Einmal Hölle und zurück…

„Hier nehmen Sie mal, der wird mir hier ja sonst zerquetscht.“ Und schon saß der kleine Andreas auf dem Schoß eines verduzten Fahrgastes. Der kleine Andreas wusste auch nicht so Recht, was er davon halten sollte. Sollte er sich freuen, dass er einen Sitplatz bekommen hatte oder sollte er weinen, da er auf den Knien eines fremden Mannes saß?

U-Bahn in MünchenSicher war in diesem Moment jedenfalls nur eines, der kleine Andreas hatte der Hölle der bestreikten Münchner U-Bahn kurzzeitig entfliehen können, aber für alle anderen Fahrgäste war das nicht so leicht. Man konnte nicht mehr weiter in den Gang durchrutschen, einen Sitzplatz zu bekommen war sowieso utopisch und einfach auf die auf die nächste U-Bahn warten war sicher auch keine Lösung, denn die war ja mindestens genau so voll, wenn nicht sogar noch voller. Irgendwie musste man aber auch zur Arbeit kommen und das ist in Streikzeiten wie diesen in München so etwas wie eine Reise durch die Hölle. Zumindest hat dies ein älterer Herr in der U-Bahn so formuliert. Es ist heiß, es ist stickig und man hat keine Kontrolle darüber wo man steht, so in der Art muss es auch in der Hölle sein meinte er und ist bei diesen Worten kurz vor dem Kreislaufkollaps. Er nutzt an der nächsten Haltestelle die Möglichkeit den vollen Zug zu verlassen, doch selbst das ist ein harter Kampf. Niemand will seinen hart erkämpften Platz in der U-Bahn aufgeben und kurz mal austeigen, denn im schlimmsten Fall verliert man durch seine Freundlichkeit seine aktuelle Mitfahrgelegenheit und kann dann nur noch auf einen Platz im nächsten Zug hoffen. Irgendwann hat er es dann aber doch geschafft und er lässt sich außerhalb des Zuges erst einmal erschöpft auf eine Bank fallen. Den freien Raum, den er im Zug hinterlässt, ist wie von Geisterhand verschwunden…

Es sind harte Zeiten in München wenn die Fahrer der U-Bahn streiken, denn dann sind Linien wie die U6 mehrfach überlastet. Leute müssen draußen bleiben und können – obwohl sie dafür bezahlt haben – nicht mehr mitfahren. Ob man dafür sein Geld zurückbekommt? Wohl eher nicht, denn man muss ja mit der Bahn fahren, ob man es möchte oder nicht. Man hat keine andere Wahl oder wie will man sonst ohne Auto zur Arbeit kommen? Die einzige Lösung ist wohl derzeit dass man Zeit und Geduld mitbringt, sich etwas zu trinken einpackt und ein frisches T-Shirt miteinpackt. Die autofahrenden Kollegen im Büro werden es einem mit Sicherheit danken…

TV

(54 Posts)

5 thoughts on “Einmal Hölle und zurück…

  1. GuteUte

    Sehr nett zu lesen, besonders, wenn man es ebenso erleben musste. Vielen Dank für diese wunderbare Zusammenfassung der Ereignisse.

  2. Stadtneurotiker

    Schöner Artikel, der einen Schönheitsfehler hat.
    Die GdL hat zwar die Streiks nicht beendet, streikt aber derzeit nicht. Es ist die MVG, die das soganannte Basisnetz mit dem Hinweis auf mögliche Streiks betreibt.

  3. TV Post author

    Ich weiß, aber für mich als Fahrgast macht das keinen Unterschied. Ich steh in der U-Bahn und schwitze…

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