Kunst am Bau – Wesentlich

Das Runde muss ins Eckige. Gerade jetzt, da die Fußball Europameisterschaft in vollem Gange ist, flattert uns ein schönes Projekt von der Arbeitsgemeinsaft Schädler & Zwerger Architekten GmbH, Leinfelden-Echterdingen und Glück + Partner GmbH Freie Architekten BDA, Stuttgart, in die Redaktion. Wir stellen Euch die Kunst am Bau mit dem Titel „Tondo“ vor.

Tondo - Kunst am Bau - Hochschule Furtwangen, Villingen Schwennigen

Tondo - Kunst am Bau - Hochschule Furtwangen, Villingen Schwennigen, Bild: VBA Konstanz, www.vba-konstanz.de

Für den Neubau eines Institutsgebäudes mit Bibliothek der Hochschule Furtwangen in Villingen-Schwenningen ließen sich die Architekten etwas ganz minimalistisch Schönes einfallen. Sie liessen einen Kreis aus dem Sichtbeton ausschneiden und verdrehten eben jenen , bis sich die Struktur des Kreises von seinem Umfeld abhebt. So entstand das so genannte „Tondo“. „Tondo“ heisst übrigens nichts anderes, wie: Kreisrundes Bildwerk. Für den Ausschnitt des Betons war die Firma Betontrenn GmbH aus Ludwigsburg zuständig. Mit wenig Aufwand und Mitteln entstand ein reizvoller Wandschmuck, der den Anspruch haben kann, Kunst zu sein. (Etwa 1 % der Gesamtbaukosten müssen bei öffentlichen Gebäuden für Kunst am Bau ausgegeben werden.)

Schön ist es, wenn sowohl Gebäude, als auch die installierten Kunstwerke einen Bezug zu den Menschen haben, die in ihnen leben, sich in ihnen aufhalten und in ihnen arbeiten. An der Hochschule Furtwangen kann man Gesundheitswissenschaften, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Internationale Wirtschaft, Medien, Wirtschaftsinformatik oder auch Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Da eine Gemeinsamkeit zu finden, ist sicher nicht einfach. Was jedoch alle Studiengänge und Studierende in diesem Fall eint, ist der Campus.

Der Ursprung eines so genannten Campus liegt im Lateinischen und meint eigentlich ein Feld, außerhalb der Stadt. Seit dem 18. Jahrhundert sind damit auch die Gebäude einer Universität gemeint, die außerhalb der Stadt errichtet wurden und von parkähnlichen Anlagen umgeben sind. Da ist der so genannte Campus, eben der Mittelpunkt.  Alle Studierenden zusammen bilden auf dem Campus eine Gemeinschaft von Studierenden, einen Studienkreis.

Ein Kreis ist eine der einfachsten und gleichzeitig für den Menschen sehr bedeutendste Ordnung. Jeder Punkt des Kreises ist gleich weit entfernt vom Mittelpunkt, vom Zentrum des Kreises. Es gibt kein Vor- und Hintereinander, also kein besser und schlechter und kein Anfang und kein Ende. Der Kreis ist auch ein Symbol für ein soziales Miteinander. Er steht für Ganzheit, für Gleichgewicht, Harmonie, Ausgewogenheit und für den Kosmos. Attribute, die auch einer Hochschule, oder Bildungsanstalten generell gut stehen.

Schon Archimedes versuchte erfolglos, mit einem Zirkel und Lineal den Kreis in ein Quadrat mit gleichem Flächeninhalt zu überführen, um so den Flächeninhalt des Kreises bestimmen zu können. Er versuchte also die so genannte Quadratur des Kreises – Unmöglich.

Diese Kunst nimmt keinen Platz weg, sondern lässt den Gedanken viel Raum. Denn außer den Überlegungen zur Symbolik, der mathematischen und sozialen Bedeutung des Kreises, sind ganz individuell viele weitere Deutungen möglich.

Und es scheint, als liege hier die architektonisch-gestalterische Maxime „Less is more“/“Weniger ist mehr“ von Ludwig Mies van der Rohe zugrunde. Die Architekten von Schädler & Zwerger und Glück + Partner haben sich ganz offensichtlich auf das Wesentliche konzentriert.

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