Eifel City Outlet – Eine Stadt wird zur Hülle

Bad Münstereifel ist vor allem durch Heino und Hannelore und als Kurort bekannt. Die Bürger lieben ihre beschauliche Stadt und die Ruhe, die einem Kurort eigentlich innewohnt. nun plant eine Investorengemeinschaft zusammen mit dem Bürgermeister Alexander Büttner (CDU) das sehr umstrittene so genannte Eifel City Outlet für Köln, Bonn, Aachen und Benelux.

Outlets kennen wir eigentlich nur fernab der Städte auf der grünen Wiese, nahe an einer Autobahn, damit es verkehrsgünstig zu erreichen ist. Ein Einkauf in einem Outlet, um Designer- und Markenware günstig zu erstehen, wird so zu einem Tagesausflug, nicht zuletzt deswegen bieten die Outlets als künstliche „Ministädte“, alles für das leibliche Wohl und sind äußerst Konsumfreundlich strukturiert.

Bad Münstereifel ist eine historisch gewachsene Stadt

Bad Münstereifel ist eine historisch gewachsene Stadt

Bad Münstereifel ist eine seit dem Mittelalter historisch gewachsene Stadt mit rund 19.000 Einwohner insgesamt, wobei im tatsächlichen Stadtkern nur etwa 6000 Leben, darunter auch das deutschlandweit bekannte Paar Heino und Hannelore, die durch Heinos Musik, aber auch durch ihr Café im der Altstadt bekannt sind. Das Café, indem Heino auch oft klein Sangeseinlagen gegeben hat, gibt es nicht mehr. Er singt jetzt im Kurhaus, unweit ihrer Wohnung in der Seniorenresidenz am Kurpark.
Ausser Heino und Hannelore hat Bad Münstereifel malerische Fachwerkhäusern, eine Fußgängerzone mit allen nötigen Geschäften, Restaurants und Cafés entlang der Erft und in mittelalterlichen verwinkelten Gassen zu bieten. Die Stadt ist umgeben von einer Stadtmauer, durchbrochen von Stadttoren in jeder Himmelsrichtung. Über ihr, auf einem Bergsporn, liegt eine romantische Burganlage aus karolingischer Zeit mit einer Brauerei und einer Senfmühle umgeben von einem Ringwall, die als Flieh- und Schutzburg diente. Heute ist die Burg eine so genannte „Freizeitburg“ und man kann hier in historischem Ambiente in großen Himmelbetten der Ferienwohnungen Schlafen, im Burgrestaurant Speisen und Feiern. Im Umland gibt es den Nationalpark Eifel auf Wanderungen oder Radwegen und Mountainbiketrails zu erkunden, ein großer Golfplatz, Freizeitparks und ein Spaßbad liegen in der Nähe.

Eifel City Outlet - Bad Münstereifel

Eifel City Outlet – Bad Münstereifel, Bild: www.cityoutletbadmuenstereifel.com

Das klingt alles sehr romantisch und nach einem erholsamen, beschaulichem Aufenthalt. Doch das Problem der Stadt scheint uns in der Altersstruktur der Urlauber zu liegen. Das touristische Angebot ist sehr auf die Generation 60+ ausgelegt, was wir in keinster weise schlimm finden. Das aber nun seit der Gesundheitsreform auch immer mehr Kurgäste ausbleiben, kommt im Rathaus nicht sonderlich gut an. Der amtierende Bürgermeister Alexander Büttner (CDU) hat nämlich ein Outlet center, das so genannte „Eifel City Outlet, kurz: ECO 2“ inmitten des romantischen Flair seiner Stadt, in den historischen Häusern genehmigt. Dafür hat er sich das Bad Münstereifel Immobilien Management, mit den drei ortsansässigen Investoren und die Firma ROS-Retail Outlet Shopping ins Boot geholt. Der Bürgermeister schreibt Genehmigungen und die anderen Investieren etwa 45 Millionen Euro. Und so heißt es auf der Projektseite: „ Das City Outlet Bad Münstereifel erstreckt sich im historischen Stadtkern vom Orchheimer Tor bis zum Werther Tor entlang der 800 Meter langen Fußgängerzone. Die vorwiegend denkmalgeschützten Häuser mit den zukünftigen Shops werden derzeit in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalschutz liebevoll saniert und renoviert.“

Was natürlich nicht dort geschrieben steht, ist, dass alteingesessene Läden – darunter auch Heinos Café, Restaurants, und einige andere Läden weichen mussten. Sie wurden für das Projekt ECO 2 aus ihren Gewerberäumen vertrieben. Heino und Hannelore mag dies nicht weh getan haben, sind sie ja derzeit mit ganz anderen Projekten beschäftigt. Den etwa 20 mittelständigen Unternehmen, die ihr Geschäft in dieser Lage aufgeben mussten, aber schon. Und die profitieren auch nicht von zusätzlichen Käufer- und Besucherströmen. Läden die lange leer stehen soll es in Bad Münstereifel mit dem Eifel City Outlet nicht mehr geben. Was dann in den Städtchen drumherum, wie etwa Rheinbach, Euskirchen, Mechernich und anderen, geschieht wird völlig ausgeblendet und – so vermuten wir – durch ausbleibende Kunden dort, dann nach und nach zu einigen Geschäftsaufgaben und Leerständen führen.

Da Bad Münstereifel ein Kurort ist, dürfen die Läden hier derzeit an 40 Sonn- und Feiertagen im Jahr geöffnet sein. Nun versucht man diese Öffnungsmöglichkeiten auf das Eifel City Outlet zu übertragen und vielleicht sogar auszuweiten und da fragt man sich dann doch wirklich, wie sich Einwohner und Kurgäste inmitten des Trubels von sehr optimistisch geschätzten 39 Millionen Tagestouristen – auch sonntags – erholen sollen…

Und eine weitere Frage, die sich uns stellt: Wie werden Outlet-Shopper, die bisher nur künstlich hochgezogene, kulissenhafte Architektur aus anderen Outletcentern kennen mit der denkmalgeschützten, „echten“ mittelalterlichen Architektur und mit den lebendigen und wahrhaftigen Einwohnern umgehen? Wird Bad Münstereifel eine Stadt zum leben bleiben oder nur zum konsumieren und werden die Einwohner deshalb aus einer möglichen seelenlosen Stadthülle wegziehen? Und wird das von den Investoren freundlich als nachhaltig bezeichnete Projekt, wegen der Sanierung und des prophezeiten Erhalt der historischen Bausubstanz, auch wirklich aufgehen?

Im Spätsommer 2013 soll das Eifel City Outlet „für Köln, Bonn, Aachen und Benelux“ eröffnen.

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