Frauen-Fußball WM 2011

Es mag eine gute Organisation gegeben haben, die Medien waren positiv gestimmt, die Quoten super und die Stadien ordentlich gefüllt. Doch im Vorfeld gab es sehr viele Skandale. Korruptionsvorwürfe gegen Blatter und Co.. Dann gab es Diskussionen um die Schiedsrichterinnen und Dopingfälle. Dass, das Deutsche Team bereits im Viertelfinale ausschied, war traurig, tat aber der Spannung keinen Abbruch. Den krönenden Abschluss bildet das Herzschlagfinale Japan – USA. Alles in Allem aber ist der Frauenfußball einen großen Schritt weiter und das ist gut so.

FIFA-Präsident Sepp Blatters Thron wackelt nicht erst seit der jüngsten Korruptionsvorwürfe und seiner Wiederwahl, dementsprechend nachdenklich startete er in die Frauen-Fußball-WM 2011 und nachdenklich wirkt er auch bis zum Schluss. Sollte sich in den Strukturen des Verbandes doch etwas ändern? Wir werden sehen.

Wichtig ist, dass die Welt merklich Notiz von der Weltmeisterschaft der Frauen im Fußball genommen hat. Die Menschen haben sich aufgemacht in die Stadien, zu den Public-Viewings und zu den Fanmeilen. Auch die Einschaltquoten waren super. Kein Wunder, wurden uns doch auch wirklich viele gute Spiele, gleich mehrere Herzschlagfinale, herausragende Technik, aber auch aufregende – und sehr diskussionswürdige -Schiedsrichterinnen-Entscheidungen geboten.

Wo wir gerade bei den Schiedsrichterinnen sind (Solche, die ihr Handwerk beherrschen ausgenommen) – und wir schließen hier die Linienrichterinnen mit ein – sollte man sich in der FIFA nicht die Frage stellen, warum man lieber schnell vorher noch einige Damen der Welt zu Schieds- und Linienrichterinnen kurz mal schult und einsetzt, anstatt auf routinierte – sehende – Schiris zurück zu greifen? Wenn eine Frau auch bei den Herren pfeift, warum sollten dann nicht auch Herren bei den Damen pfeifen? Vielleicht wäre das Richten mit routinierten Profis – unabhängig  vom Geschlecht – etwas gerechter abgelaufen…

Bedauerlich, dass das Deutsche Team bereits im Viertelfinale gegen schnelle, ja geradezu wieselflinke Japanerinnen, mit einer verdammt guten Torfrau, ausschied. Sie brauchen sich deswegen jedoch nicht zu verstecken. Es ist nicht alles glatt gelaufen und nicht alles so, wie sie es sich vorstellten, doch sie haben für den Frauen-Fußball in Deutschland und der Welt viel erreicht. Die Teams, die Organisatoren, die Sponsoren und die Städte schienen an einem Strang gezogen zu haben.

Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn Silvia Neid mit ihren Mädels bis ins Finale gekommen wäre. Aber auch hier ein Einlenken: Das, „was wäre wenn“ lag für viele Berichterstatter Sonnenklar auf der Hand. Zu klar? Ist das nicht zu viel Druck auf einmal, müssen die Mädels da nicht erst einmal reinwachsen? Vielleicht wäre etwas weniger Erwartung mehr Motivation gewesen…hörte ich noch vor dem Entscheidenden Spiel Deutschland gegen Japan einen Radioreporter sagen: „Ach, ich sag jetzt einfach mal, das Spiel heute Abend ist eh entschieden. Natürlich gewinnt – wie immer – das Deutsche Team.“ Nun, vielleicht können wir in Zukunft ja unsere Erwartungshaltung – die Siege betreffend – etwas mäßigen.

Sehr schön ist in jedem Fall, dass nun auch die FIFA in Punkto Prämien noch mal eine Schippe Geld oben drauf gepackt hat – ist doch der Lohn für all die Mühen bei den Damen ein „Kaffeeservice“ im Vergleich zu den Prämien bei den Herren…
Unser Vorschlag: Damen und Herren könnten sich – die Prämien betreffend – ja vielleicht in einer gesunden Mitte treffen.

Auch schön ist, dass bei der nächsten Frauen-Fußball WM 2015 in Kanada 24, anstatt 16 Nationen antreten und um den Pokal kämpfen dürfen. Wir sind schon jetzt gespannt, was wir bei der Europameisterschaft in Schweden in 2013 erleben dürfen.

Noch zu wünschen bleiben nach der Frauen-Fußball WM 2011 und vor der EM 2013: Strukturen in Verbänden und Vereinen, die diesen Erfolg in Punkto Anerkennung aufnehmen und steigern, Spielerinnen und Teams stärken und routinierte Schieds- und Linienrichterinnen hervorbringen.

Wir gratulieren Japan und den USA für ein aufregendes Finale. Freuen uns mit den neuen Weltmeisterinnen aus Japan und sind voller Spannung auf die nächsten großen Ereignisse. „So groß kann klein sein!“, sagte Kommentator Claus Lufen nachdem die japanische Torfrau den ersten 11 Meter mit den Fuß gehalten hatte. Er hat Recht.

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One thought on “Frauen-Fußball WM 2011

  1. Louis

    Ich glaube das Japan in diesem Jahr als Gewinner aus dieser WM herausgeht, damit hat niemand gerechnet, aber man muss ihnen hoch anrechnen, was sie uns während der WM geboten haben.

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