Cloaca Maxima, Praetorium und Mikwe

Es ist kein Griff ins Klo bei einem Kölnbesuch im Archäologischen Zentrum am Rathaus vorbeizuschauen.

Cloaca Maxima Colonia

Am Kölner Rathaus gibt es seit 2007 eine Baustelle und die hat nichts mit dem U-Bahn-Bau zu tun. In der umstrittenen Baustelle soll bis etwa 2013 ein großes unterirdisches Museum entstehen, Zu sehen ist bereits jetzt Überreste des Praetorium, der Palast des römischen kaiserlichen Stadthalters ,  und die Cloaka Maxima, ein Teil des römischen Abwasserkanals der Stadt.
Praetorium in Colonia

Das Praetorium

Über den Eingang in der kleinen Budengasse kann man in einen bereits fertiggestellten Teil des künftigen Museums hinabsteigen. Unten erwartet die Besucher zunächst eine kurze Einführung in das römische Colonia, also in das Köln zu Zeiten der Römer und das römische Leben. Modelle und Illustrationen zeigen die Gestaltungen und Dimensionen der römischen Bauwerke in Köln. Wer sich einen guten Eindruck davon machen konnte wird auch eine Vorstellung davon bekommen, wie prachtvoll das Praetorium ausgesehen haben muss, auch wenn das den ausgegrabenen Gebäudeteilen nicht auf den ersten Blick anzusehen ist. Von dem einstigen monumentalen Palast sind einige Teile des Fundamentes und der Grundmaern freigelegt und zu besichtigen. Man kann gut erkennen, welche Steine verbaut wurden und welche Raumgliederung vorherrschte.

Ein versteinertes Toilettenpapyrus der Cloaca Maxima, ode doch nur Mörtel?

Ein versteinertes Toilettenpapyrus der Cloaca Maxima, oder doch nur Mörtel? ; )

Cloaca Maxima

Eine so große Stadt wie Rom braucht natürlich ein großes Abwassernetz und weil das schon vor 2000 Jahren so war, bauten die Römer den größten Abwasserkanal der vom Palatin bis zum Kapitol, also einmal komplett unter dem Forum Romanum verlief und immerhin drei Meter breit war. Auch Köln, das einstige Colonia, sollte nicht im Dreck ersticken und deshalb wurde beim Bau der Stadt ebenfalls ein langer Abwasserkanal geschaffen. Allerdings war der längst nicht so breit, nur etwa einen oder eineinhalb Meter. Längst vergessen hatte man den Kanal, als plötzlich einige Bewohner bemerkten wie Kohlen in Löchern in den Wänden ihrer Kohlenkeller verschwanden. Als eine der ersten Aufgaben des Denkmalschutzes wurde im 19. Jahrhundert in Teil des Kanals wieder freigelegt und von der Stadt als Kühlkeller an die umliegenden Brauereien vermietet. Die Fehlstellen im römischen Kanalsystem zeugen noch heute von den Durchbrüchen der Brauhäuser. Sie wurden mit Backsteinen wieder ausgebessert. Heute sind etwa hundert Meter dieses Abwasserkanals zu besichtigen. Und wir meinen sogar eine Art versteinertes „Toilettenpapyrus“ vor die Linse bekommen zu haben. Wer aber meint ein Gang durch den Kanal sei eklig und es müsse dort ja unwahrscheinlich unangenehm riechen, der liegt völlig falsch. Es riecht neutral, aber es ist ein bissschen klamm.

Mikwe

Nach Voranmeldung ist unter dem Rathausbereich ebenfalls ein  mittelalterliches jüdisches Ritualbad aus der Zeit um 1170 zu sehen. Denn nicht nur das Praetorium war einmal an Ort und Stelle zu finden, sondern auch ab etwa 800 n. Chr. das jüdische Viertel. Wer in den 17 Meter tiefen Schacht hinabsteigt, befindet sich direkt am Grundwasserspiegel und kann sich die einstige Gestalt des Bades gut vorstellen. Die Mikwe diente der Reinigung von der rituellen Unreinheit und dabei war auch wichtig, dass das Wasser lebendig ist. Deshalb wurden viele Mikwen an den Grundwasserspiegel gebaut. Wer nach jüdischer Tradition die kultische Reinheit wieder herstellen möchte, weil er sich durch die Berührung eines Toten oder durch Körperflüssigkeiten verunreinigt hat, muss mit dem ganzen Körper in das lebendige Wasser abtauchen.

Ihr seht, es gibt im unterirdischen Köln mehr zu entdecken, als bloß die U-Bahn. Und es ist gewiss kein Griff ins Klo.

Praetorium
Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 17.00 Uhr
Telefon: 0221 / 221-22394
Für den Besuch der Mikwe wird um Voranmeldung gebeten.

TS

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