Die Freiheit der Worte

Gehört: Rafik Schami – Eine Hand voll Sterne

Wer es noch nicht gelesen hat, sollte es unbedingt tun. Auch als Hörbuch entführt die Geschichte – wenngleich ein Jugendroman – den Leser oder Zuhörer in die Welt des Ich-Erzählers. Und der fesselt seinen Rezipienten nicht im negativen Sinne, denn es geht um Freiheit. Es geht um die Freiheit der Menschen, der Meinung, des Wortes, der Presse.

Rafik Schami ist ein herausragender und sensibler und liebevoller Erzähler. Die Geschichte „Eine Hand voll Sterne“ wird aus dem Tagebuch eines 14jährigen jungen, der in Damaskus lebt und das Schreiben über alles liebt, erzählt.

Der Junge kommt aus einem der ärmeren Viertel in Damaskus, er und seine Familie sind Christen. Er ist gut in der Schule, aber nur in den Fächern, die ihn wirklich interessieren. Sein Vater ist Bäcker, bemüht sich streng zu sein. Der Vater ist aber auch ein leidenschaftlicher Leser, allerdings nur von einem – sehr, sehr dicken – Buch. Auch der Ich-Erzähler verschlingt Bücher für sein Leben gern. Seine warmherziger Mutter kümmert sich um den Haushalt.

Weitere Wegbegleiter sind vor allem seine besten Freunde Onkel Salim, der bereits 75 Jahre alt ist, Mahmud und Josef, die genauso alt sind, wie der Ich-Erzähler. Mahmud, Josef und der Ich-Erzähler gründen gemeinsam eine Art Geheimbund namens „Schwarze Hand“.

Als gegenüber neue Nachbarn einziehen lernt er Nadja, die Tochter, kennen. Zuerst begegnen sich ihre Blicke nur flüchtig. Doch das reicht schon aus, um sich ineinander zu verlieben. Da Nadjas Vater sehr streng ist und – so vermutet der Ich-Erzähler – für den Geheimdienst der syrischen Regierung arbeitet, ist die Freundschaft und die Liebe der beiden sehr schwierig und natürlich heimlich.

Als die Bäckerei nicht gut da steht, entschließt sich der Vater den Sohn aus der Schule zu holen. Er muss für ihn in der Bäckerei arbeiten und bringt den Leuten das bestellte Brot nach Hause. Bei dieser Gelegenheit begegnet der Junge Habib. Die beiden Freuden sich an, obwohl Habib ein merkwürdiger Kauz ist. Als Journalist ist er gezwungen unter dem Pressediktat der Regierung zu arbeiten. Er verdient damit seinen Unterhalt, seine Ideale sind jedoch andere. Fasziniert von Habib und angetrieben von seinem eigenen Wunsch zu schreiben, lässt er sich von Habib journalistische Techniken beibringen und schließlich gemeinsam mit den Freunden vom Geheimbund der „Schwarzen Hand“ die so genannte Sockenzeitung herauszubringen. Sie entgehen der Zensur der Regierung und begeben sich damit in höchste Gefahr. Nichts aber treibt sie mehr an, als das freie Schreiben, das Berichten der Wahrheit, die Freiheit der Worte und ihre Wichtigkeit in dieser Welt.

Es geht um Menschen aus unterschiedlichen Milieus, unterschiedlicher Religion und unterschiedlicher Träume, die gemeinsam einen Weg gehen, sich zum Teil verstehen und zum Teil nicht, aber dennoch auskommen. Es geht darum sich für etwas einzusetzen, für seinen Traum zu kämpfen. Es geht um die Freiheit der eigenen Meinung und der Freiheit der Berichterstattung. Es geht um die Freiheit der Liebe und der Worte.

TS

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