Kunst auf der Straße

Du, ich, alle! Kunst ist für jeden Menschen da, deshalb können wir es nur begrüßen, wenn die Streetart-Künstler sie wieder vom Sockel holen.

Was Kunst ist, kann keiner wirklich beantworten. Sicher ist aber, dass sie für alle Menschen da ist. Einst als bildende Möglichkeit für das Volk und als Schmuck für Sakralbauten und Paläste, musste sie sich im Laufe der Jahrhunderte scheinbar zu einer elitären Sache entwickeln, wurde auf einen Sockel gestellt, zur rezessionsresistentesten Investition erklärt und in die höchstmögliche Sicherheit von Ausstellungshäusern verbracht. Dort weilt sie unzugänglich für einen großen Teil der Gesellschaft. Noch dazu, darf auch nur ausgestellt werden, was von dieser elitären Gruppe zu Kunst erklärt wurde und auf ihrem Kunstmarkt hoch gehandelt wird. Dabei möchte sie doch so gerne angesehen, verstanden und gedeutet werden und etwas auslösen und das von und für jeden Menschen.

Es reicht nicht die Eintrittspreise der Ausstellungshäuser zu senken und es reicht auch nicht einen 1-Euro-Sonntag einzuführen. Die Kunst muss wieder zurück ins Leben und zwar ins alltägliche Leben, weil sie eben für alle da ist.

Streetart ist nicht neu, erlebt aber derzeit einen boom und das nicht zuletzt, weil Streetart-Künstler eben genau das tun. Sie holen die Kunst zurück ins Leben, auf die Straße. Ganz vorne mit dabei ist natürlich Graffiti. Liegen die Anfänge wohl in den Wandmalereien des alten Ägypten und war diese Kunst durch die Jahrhunderte in der verschiedensten Form präsent, setzten sie die Pioniere der Graffiti-Kunst des 20. Jahrhunderts in Europa als Ausdrucksmittel des Undergrounds ein. Was in den 1980er Jahren noch verrucht war ist zwar auch heute noch großteils illegal, dafür jedoch beachtet und gefeiert wie nie. Warum? Weil sie für alle da und für alle sichtbar ist und gegen den elitären Kunstbetrieb rebelliert und die Kunst demokratisiert. Auch Rebellion und Demokratie liegen ja im Trend.

Passend zum Boom hat Banksy, die es vom Streetart– und Guerilla-Künstler versehentlich mitten in diesen „verhassten“ Kunstbetrieb geschafft hat, nun einen Film parat, der den Anspruch erhebt folgendes zu sein: „The incredible true story of how the greatest graffiti film of all time was never made“, die unglaublich wahre Geschichte, wie der größte Graffiti-Film aller Zeiten nie gemacht wurde. Wie der Film heißt? Exit through the Gift Shop, was soviel meint, wie: Ausgang durch den Geschenkeladen.

Unterhaltung, Verwirrung und Inspiration sei Euch versprochen, bei der Erkenntnis legen wir jedoch keine Hand ins Feuer. Da müsst Ihr Euch selbst von überzeugen. Kinostart in Deutschland war der 21. Oktober 2010. Sicher läuft er noch in dem einen oder anderen Kino Eurer Stadt.

TS

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