Die Herbstbläser starten durch

Dem Laub ist der Kampf angesagt. Leider allzu oft mit lärmenden und stinkenden Laubbläsern. Deshalb singen wir eine Hymne auf Rechen und Besen.

Morgens sechs Uhr. Der Frischgebackene Laubbläser-Besitzer schlingt seine Stulle in froher Erwatung hinunter. Gleich ist auch der letzte Schluck Kaffee in die Kehle gekippt. Während er noch kaut, zieht er sich schon mal seinen grauen, wichtigen Kittel an und schlüpft in die Stiefel. Er nimmt den neu erstandenen Laubbläser in die Hand, prüft seine Vollständigkeit und stürzt auf die Straße. Das Publikum scheint vor Schreck erstarrt. Der Bläserführer in spe nestelt nervös am Startknopf. „Fuuuurrrrrrrrrrrrrrp!“, ertönt die Ouvertüre des Blaskonzertes vor dem Schlafzimmerfenster.
Guten Morgen. Es ist Herbst und wer Zeit hat, hat dem Laub den Kampf angesagt!

Der Herbst könnte so schön sein, würde nicht jeder Hobbyheimwerkermarkt, oder sogar die Discounter, diese unsäglich lauten und sinnlosen Laubbläser jedem wie Sauerbier zum Dumpingpreis anbieten. Jeder, aber auch wirklich jeder, will seit spätestens letztem Herbst im Besitz einer derartigen Höllenmaschine sein. Sinnlos, sinnlos! So sinnlos, wie ein Kropf!

Laub will nicht geblasen werden

Was waren das noch für Zeiten, als der Oktober Poeten inspirierte, Spaziergänge durch den Herbstwald Freude bereiteten und man ein Blatt zu Boden segeln sehen und sogar hören konnte. So lange ist das noch nicht einmal her…

Wer einen Garten hat, weiß wie meditativ kehren und rechen des bunten Laubes war. Überhaupt sind Besen und Rechen so sinnvoll. Der Besen kehrt zusammen, schiebt, häuft auf und das nur durch ein leichtes – eben meditatives – Scharren auf dem Boden. Er braucht kein Benzin. Er stinkt nicht und er kann auch mal im Regen stehen…
Und erst der Rechen, der so ausgeklügelt und einfach das Laub von der Wiese nimmt und sie dabei ein wenig zu kämmen scheint. Er recht sauber zusammen, er häuft auf. Das Gleiten über die Wiese ist kaum hörbar, aber dennoch schön.

Beim Kehren und Rechen bewegen wir verschiedene Muskelgruppen, bringen sie in Fahrt. So, wie bei einem Crosstrainer. Deshalb wird uns warm. Durch die frische Herbstluft, die wir Atmen, durch die bessere Durchblutung, bekommen wir rote Wangen. Das tut uns gut. Wir wiegen uns mit Rechen oder Besen hin und her , lauschen der Natur. Beinahe einem Tanz im Herbst gleich, können wir die Natur, das Leben und die Gartenarbeit genießen…

Aber nur, bis wir aufwachen, weil der Pedant von nebenan seinen unsäglich sinnlosen Laubbläser startet und das Laub von A nach B pustet, unterm Auto raus pustet, vom Weg auf die Wiese pustet, von der Wiese wieder in den Weg pustet und krampfhaft versucht mit seinem Bläser einen Laubhaufen zu kreieren, der alle anderen Laubhaufen der Straße übertrifft. „Fuuuurrrrrrrrrrrrrrp! Fuuuurrrrrrrrrrrrrrp! Fuuuhuhuhuhuurrrrrrrrrrrrrrp!“

Ein Dank an die Stadt Wesel, die das Blaskonzert mit Hilfe der Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, bzw. der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung unterbindet. Nachahmung empfohlen.

TS

(550 Posts)

One thought on “Die Herbstbläser starten durch

  1. TV

    Diese dämlichen Laubbläser…wie soll man da mal ausschlafen wenn der Nachbar wieder mit seinem „Spielzeug“ rumhantiert…

Comments are closed.