Campus Bockenheim

Im Jahr 2002 war man noch zuversichtlich, dass das Univiertel in Frankfurt-Bockenheim die Investoren lockt, da die Johann Wolfgang von Goethe Universität ja ins IG-Farbenhaus und das Gelände und auf den Riedberg zieht. Doch nun lässt sich das alles schwerer verkaufen, als gedacht. Der legendäre Uni-Turm ist bereits so gut wie leer und wie wir finden, hatten da ein paar Leute eine ganz nette Idee, den sagenumwobenen Uniturm schnell noch zu gestalten.

Die Frankfurter Goethe-Universität hat das AfE-Hochhaus und das FLAT-Gebäude in Bockenheim bereits aufgegeben. Beide Gebäude werden bald abgerissen, ebenso das Studierendengebäude. Das Cafe KoZ hat schon die Abrissparty geplant.

 

AfE-Turm Uni Campus Bockenheim - Elfenbeinturm - Bild: Tina Seyffert

AfE-Turm Uni Campus Bockenheim – „Elfenbeinturm“ – Bild: Tina Seyffert

Auszug aus dem „Elfenbeinturm“
40 Jahre lang befanden sich die Fachbereiche 3 bis 5 der Goethe-Universität, also die Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften, sowie Psychologie und Sportwissenschaften im AfE-Turm in Bockenheim. Nun verlassen sie ihren „Elfenbein“-Turm und ziehen in einen Neubau auf dem Campus Westend. Etwa 500 Mitarbeiter packen ihre Kisten, Materialien, Bücher und Möbel und sind dann ab dem kommenden Sommersemester auf dem Campus Westend zu finden. Mit ihnen ziehen in das so genannte PEG-Gebäudeauf dem Campus Westend das Studierendensekretariat, der Studien-Service-Center und das International Office.
Seien wir mal ehrlich, der Uni-Turm ist in den letzten 10 Jahren mehrfach wegen seines schlechten baulichen Zustandes und des sich schwierig gestaltenden Brandschutzes entweder dauernd in den Medien gewesen, oder sogar zeitweise geschlossen worden. Es stünde eigentlich eine Komplettsanierung an, die mehrere Millionen Euro verschlingen würde. Im vergangenen Sommer kam dann auch noch ein Wasserschaden hinzu.  Schön war der Turm nie, aber ein zeitlang sicher sehr funktional. Wie auch immer, das ist nun vorbei. In wenigen Monaten sollen die beiden Gebäude angerissen werden, mal sehen, wie sehr sich der „Elfenbein“-Turm wehrt.

FLAT-Gebäude
Auch das FLAT-Gebäude, in dem sich Seminarräume und die Philosophische Promotionskommission (Philprom) befinden, wird  geräumt. Die Philprom zieht ins Juridicum. Wohingegen das Präsidium, die Verwaltung und auch das Hochschulrechenzentrum, wie die Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaftler, auf den Campus Westend ziehen.
Wenn man sich das Ausmaß des Campus Bockenheim so ansieht, dann wird das ein sehr großes Loch mitten in der Stadt. 16 Hektar des Campus Bockenheim sind bereits an die städtische ABG Holding – nach dem vereinbarten Kulturvertrag zwischen Universität und Stadt – veräußert. Laut Strukturplan der ABG Holding werden für einen so genannten „Kulturcampus Bockenheim“ auf dem Grund des Uni-Turms und des FLAT-Gebäudes zwei neue Hochhäuser von 140 und 100 Metern Höhe geplant, die Arbeiten und Wohnen verbinden sollen.

Über den Kulturvertrag
Das Land Hessen hat jetzt im Januar 2013 die erste versprochene Rate von 12,68 Millionen Euro aus der 2007 geschlossenen Finanzierungsvereinbarung an die Goethe-Universität überwiesen. Der insgesamt auf 50 Millionen Euro festgelegte Fund, sollte aus den Erlösen des Verkaufs der Hochschulliegenschaften auf dem Campus Bockenheim kommen. Und hier kommt wieder der so genannte Kulturvertrag zum Zuge, denn die Grundstücke waren der Universität einst von der Stadt Frankfurt für eine universitäre Nutzung geschenkt worden. Der Kulturvertrag zwischen Stadt und Land wurde 1999 geschlossen. Darin tritt die Stadt ihr so genanntes „Heimfallrecht“ für dieses – bisher universitär genutzte – Areal ab und bestimmt stattdessen, dass der Reinerlös aus einer  Veräußerung der Bockenheimer Grundstücke „für die Entwicklung der Universität“ genutzt werden müsse. Ohne diesen Kulturvertrag wäre ein Umzug der Uni vom Campus Bockenheim auf die größeren Flächen des neuen Campus Westend, der nach und nach in und um um das ehemalige IG-Farbenhaus entstand und den gänzlich neu erschaffenen Campus Riedberg, undenkbar.

Ausblicke
Das Hörsaalgebäude wird zwar erst mal weiterhin genutzt und auch für die Räume in der Neuen Mensa, das Studierendenhaus ist es noch nicht sofort an der Zeit, aber bis 2017 ist auch ihr Umzug geplant. Vielleicht finden sich ja bis dahin die nötigen  Investoren. Die Zentralbibliothek und die denkmalgeschützten Villen auf dem Campus sollen als letzte geräumt werden. Da ein Sanierungsrückstau entstanden ist, wird die Sanierung sehr aufwendig und kostspielig sein. Wie viel investiert werden müsse, um die Gebäude zu sanieren und Wohnungen darin entstehen zu lassen, ist derzeit noch unklar. Würde die städtische ABG Holding in den alten Villen und in den geplanten Hochhäusern, die Arbeiten und Wohnen verbinden sollen tatsächlich Wohnraum schaffen, so könnte  sich der derzeitige Frankfurter Wohnungsmarkt eventuell entspannen. Bisher ist es wohl so, dass die ABG Holding relativ günstigen Wohnraum mit einem durchschnittlichen Mitpreis von 7,10 Euro pro Quadratmeter anbietet. Und die ABG hat auch kürzlich verlauten lassen in den kommenden Jahren 4000 neue Wohnungen bauen zu wollen. Ob dabei Neubauten auf dem Campus Bockenheim in Planung sind, ist unklar. Wie wäre es aber, man würde studentischen Wohnraum schaffen, der in Frankfurt – wie in vielen Universitätsstädten – echte Mangelware ist? Vielleicht wäre auch eine Mischung aus studentischem und sozialem Wohnraum entgegen einer künstlichen Ghettoisierung möglich, denn auch der soziale Wohnraum wird immer weniger. Eine vielleicht sehr interessante Symbiose könnte mitten in der Stadt entstehen.

Party on!
Das legendäre Quartier Latin übrigens, die Uni-Faschingsparty, wird in diesem Jahr zum 60. mal gefeiert und natürlich im Hörsaalgebäude des Campus Bockenheim. Das Motto lautet in diesem Jahr „Eine Uni voller Narren“ und bedeutet zwei Tage, 16 Stunden, 6 Floors mit über 20 Djs, 4 Live Bands und tausenden von närrischen Studenten, solchen die es mal waren oder werden möchten.
Wie es aussieht, wird es wohl diesmal tatsächlich das letzte mal an dieser Location sein. Man wird sehen – bis 2017 wäre es theoretisch ja noch mindestens drei mal möglich…

Viel Spaß!

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