Kid Kopphausen

Der Sommer ist vorbei, der Herbst kündigt sich an. Nach einigen hektischen Stunden, parken wir unsere Räder vor dem Münchner Ampere. Es spielen KID KOPPHAUSEN und retten unseren Tag. Holt Euch die neue Platte mit dem Titel I, oder schaut Euch eines ihrer Konzerte an. Es lohnt sich mehrfach.

Hinter KID KOPPHAUSEN verbirgt sich die musikalische Liaison von Singer-Songwriter Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch, dem Leader der einstigen Independent-Band Fink.

Pascal Finkenauer vor dem Konzert von KID KOPPHAUSEN München 2012

Pascal Finkenauer vor dem Auftritt von KID KOPPHAUSEN München 2012, Bild: Tina Seyffert

Bevor jedoch KID KOPPHAUSEN loslegen, sehen und hören wir den nicht minder talentierten, aber sehr schüchternen Pascal Finkenauer. Seine neue Platte ist zwar noch nicht fertig, aber die Songs, die er uns entgegen schmettert klingen viel versprechend. Nachdenkliche Texte, voller Hoffnung, Sehnsucht und Pointen. Wir lehnen uns zurück und lauschen ihm sehr gerne. Er hat eigentlich keinen Grund sich zu verstecken. Nach drei Zugaben räumt er die Bühne für Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch, die ein Publikum suchen und im Münchner Ampere finden.

Sie strahlen, sie lachen und sind gut drauf. Die anfängliche Unsicherheit gegenüber diesem Münchner Publikum im Ampere weicht einer frischen Fröhlichkeit am gemeinsamen Spiel. Verschmitzt tragen sie ihre zum Teil auf den Punkt pointierten Songs vor, wechseln gefühlte hundertmal ihre Gitarren – wie gut, dass sie Christian haben – und geben uns mehr auf die Ohren, als die Platte vermag. Kurz kommt uns das Bild der Beatles – wegen der Anzüge – in den Sinn, es verschwindet aber ganz schnell wieder. Das hier sind schließlich KID KOPPHAUSEN und sie tragen keinen Pilzkopf.

Und ja, sie haben sich gefunden und feiern ebendies auf der Bühne und auf der Platte. Sie wirken nicht gleich gesinnt, aber in jedem Fall sich gegenseitig anschiebend, sich ergänzend und tragend. Nils Koppruch bringt ein bisschen wilden Westen nach Berlin, nimmt Gisbert etwas Traurigkeit vom Herzen, ohne dabei jedoch dessen tiefe Nachdenklichkeit arglos wegzuwischen. Gisbert hingegen holt den Cowboy und Künstler von St. Pauli vom wilden Westen mit nach oben ins Hauptstadtstudio, zeigt ihm seine Welt und steckt ihn in einen Anzug, der ihm passt. SAMsalabim!

Zusammen sind sie eine erfolgsversprechende, musikalische Beziehung, die durch den Rest der Band, Marcus Schneider, Felix Weigt und Alexander Jezdinsky vervollständigt wird und uns beflügelt. Dankeschön!

Der Titel „Hier bin ich“, kommt gut gelaunt und mächtig daher und ist ein wirklich guter Opener! „Schritt für Schritt“ werden sie sicher viele Herzen erobern, denn ihre Musik ist zwar nicht „Das Leichteste der Welt“ klingt aber so, wenn wir ihnen zusehen. Mit „Im Westen nichts Neues“ und „Wenn der Wind übers Dach geht“, scheint Nils Koppruch alle Zweifelnden abzuschütteln und ihren Köpfe in neue Richtungen zu drehen. Befreiung!

Schmachten lässt uns Gisbert mit „Wenn ich dich gefunden hab“, denn da sagt er „…ich hatte mal einen Kopf in den Wolken und auf einmal war er weg“…hmmmm, das kennen wir. „Auf all meine Fragen hab ich die Antwort ertragen“, da möchten wir ihn wirklich gerne festhalten. Ähnlich mutet es uns bei der „Mörderballade“ an, aber ein Nachgeschmack bleibt, „denn er tat, was er tat“.

Bei „Schon so lang“ taumeln wir zunächst nur mit Gisbert durch die Verzweiflung der Warterei und freuen uns auf den Knall bei Minute 1:50, den uns beide singend und springend vortragen und sich über die Überraschung in unseren Gesichtern freuen, wie Kinder an Weihnachten! Der Spaß geht weiter mit „Meine Schwester“ die nämlich mit Gott zusammen ist, aber der kennt ja nicht mal den Weg! Nichts ist größer als der Himmel auf der Welt! ; ). Weiter grooven lässt uns „Jeden Montag“, dass live definitiv noch viel besser klingt, als auf der Platte.

KID KOPPHAUSEN konzert im Ampere München, 2012

KID KOPPHAUSEN konzert im Ampere München 2012, Bild: Tobias Volke

„Zieh dein Hemd aus Moses“, „an die Arbeit, lass nicht nach“ scheint wie eine Hymne über die fiesen und harten, alltäglichen Pflichten im ewig rollenden Hamsterrad der Welt in der ersäuft, wer nicht rudert. Passt auch zu unserem Tag, den wir dank der beiden schon fast vergessen hatten. „In einem Haus voller Lerchen“ klingt nüchtern und verrückt, singen sie „bin ich der schwarze Papagei“ und meinen, wie bei all ihren Texten mehr als sie tatsächlich sagen. Wohl vor allem in „Nur ein Satz“.

Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen rocken uns durch die Nacht mit Wortwitz, mit tiefer Poesie, viel Text zwischen den Zeilen und wischen den Alltag einfach weg. Viele lieben Dank dafür.

KID KOPPHAUSEN
I
2012
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KID KOPPHAUSEN - I, 2012

KID KOPPHAUSEN – I, kidkopphausen.de

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