ein spannender öffentlicher Raum zum Verweilen ist.

Mit der Gestaltung öffentlicher Plätze tun sich viele Städte und Stadtplaner schwer. Manch einer hält Camillo Sitte’s Theorie in „Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ für nicht mehr zeitgemäß. Das ist fraglich, hat doch der österreichische Architekt, Städteplaner, Theoretiker und Maler Sitte dabei bereits 1889 besonders auf die Wichtigkeit von unregelmäßiger Platzstruktur als Versammlungsorte für Menschen hingewiesen. Ihr werdet an Eurem eigenen Verhalten feststellen, dass Unregelmäßigkeiten eines öffentlichen, baulich umschlossenen Platz uns auf besondere Weise ansprechen. Wir fühlen uns wohler. Es entsteht eine wohlige Atmosphäre, in der wir gerne verweilen.

LAAC Architects haben sich in Zusammenarbeit mit Stiefel Kramer Architekten dieses Prinzip Landhausplatz/ Eduard-Wallnöfer-Platz in Innsbruck zu Nutze gemacht und es ins Heute übertragen. Der Platz verfügte über vier Denkmäler, schein aber ansonsten wie ein Zwischenraum, also eher wie ein Nebenschauplatz im Zentrum der Stadt Innsbruck, an dem die Menschen nicht lange verweilten. Er bot wenig Abwechslung, wenig Spannung, wenig Unregelmäßigkeiten.

Landhausplatz/Eduard-Wallnöfer-Platz Innsbruck - LAAC Architects, Stiefel Kramer Architekten, Foto: Günter Richard Wett

Landhausplatz/Eduard-Wallnöfer-Platz Innsbruck - LAAC Architects, Stiefel Kramer Architekten, Foto: Günter Richard Wett, www.laac.eu

Dem wurde jetzt Abhilfe geschaffen. Zuerst legte das Architektenteam die Denkmäler frei, schlichtete den Platz und öffnete neue Blickwinkel und Zusammenhänge. Sie modellierten den Boden und die Wege mit einem speziellen Beton und schufen so eine reizvolle, neue, urbane Bodenplastik. Der Bodenbelag ist mal rau und mal poliert und besteht aus Freiflächen, sanften, kleinen Hügeln, umschmeichelt die Denkmäler, öffnet sich in Brunnen und schafft Sitzgelegenheiten. Die Bäume geben zusätzlich eine wohlige Atmosphäre und spenden Schatten. Ein bisschen erinnert die entstandene Form des Platzes, wie von den Bauten Zaha Hadids inspiriert. Das liegt nahe, hat sich die Stararchitektin doch vor wenigen Jahren der Gestaltung der Hungerburgbahn und des neuen Schanzengebäudes in Innsbruck angenommen.

Die Gestaltung des Platzes in dieser Form lässt nicht nur die Herzen von Architektur- und Städtebauinteressierten höher schlagen, sie lässt auch mehr Menschen verweilen. Vor allem für Skater ist der Landhausplatz/Eduard-Wallnöfer-Platz ein neuer „Skatepark“ geworden, der viele Möglichkeiten bietet Flips und Ollies und andere Tricks in einer spannenden Kulisse auszuprobieren. Damit aber Skater und auch Biker, die sich immer häufiger einfinden auf dem neuen Platz nicht überhand nehmen, sondern dies ein urbaner Ort der Begegnung für alle wird, will die Stadt Innsbruck jetzt einen Kodex einführen und hofft, dass sich alle daran halten.

Wir sind gespannt. Beim nächsten Innsbruckbesuch werden wir die Situation nochmals checken und natürlich dafür auch länger verweilen.

Mehr Bilder findet Ihr auf der Projektseite von LAAC Architects zum Landhausplatz in Innsbruck

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