Heimatfilme neu aufgelegt

Das Thema Heimat wird in vielen Sparten diskutiert und neu betrachtet. Das dieses Thema auch im Film boomt, ist spätestens seit Markus H. Rosemüllers „Wer früher stirbt ist länger Tod“ klar. Das kleine Fernsehspiel, aus dem Hause ZDF, zeigte nun eine Reihe mit dem Titel „My Dorf is my castle“ und zeigte vier Filme aus der Heimat.

Mit „My Dorf is my castle – Vier Filme aus der Heimat“ zeigte das kleine Fernsehspiel vom ZDF vier Heimatfilme, darunter „Schotter wie Heu, ein dokumentarischer „Heimatfilm“ der in Gammesfeld in Franken spielte.

Ein Holzhaus in einem kleinen Dorf auf dem Land mit Geranien auf dem Balkon - Flucht vor der rauhen Welt ins heimische Idyll, Biedermeier 2.0?

Heimatfilm neuaufgelegt - die Flucht vor der rauhen Welt ins heimische Idyll, Biedermeier 2.0? (Bild: T. Seyffert, München)

Im Fokus stand die letzte Bankfiliale Deutschlands, die ohne Computer betrieben wird. Es funktioniert! Fritz Vogt, der im Nebenerwerb auch Landwirt ist leitet seine Bank seit 1967. Was passiert, wenn Herr Vogt irgendwann einmal nicht mehr kann, fragen sich die Dorfbewohner schon, aber sich wirklich mit damit befassen, möchte eigentlich keiner. So wie es ist, so ist es gut, warum sollte sich etwas ändern? Vergnüglich und sensibel zugleich – ohne sich über die Dorfbewohner lustig zu machen- zeigt dieser Film einen ganz anderen Blick auf die Entwicklung von Wirtschaft und Finanzen, von Leben und Technik und die vielleicht sogar gesunde Rückständigkeit in einem Dorf in Franken. Selbst das Telefon hat noch eine Schnur!

In dem Film „Durchfahrtsland“ wird vor dem Auge das Zuschauers ein Bild eines Dorfes gezeichnet, dass irgendwie im Nirgendwo zu sein scheint. Die Städter fahren auf der Fahrt ins Grüne auch nur durch, denn irgendwie ist das Vorgebirge weder Gebirge noch Stadt, also kein wirkliches Ziel – ein Durchfahrtsland eben. Der Pfarrer, eine Krimiautorin, ein Mitglied aus dem Junggesellenverein und der

Vorsitzende des Spielmannszuges berichten – wie es sich bei ihnen lebt und worum es sich bei ihnen dreht. Sie leben gerne hier und Giuseppe Scolaro vom Spielmannszug sogar so gerne, dass er untröstlich darüber ist, dass er ursprünglich Italiener ist.

Ein Stapel Holzstämme

Das Material der Könige des Nutzholzes (Bild: T. Seyffert, München)

Der dritte Film in der Reihe trägt den Titel „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ und schon der Titel lässt ahnen, dass es hier um echte Naturburschen geht, wie zum Beispiel den ehemaligen Waldarbeiter Krischan. Nach 12 Jahren ist er wieder da, nun könnte man meinen alle freuen sich, doch dem ist ganz uns gar nicht so. In dem Ort ist Trostlosigkeit angesagt und in vielen kleinen Tragödien zeichnet sich ein aussichtsloses Bild. Entsanden aus einer Notlüge startet ein Projekt, das alles ändert. Kaum zu glauben, aber verdammt spannend erzählt.

Last but not least, zeigt „Wilder Westerwald“ eine etwas andere Story zum Thema Bauer sucht Frau und viel frischem Wind in einem kleinen Dorf, der manchen durchaus suspekt erscheint. Zwei Frauen wirbeln alles durcheinander – die so unterschiedlich sie doch sind – schon bald zu richtigen Freundinnen werden und vor allem eines gemeinsam haben: Sie sind Fremdkörper im ländlichen Idyll. Und ob der Bauer nun eine von den wilden Mädels zähmen kann, oder nicht, das muss der Zuschauer selbst herausfinden. Die Gelegenheit dazu gibt es im kleinen Fernsehspiel am 5. Juli um 0.20 Uhr. Einschalten!

Nach dem Genuss der Filme gilt es zu klären, wie dieses Phänomen der neuaufgelegten Heimatfilme eigentlich einzuordnen ist. Sind sie die Flucht vor der große, kalten – zeitweise unbegreiflichen – Welt, zurück ins heimische Idyll, wie einst zur Zeit des Biedermeiers, oder schwimmen wir ganz anderen und unbekannten Zeiten entgegen?

TS

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