Der Junge, der Träume schenkte

Der Junge, der Träume schenkte

„Der Junge, der Träume schenkte“, Luca Di Fulvio, Bastei Lübbe 2011, www.luebbe.de

Ein Buch, das ein bisschen ist, wie das Schmelzen des letzten Schnees und das Aufkeimen des ersten Grüns.

„Der Junge, der Träume schenkte“ spielt im Jahr 1908. Das Mädchen Cetta ist erst 14, als sie vergewaltigt wird und einen Sohn namens Natale bekommt. Im erzkatholischen, ärmlichen Süditalien ein Unding. Mit ihrem kleinen Sohn steigt sie auf einen transatlantischen Frachter und wandert in die USA aus. Angekommen in New York müssen sie sich durchschlagen und da Cetta  schon auf der Schiffsreise dem Kapitän ihren Körper verkaufte, geht sie auch in New York der Prostitution nach, um über die Runden zu kommen und irgendwann ein besseres Leben zu führen.

Der junge Natale wird bei der Einwanderungsbehörde kurzerhand in Christmas umgetauft. Er und seine Mutter kommen bei einem alten italienischen Ehepaar in einem Zimmer unter. Die beiden Alten sind für Christmas wie Großeltern und achten auf ihn, während Cetta ihrer Arbeit nachgehen muss. Als man Cetta den Jungen wegnehmen will, kämpft sie wie ein Löwe um ihn, denn sie will unter keinen Umständen, ohne ihren Sohn sein. Er ist ihr Ein und Alles.

Christmas wächst in den Strassen New Yorks zwischen Kriminalität und Gewalt auf und lernt es, sich zu behaupten. Er ist frech und Vorlaut und lässt sich nichts bieten. Als Teenager träumt er von einer eigenen Gang und erfindet die Geschichte Anführer der „Diamond Dogs“ zu sein. So verschafft er sich bei den Leuten in seinem Viertel – wenn sie nicht eh schon seinem Charme erlegen sind – den nötigen Respekt.

Dann verliebt er sich in Ruth, der er das Leben rettet, als sie vergewaltigt und traktiert wurde. Doch das mit der Liebe ist gar nicht so leicht, denn zum Einen ist Ruth eine Tochter aus wohlhabendem, jüdischem Haus und zum anderen ist sie durch den Vorfall traumatisiert. Die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten schließlich bringen die beiden wieder auseinander. Während sie ihrem jeweiligen Leben nachgehen, können sie sich jedoch nicht vergessen.

Vielleicht ist auch sie ein Motor für Christmas weiter am Traum, ein richtiger Amerikaner zu werden und der Armut zu entkommen, zu arbeiten. Immer wieder rappelt er sich auf, wie ein kleines „Stehauf-Männchen“ und verfolgt sein Ziel mit List und Klugheit, mit Mut und Risiko.

Der Autor Luca di Fulvio lässt uns mit viel Witz und Gewandtheit schmunzeln und schockiert uns mit den zum Teil grausamen Verbrechen auf der Straße. Wie es im Leben von Christmas hin und hergeht, so reisst es uns mit. Wir verzweifeln über Cetta und auch Ruth, die an der Brutalität zerbricht.
Es ist wie das Leben: wunderschön, bezaubernd, mitreißend, brutal, sentimental, schockierend und eben auch wie das Schmelzen des letzten Schnees und das Aufkeimen des ersten Grüns.

Der Junge, der Träume schenkte
Luca di Fulvio
Verlag Bastei Lübbe, 2011
ISBN-10: 3404160614
ISBN-13: 978-3404160617

http://www.luebbe.de/Digital/Belletristik/Details/Id/978-3-8387-1759-3

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