Claude Lorrain im Städel

Im Frankfurter Städel Museum herrscht derzeit eine wahrlich zauberhafte und entspannte Stimmung, denn das Haus widmet Claude Lorrain (um 1600–1682), einem der wichtigsten Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts, die erste monografische Ausstellung in Deutschland seit 1983.

Claude Lorrain (um 1600-1682) Ein Seehafen, 1644 Öl auf Leinwand, 103 x 131 cm The National Gallery, London © The National Gallery, London

Claude Lorrain (um 1600-1682) Ein Seehafen, 1644 Öl auf Leinwand, 103 x 131 cm The National Gallery, London © The National Gallery, London

Bis zum 6. Mai 2012 läuft die Ausstellung „Claude Lorrain. Die verzauberte Landschaft“ mit rund 130 Werken des Künstlers aus der Zeit, die wir heute Barock nennen. Ganz und gar nicht schwülstig, wie es dieser Strömung ansonsten anhaftet, kommen Lorrains Gemälde und auch die einzigartigen Zeichnungen und Druckgrafiken daher. Die Kuratoren Dr. Martin Sonnabend vom Städel Museum und Dr. Jon Whiteley aus dem Ashmolean Museum, haben Leihgaben aus dem British Museum, der National Gallery in London, dem Petit Palais in Paris, dem Kupferstichkabinett in Berlin eine Sammlung an Werken zusammengtragen, die in Ihrer Zusammenstellung aufzeigt, wie großartig und durchdacht Lorrain seine Werke komponiert, ja geradezu wie Puzzlestücke zu einer harmonischen Szenerie geformt hat.

Der Lothringer
Wer dieser Claude Lorrain eigentlich war, lässt sich nicht einfach beantworten. So viel sei zu ihm gesagt. Mit bürgerlichem Namen heisst Claude Lorrain, eigentlich Claude Gellée. Seine Zeitgenossen nannten ihn Le Lorrain, was übersetzt „der Lothringer“ heisst. Deshalb nannte er sich Claude Lorrain. Er wurde um 1600 in Chamagne, einem Dorf bei Nancy, in Lothringen geboren. Als junger Mann ging er nach Rom und liess sich dort nieder. Er wanderte als aufmerksamer Beobachter durch Landschaft und Regionen, bestaunte das Treiben in Städten und Tummelplätzen, wie Häfen und Märkten. Er studierte das Licht, die Stimmungen, die Atmosphäre. So konnte er seine Fertigkeiten in der Landschaftsmalerei zu einem so großen Erfolg bringen, dass der Papst, auf seine Kunst aufmerksam wurde. Mit den vier ersten Auftragsarbeiten für ihn, gelang Lorrain der Durchbruch als Landschaftsmaler. Er fertigte fortan Auftragsarbeiten an, kam den Anfragen kaum nach und konnte von seiner Kunst sehr gut leben.
Von etwa 1630 bis etwa zu seinem Lebensende im November 1682 schuf er ein künstlerisches Lebenswerk, ein Oevre, das rund 250 Gemälde, 1.200 Zeichnungen und 44 Druckgrafiken umfasst.

Claude Lorrain (um 1600-1682) Landschaft mit der Taufe des Kämmerers, 1678 Öl auf Leinwand, 88 x 142,2 cm National Museum of Wales, Cardiff © National Museum of Wales, Cardiff

Claude Lorrain (um 1600-1682) Landschaft mit der Taufe des Kämmerers, 1678 Öl auf Leinwand, 88 x 142,2 cm National Museum of Wales, Cardiff © National Museum of Wales, Cardiff

Höchste Wahrheit
Er inspirierte bis weit nach seinem Tod bildenden Künstler, wie Turner, Tischbein und andere, auch Gartenkünstler und sogar Dichter, wie den uns – und vor allem den Frankfurten – gut bekannten Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Dieser wusste zum Beispiel über Lorrains Gemälde zu sagen: „die höchste Wahrheit, aber keine Spur von Wirklichkeit“ und „im Claude Lorrain erklärt sich die Natur für ewig“.

Die von den Kuratoren und ihren Helfern im Obergeschoß des Städel Museums inszenierte Ausstellung zeigt, wahrlich zauberhaft und sinnig chronologisch, den Schaffensweg des Claude Lorrain. Sie ist für Jedermann unbedingt zu empfehlen.

Lorrain hören und sehen und wohl fühlen
Mithin gibt es einen richtig schön gestalteten Audioguide, wie er uns noch nie untergekommen ist. Ein weißes Buch mit einer CD auf dem Cover birgt einen Ausstellungsbesuch für beinahe alle Sinne. Diese Idee macht es möglich, dass Ihr Euch während des Ausstellungsbesuches Näheres zum Künstler anhören könnt und von Werk zu Werk schlendernd alles erklärt bekommt.
Jederzeit und wo ihr wollt, könnt Ihr die CD dann wieder abspielen und mit Hilfe des Buches und der darin enthaltenen Abbildungen der Werke alles noch einmal nachvollziehen. Dieser Audioguide ist auch für all jene, die die Ausstellung nicht selbst besuchen können ein schönes Mitbringsel.

Das Buch Lorrain – Der Katalog
Der Ausstellungskatalog ist schon an sich ein umfassendes, wissenschaftliches und dennoch ganz und gar nicht langweiliges Werk, das in keiner guten Bibliothek fehlen sollte. Zeit muss man sich nehmen – nicht zuletzt angesichts der vielen Werke Lorrains und ihres symbolischen, wissenschaftlichen, kompositorischen, geschichtlichen und inspirierenden Gehalts.
Eine wahre Wundertüte.

Den Geist reisen lassen
Wir waren von unserem Besuch und dieser zauberhaften Atmosphäre wirklich begeistert, danken dem Team des Städel Museum, dass sie uns so freundlich empfangen haben und legen diese Ausstellung selbst den „(Kunst)-müden“ unter Euch sehr gerne ans Herz, denn hier wird wirklich was geboten. Lorrains Werke bieten Erholung pur und schicken den Geist auf Reisen. Ihr könnt Euch ruhig auf sie einlassen.

„Claude Lorrain. Die verzauberte Landschaft“
Bis 6. Mai 2012
Städel Museum Frankfurt am Main
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt am Main
Telefon +49(0)69-605098-0
www.staedelmuseum.de

Auf der Ausstellungsseite zu „Claude Lorrain. Die verzauberte Landschaft“ erfahrt Ihr mehr zum Begleitprogramm, es gibt Hörproben zum Audio Guide und Näheres zum Katalog.

Claude Lorrain (um 1600-1682) Weg am Tiber, um 1635 Schwarze Kreide mit Feder und brauner Tinte, braune Lavierung, 17,8 x 12, 7 cm Ashmolean Museum, Oxford © Ashmolean Museum, University of Oxford

Claude Lorrain (um 1600-1682) Weg am Tiber, um 1635 Schwarze Kreide mit Feder und brauner Tinte, braune Lavierung, 17,8 x 12, 7 cm Ashmolean Museum, Oxford © Ashmolean Museum, University of Oxford

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