Großer Bruder

Du bist wunderbar! Dies entstammt nicht nur einem Lied, der beiden einstigen Containerinsassen Zlatko und Jürgen, sondern auch meiner ganz eigenen Erfahrung.

Mein großer Bruder ist tatsächlich wunderbar. Er ist für mich der beste Bruder den es gibt. Er ist Freund, Kritiker, Weggefährte, Beschützer, Anwalt und Halt zugleich und er hat heute Geburtstag. Grund zu feiern, dass es ihn gibt, den großen Bruder!

Der „Bruder“ ist – die Verwandschaftsbeziehungen betreffend – zunächst einmal ganz neutral, ein männliches Geschwisterteil. Wir haben also dieselben Eltern – was man uns nicht immer unbedingt ansieht. Weil er als großer Bruder gilt, ist klar: er muss nicht nur größer, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach auch älter sein.

Im übertragenen Sinne ist der „Bruder“ – und das ist er bei mir natürlich auch – Verbündeter, Kamerad und Genosse. Im hohen Norden – und da befinden wir uns höchstens für die Bayern – in Nordfriesland ist der „Bruder“ sogar ein männlicher Vorname. Mein Bruder trägt den Vornamen Christian und der ist viel schöner, als einfach nur „Bruder“ oder „großer Bruder“. In der römisch-katholischen Kirche, ist ein Bruder ein Mönch ohne Priesterweihe. Das ist er nun ganz und gar nicht, aber das ist auch gut so. Beichten hingegen lässt sich meinem Bruder vieles besser, als den meisten anderen.

Es gibt aber auch weitere Formen des „Bruders“, so genannte Subformen oder Unterbegriffe. Hier wäre zum Beispiel der „Blutsbruder“ zu nennen. Den kennen wir zuallererst von Winnetou und Old Shatterhand und das waren wir – also mein Bruder und ich – als wir klein waren, auch ganz oft, meistens an Karneval. Da gibt es ausreichend Beweise.

Dann gibt es noch den Sangesbruder. Was die Musik betrifft, kann ich ihm nur dankbar sein, dass er mich musikalisch auf den richtigen Weg gebracht hat und gecastete Boygroups immer entschieden ablehnte. Das Singen an sich ist nicht seine Sache, aber es gab Zeiten, da sind wir dem Gesang unwissentlich verfallen. Daran anschließend fällt mir natürlich auch gleich der so genannte „Saufbruder“ ein. Nunja, wir hatten eine Menge Spaß und am nächsten Tag einen dicken Kopf. Das muss nicht sein, kann aber schon mal vorkommen…

In Beziehung zum „Ordensbruder“ möchte ich meinen Bruder höchstens in Punkto Sportlichkeit und Menschlichkeit setzen. Er ist immer da, wenn man ihn braucht, ohne zu fragen, was er dafür bekommt. Als wir noch im gleichen Verein waren, hat er natürlich immer die ersten Plätze bei den Turnfesten und Wettbewerben belegt, denn er ist vielseitig talentiert und sehr engagiert. So kommt man – einfach nur, weil man so ist, wie man ist – zu Orden, zu Ehrenurkunden und zu Medaillen. Er ist – wie ihr lest – also auch noch ein augezeichneter Bruder.

Dann gibt es noch den ganz bekannten Bruder Jakob, der anscheinend immer zu schlafen scheint, heißt es doch in dem Lied „Bruder Jakob, schläfst du noch?“. Mein Bruder hat zwar heute eine Art senile Bettflucht, aber als er noch ein Baby war, mussten unsere Eltern ihn zum Essen wecken. Er hat immer geschlafen. Da könnte man natürlich auch auf „Schlafes Bruder“ kommen, muss man aber nicht.

Und mein großer Bruder hat wirklich gar nichts mit dem von Orwell verfassten Roman „großer Bruder“ zu tun, denn weder will er Diktator, noch Unterdrücker noch totaler Überwacher sein. Er würde auch niemals jemanden in einen Container zerren, um ihn dort der Öffentlichkeit vorzuführen. Er lehnt Derartiges entschieden ab. Er lässt jedem Tierchen sein Plaisirchen und er ist, wie er ist.
Seht Ihr, er ist wunderbar. Hab ich ja gesagt!

Alles Gute zum Geburtstag Christian! Es ist schön, dass es dich gibt.

TS

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