Bahnhofsviertel Frankfurt am Main

frisches Grün und frischer Wind in einem sich wandelnden Viertel. Vom Rotlichtmilieu zum Hotspot für Hipster, Kunst und Kultur und die  Bitte, es nicht und übertreiben.

Das Frankfurter Bahnhofsviertel hat eine angenehme Aufwertung erfahrenEin bisschen Rotlicht muss in der Kaiserstrasse bleiben und das ist auch gut so, aber ansonsten schlägt die so genannte Gentrifizierung im Frankfurter Bahnhofsviertel voll zu. Früher haben wir uns dort einfach nicht aufgehalten, denn es wimmelte von Heroinsüchtigen, Kleinkriminellen, Prostituierten und anderen zwielichtigen Gestalten. Bordelle, Ramschläden, Schmuddelbuden – viel anderes hatte das Bahnhofsviertel nicht zu bieten und das, obwohl es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist und für Reisende sozusagen der Empfangsbereich. Seit einiger Zeit aber, befindet sich das Viertel stark im Wandel.

Es sind kaum noch Drogenabhängige zu sehen. Wohl erfolgreich wurden die „Drückerbuden“ angenommen, die den Süchtigen nicht nur ihre Dosis Methadon als Ersatz bieten, wenn sie möchten, sondern ihnen auch steriles Besteck, Waschmöglichkeiten und mehr bieten. Ein Auffangort zum Verweilen sozusagen. Es gibt auch keine Bordelle mehr, nur noch Laufhäuser und vereinzelt ein paar Sexshops und ähnliche Läden.

Vielmehr reihen sich friedlich, schrillbunte Bazare, Bollywood-, Shisha- und Klamottenläden, sowie Falaffel-Fast-Food neben Asia-Snackbar und dem Frankfurter Künstler, Galeristen, Souvenir- und Hipstershop, und dem aktuellsten Conceptstore. Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen reissen nicht ab und sind durchweg gut besucht. Auch eine nicht zu verachtende Clubkultur hat sich entwickelt, durch die nicht nur die legendäre Kaiserstrasse von einer Freier-Zone zu einer Feierzone wurde. Hier leben und arbeiten  – bunt und friedlich – Menschen aus 80 verschiedenen Nationen zusammen: Das ist das „neue“ Frankfurter Bahnhofsviertel.

So gefällt es uns und wir schlendern interessiert von Shop zu Shop und gehen gerne in die Ausstellungen und zu den Märkten, wenn wir mal da sind und stellen fest, dass dieses „Foyer“ Frankfurt besser steht und Reisende wohl eher wiederkommen, als abgeschreckt sind.

Aber wie es immer so ist, zieht eine solche Aufwertung natürlich auch Immobilienhaie, Spekulanten und Luxussanierer an. Es ist immer das gleiche Spiel: Ein heruntergekommener Stadtteil wird von Künstlern und Kreativen entdeckt, er erfährt durch sie eine Aufwertung und zack werden die ersten Wohnung nach Jahrzehnten des Verfalls luxusaniert. Dafür werden die alten Mieter vor die Tür gesetzt und solvente, zuweilen schnöselige, versnobbte Mieter oder Eigentümer machen sich breit. Na bravo! Bald wohnt dann also der Vorstandsvorsitzende einer der Bankhäuser nicht mehr in Kronberg, Königstein, oder im Bad Homburger Hardtwald, sondern in einem Luxusloft auf der Kaiserstraße.

250.000 Euro erhalten laut Olaf Cunitz, dem zuständigen Planungsderzenenten, diejenigen Eigentümer, die zur Verbesserung des Wohnumfeldes und der mikroklimatischen Verhältnisse beitragen und ihre Innenhöfe begrünen, Pflanzkübel aufstellen und den Wohn- und Freizeitwert des Grundstücks durch begrünen generell erhöhen. Investiert hatte die Stadt im Rahmen des Programms „Stadtumbau Hessen – Bahnhofsviertel“ und der „Förderungsrichtlinie Bahnhofsviertel“ schon einiges in die Aufwertung des Bahnhofsviertels. Auch die Begrünung ist eine schöne Idee. Seit 2005 wurden insgesamt  rund 14 Millionen Euro für  336 Wohneinheiten aus der Stadtkasse locker gemacht und 116 Wohneinheiten modernisiert – 220 sind aus ehemaligen Gewerbeflächen sogar neu entstanden.

Nun ist aber gut. Das Viertel ist schick, man soll es nicht übertreiben, sonst landet auf Kosten der Stadtkasse die ganze Kohle eh nur wieder bei denen, die davon schon genug haben und schon gar nicht mehr wissen wohin. So stellte auch der Frankfurter Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe einst fest: „Daß sich das größte Werk vollende, genügt ein Geist für tausend Hände.“ Also liebe Entscheidungsträger der Stadt Frankfurt: In diesem Sinne!

Und Ihr? Ihr solltet Euch das neue Bahnhofsviertel gleich mal anschauen, damit Ihr wisst, wovon wir hier reden. Wir wünschen Euch bei Eurer Exkursion viel Spaß und spannende Eindrücke. Und falls Euch das trotzdem nicht gefällt, dann … ja was dann? Ja dann, fahrt halt in ein günstiges Hotel nach New York und schaut ob sie es dort besser machen…

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5 thoughts on “Bahnhofsviertel Frankfurt am Main

  1. Christoph

    Da haette ich mir meinen Umzug aus dem Bahnhofsviertel ja noch mal überlegen sollen, dachte ich mir schon nach dem SZ-Artikel vom Montag. Naja ist halt ein Schnösel weniger da.

  2. TS

    Hallo Christoph,

    hast du denn im Bahnhofsviertel, oder im Gutleutviertel gewohnt? ; )))
    TS

  3. Oskar Mahler

    Hallo TS,

    Sie schreiben: „Ein bisschen Rotlicht muss in der Kaiserstrasse bleiben“
    Wo haben wir denn, Ihrer Meinung nach, „Rotlicht“ auf der Kaiserstraße?
    Das haben wir doch weder auf der Münchener noch auf der Kaiserstraße.
    Oder?
    Gruß von Oskar Mahler

  4. TS

    Lieber Oskar Mahler,

    auf der Kaiserstrasse gab es die ersten so genannten „Peep-Show-Läden“ und bis in die 80er Jahre nannte man die Kaiserstraße „Porno-Meile“.“Rotlicht“ ist hier eine Anspielung darauf, denn ein paar Ertotikshops, Fetischläden, entsprechende Videotheken und Tabledancebars haben sich lange gehlaten und noch heute sind ein paar da. Sie sollten nicht ganz verschwinden.

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