Eingepflanzte Kopfkamera

Ein merkwürdiges Kunstprojekt von Wafaa Bilal und dem Arab Museum of Art, Mathaf, lässt uns über Kunst und Unfug sinnieren.

Wafaa Bilal, Dozent für Fotografie an der Universität New York, wird sich unters Messer legen, um sich Kamera in den Kopf einpflanzen zu lassen. Die Kamera ist sehr klein und wird jede Minute ein Bild machen. Übertragen werden die Bilder dann ins im Museum nach Katar. Wo er geht und steht, was er auch tut und was er sieht. Wer es wissen will, kann es sehen – 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage lang. Im Dezember geht es los.

Das Projekt von Wafaa Bilal aus New York und des Arab Museum of Art in Katar wirft einige Fragen auf: Wie ist es mit den Bildern von Studenten, Kollegen, Freunden, Familie? Wenn Bilal sie anschaut, werden sie aufgezeichnet und ausgestrahlt. Wie sieht es mit dem Recht auf das eigene Bild aus? Geht dieses Kunstprojekt zu weit?

3rd1

Bild: 3rdI, www.3rdi.me, Wafaa Bilal

“The 3rd I”, übersetzt „Das Dritte Auge“ nennt sich die Aktion. Wichtige soziale, ästhetische, politische, technologische und künstlerische Fragen soll sie aufwerfen. Hitzige Diskussionen  sind wichtig für das Projekt.

Wafaa Bilal selbst ist im Irak aufgewachsen und lebt seit 1992 in den USA. Den Tod seines Bruders, der bei einem US-Raketenangriff ums Leben kam, löste einige innere Konflikte in Wafaa Bilal aus. Diese Eindrücke und all diese Emotionen verarbeitete der Künstler und Dozent in einer Performance. Besucher sollten ihn mit Farbpatronen beschießen, wann immer sie wollten. „Shoot an Iraqi“, übersetzt „Schieße auf einen Iraker“, so der Titel des vergangenen Projektes.

Da Bilal vor dem 15. Dezember keine weiteren Details zu seinem aktuellen Projekt „3rd I“ mit der eingepflanzten Kamera preisgeben möchte, können wir nur mutmaßen, was ihn dazu bewegte. Zieht man die Vorgehensweise des ersten Farbpatronenprojektes zu rate, scheint es, als wolle er Täter mit ihren eigenen Mitteln – nur in leicht anderer Form – auf Ihr Tun aufmerksam machen, sie vorführen, ihnen vorführen, wie absurd das alles ist. Er geht mit den umstrittenen Aktionen anderer ins Gericht und kasteit sich selbst. Er versetzt sich selbst hinein, um zu verstehen um zum Verstehen und Handeln anzuregen.

Geht er zu weit? Wie weit wird er mit dem nächsten Projekt gehen? Ist das Kunst, oder ist das Unfug? Ist es eine Kunst sich und seinen Körper zu kasteien? Ist es Unfug, die Täter mit ihren eigenen Mitteln wachzurütteln? Ist es sehr individueller Protest, oder ist es Mainstream?
Wie weit muss ein Künstler gehen, um weltweit Aufmerksamkeit zu erlangen?

Über all das sollten wir sinnieren…

TS

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