Ich bin so frei – ein Abend mit Josef Brustmann

Auch wenn die Enkelin im Lotto gewinnt: Ihrem Opa braucht sie keine Arbeit kaufen. Wenn nämlich Jemand etwas mit aller Leidenschaft macht und dafür brennt, dann macht es keine Mühen, dann fällt es leicht und ist wahrlich ansteckend. So ist es bei Josef Brustmann.

Es ist ein lauer Donnerstagabend. Den ganzen Tag sah es nach Regen aus, die Sonne kam nur selten durch die dicke Wolkenschicht. Wir fahren nach Germering und sind gespannt, was uns im Nachtasyl erwartet. Die Stadthalle ist ein freundlicher, verwinkelter Bau mit einem stillen idyllischen Vorplatz. Wir gehen die lange Treppe ganz nach oben. Freundlich empfängt uns eine Dame und zeigt auf vereinzelte Plätze. Um Bistrotische haben sich bereits einige Leute versammelt. Freunde, Paare, ganze Gruppen sind gedämpft fröhlich in Gespräche vertieft. Wir finden noch zwei schöne Plätze bei netten Damen. Eigentlich setzt man sich beim Kabarett ja nicht in die erste Reihe denken wir, aber wenn kein anderer Platz mehr frei ist, bleibt uns nichts übrig und wir hoffen, nicht aufzufallen.

Die Bühne – umrahmt von dunkelblauem Samt – ist noch nicht gänzlich hell erleuchtet. Eine Zitter, eine kleine Quetschkommode, eine Gitarre, eine kleine Orgel und ein Tuba haben ihren Platz dort bereits eingenommen, um schon mal von uns bewundert zu werden. Beim Anblick der Instrumente steigt die Spannung und Vorfreude, auf das, was wir wohl diesen Abend erleben werden. Dann wird es kurz dunkel, alle werden leise. Spot on.
P1060474
Josef Brustmann blinzelt ins Licht und lässt seinen Blick über sein Publikum schweifen. Durch die Oberlichter sind die Leute in den hinteren Reihen für ihn gut zu erkennen – wir vorne im Gegenlicht etwas weniger gut. Das lässt hoffen und wir lehnen uns entspannt zurück in unseren Stühlen – auch um uns klein zu machen. „Guten Abend, ich bin Josef Brustmann, ich fang jetzt mal hier an, denn  ich bin so frei.“

Germering – Josef Brustmann sinniert über die Eindrücke, die er von diesem Städtchen und ihren Menschen gewonnen hat. Hier gibt’s nix – wie sich herausstellte. Nichts kann ja auch schön sein. Wenn es nichts gibt, gibt es auch keine Einengung, keine Verpflichtung, kein Muss, kein Soll – stattdessen Freiheit, Unbekümmertheit, nur Kann – darum dreht sich seine Welt gerade: um das, was frei sein eigentlich bedeutet und wir tauchen mit ihm ab in die Brustmann’sche Tiefe gespickt mit klugen, witzigen, bissigen und richtig guten Geschichten, Gedanken und gesammelten Erfahrungen aus seinem eigenen Leben und von anderen, von den Waldramer Isarindianern aus Wolfratshausen, von Olivia und Grigio, von Liebe und Eifersucht, vom Hanswurscht, der gar keiner ist.
Wir hören vom Lottogewinner für ein paar Minuten und das es viel schöner ist, eine Stunde alle zusammen zu lachen, als einige Zeit dem schnöden Mammon zu fröhnen, um dann wieder unglücklich von ihm zurückgelassen zu werden.

Josef Brustmann - ich bin so freiSo, wie der Freund, der 1000 Euro in Commerzbankaktien anlegte und schlußendlich nur einhundertachtzig und ein paar zerquetschte Groschen rausbekam. Denn Fräulein Glück ist ja eine leichte Dirne – kaum da schon wieder so schnell fort mit dem Wind – und Tante Unglück ist eine treue Seele, die sich allabendlich an dein Bett setzt und strickt. Es wäre wohl besser gewesen 1000 Euro in Bier anzulegen, da hätte man einige Zeit lang viel Spaß und am Ende immerhin mindestens 250 Euro Flaschenpfand. Noch diesen Gedanken nachhängend, lauschen wir seinen Liedern und lassen uns zum kategorischen Imperativ des Immanuel Kant treiben, den Brustmann analysiert und beispielhaft auf unseren Alltag anwendet, um dann wieder über Hemmingway, dem Goldfisch der Summer-Kathi, der mit der Weite des Starnberger See’s nichts anfangen kann, zur Freiheit zu gelangen.

Tja, und dann hat er uns doch erwischt! Auf der Suche nach einem passenden Glockenspieler zieht er uns raus, und er reicht uns die Hand. Wir müssen hoch auf die Bühne und machen brav, was er uns empfiehlt, schließlich war er ja mal Lehrer. Wir läuten seine Glöckchen auf dem Tablett, fühlen uns als wären wir in Mathe an die Tafel geholt worden und stehen da wie die armen Sünder zum Spaß für die anderen. Er spürt die Nervosität und versucht sie uns zu nehmen…und das unterscheidet ihn wieder von den meisten Lehrern. Die fröhlichen Anderen, erleichtert, dass es sie nicht erwischt hat, erarbeiten brav noch ein wohlklingendes BamBam im Chorkanon – so hatten sie auch mal was zu tun.

Wie viel Freiheit brauchen wir wirklich und ab wann sind wir Vogel frei? Fliegen wir nicht eher an einem lenkenden Seil, wie der kleine Drache, der dank Brustmanns Windmaschine, sogar im Nachtasyl sein Tänzchen aufführt? Und wann kam eigentlich das alte Lachen aus der Welt?

Wir sind beglückt, wir sind begeistert, haben viel gelernt und es in unseren Rucksack auf die Reise des Lebens gepackt – möchten ungern auseinandergehen. Wir reichen  uns zum Zeichen des Friedens und der Freiheit, die Hand, so wie ein Pfarrer eine ganze, stramme Kompanie mit Leichtigkeit entwaffnet und ziehen froh, beschwingt und frei wie ein Vogel davon. Danke Josef Brustmann! Das wir nach vorne mussten, sehen wir dir nach ; )

Wenn Ihr auch so einen Abend, wie einen leuchtenden Stern am freien Himmel, erleben und Eure Kreise ziehen wollt, dann seid so frei und checkt seine Termine

Wir freuen uns schon auf Brustmann hoch 3 am 10. Juli 2013 auf der Flußbühne am Josef Bromberger Weg in Wolfratshausen mit Josef Brustmann, Matze mit Balloon Pilot und Beni, Tobi und Basti, Josefs Neffen. Des wird a Gaudi!

(550 Posts)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.