Joschka und Herr Fischer

Pepe Danquart hat eine Zeitmaschine erfunden, die Ihr seit dem 19. Mai in den Kinos ausprobieren könnt.

Joschka und Herr Fischer - X-Verleih

Joschka und Herr Fischer - X-Verleih, www.danquart.de

Zunächst scheint alles völlig normal: ein Kinoabend, wie wir ihn kennen. Kasse, Ticket, Popcorn, ein kühles Helles, oder ne Biolimo. Reihe suchen, Platz finden, eine halbe Stunde Werbung anschauen. Dann wird zwar das Eis angekündigt, es kommt aber keiner, der es uns verkauft. Der Vorhang geht zu, das Licht geht an. Der Vorhang geht wieder auf, das Licht geht aus. Die Leinwand flackert. Noch zwei Werbetrailer.

Urplötzlich geht es los. Wir werden in einen Keller mit Fenstern in die Vergangenheit geworfen und verharren in Überaschung. Joschka und Herr Fischer – Eine Zeitreise durch 60 Jahre Deutschland. Jetzt wird klar: Wir sitzen in einer Zeitmaschine.

Beide 60, der Mann und die Republik – da gibt es viel zu erzählen und wir fangen von vorne an. In einem Keller steht er da, rund und wohlgenährt. Der Herr Fischer. Er kommentiert was er sah und sieht und wir sehen. Was wir sehen? Demokratie und Revolution, Liebe und Hass, Sonnenblumen und Pflastersteine, Debatten und Banderolen, Stricknadeln und Waffen, Demomärsche und Marathon. Turnschuhe und Lackschuhe. Herr Fischer kommentiert was war, wer Joschka war, was er sein sollte und wollte und wie das alles kam und was erwartet wurde. Aber trotzdem ist es keine Oneman-Show: Weggefährten, Gegner und Beobachter kommen ebenfalls zu Wort – sogar die Band fehlfarben. Dieser Film ist besser als jeder Geschichtsunterricht, ausgenommen „das fliegende Klassenzimmer“.

Pepe Danquart ist ein guter Reiseführer durch die Zeit und Herr Fischer gibt, mit seiner Art zu berichten, das Übrige hinzu. So hat Danquart einen Film ersonnen und realisiert, der nie langweilig wird – was nicht nur an Joschka Fischers bewegtem Leben liegt. Es ist eine Zeitreise, bei der wir sogar richtig traurig sind, als der Abspann kommt und das Licht angeht.
Wir stellen zunächst fest: Wir sind verdammt noch mal nicht so cool, wie Joschka und leben ja auch echt viel zu angepasst in einer völlig falschen Zeit.

Bevor wir uns dabei erwischen zu sagen „Früher war alles besser“, sind wir auch schon wieder zurück in 2011 und wissen: Wo damals Wut und Entschiedenheit hinter einer großen, nahezu gleich gesinnten Truppe aufgeklärter Aufständiger steckte, braucht es heute ein Line-up an populären Bands und Prominenz, damit überhaupt jemand kommt und die Demonstration irgendwo da oben wahrgenommen wird. „Pahh!“ ruft das Organisationsteam der Anti-Atomkraft-Demo am Samstag „immer nur rumhacken könnt Ihr, mitmachen müsst Ihr!“. „Ja, sagen wir, ja ist recht, aber dann zur Sache und nicht nur zur Musik.“

Klar ist trotzdem, dass Früher nichts besser war – nur eben anders. Und das Heute liegt ja in unserer Hand. Also, denn mal los!

Danke Herr Danquart. Danke Herr Fischer, Danke Joschka.

Tipp: Pepe Danquart ist am Freitag den 27. Mai 2011 um 20.00 Uhr im Kino Eldorado in Frankfurt am Main – der Stadt des Häuserkampfes, der Startbahn-West, Joshkas WG und vieler anderer Originalschauplätze. Mehr über Pepe Danquarts Kinotour erfahrt Ihr auf der Filmseite.

TS

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3 thoughts on “Joschka und Herr Fischer

  1. Toby

    Ein guter Film…der Anfang etwas schleppend, aber dafür wird er bis zum Ende hin immer besser! Wer sich nur ein kleine wenig für Politik und die Personen dahinter interessiert muss den Film sehen.

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