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Ein Meisterstück über den Zorn: „Meister Yodas Ende“ in Rödermark…

Was den Zuschauern am Mittwoch Abend gute drei Stunden lang in der Kulturhalle Rödermark geboten wurde, war sicher keine leichte Kost. Dennoch war die Vorstellung, wie immer bei Georg Schramm, seit Monaten ausverkauft.

Georg Schramm "Meister Yodas Ende"

Der Mann, der die Fernsehbühne der Anstalt vor einem knappen Jahr hinter sich gelassen hat, um wieder auf den Bühnen dieser Republik sein Unwesen zu treiben, zog die knapp 600 Besucher mit seinen drei bekannten Figuren in seinen Bann. Was der mittlerweile 62jährige mit seinem neuen Programm: „Meister Yodas Ende – Über die Zweckentfremdung der Demenz.“ auf die Bühne gebracht hat, ist schlicht und ergreifend sensationell.

Es beginnt mit dem hessischen Sozialdemokrat August, einem Gemütsmensch, der wirklich herzerweichend über seine verstorbene Frau und den Niedergang der SPD schwadroniert. Man bekommt von Oberst Sanftleben ein sehr lehrreiches Referat über neu entwickelte Waffen zum Crowd Controlling, zu der Grenzschutztruppe Frontex und über Afghanistan zu hören und warum sich die Bundesregierung immer noch weigert den Bundeswehreinsatz als  Krieg zu bezeichnen.
Herzstück des neuen Programms ist allerdings die fiktive Selbsthilfegruppe „Altern heißt nicht trauern“, die von dem personifizierten Zorn, Schramms Paraderolle Lothar Dombrowksi geleitet wird. Der Mann mit dem Lederhandschuh führt die Zuhörer in einem hohen Tempo und einem unglaublichen Druck durch das Programm „Meister Yodas Ende“ dessen Schlüsselwörter der Zorn und die Gier sind.

Er bombardiert die Zuschauer mit Themen, wie dem Zölibat, der Bundeswehr im Afghanistankrieg, Zwangsernährung durch die Magensonde, Demenz und der besten Art des Freitods, dass einem meist das Lachen im Hals stecken bleibt. Allerdings sind die Pointen so geschickt gesetzt, dass sie wie erholsame Pausen zum Luftholen wirken.

Georg Schramm, zurecht vielfach preisgekrönt, versteht es durch sein schauspielerisches Talent, wortgewaltige Kraft, und die gekonnte Dramaturgie, die Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen, die unter die Haut geht und die man auch nicht so schnell vergisst. Ein Wechselbad der Gefühle, zwischen brüllender Komik und bitterer Wahrheit. Das Publikum in Rödermark bedankt sich beim Meister des politischen Kabaretts für die Achterbahnfahrt der Gefühle mit donnerndem Applaus und standing ovations, was den sympathischen Künstler sichtlich rührt.

Es wundert nicht, dass seine Gastspiele immer Monate im Voraus ausverkauft sind. Man kann nur hoffen, dass er noch lange auf unseren Bühnen unterwegs sein wird und viele Menschen, mit dem was er macht und vor allem mit dem was er zu sagen hat, erreicht. Und man kann ebenfalls nur hoffen, dass „Meister Yoda“ noch lange nicht am Ende ist und mit Sätzen wie: “Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht!”, noch lange seine Zuhörer erreicht. Es rette sich wer eine Karte hat….

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Aktuelle Tourdaten unter www.georg-schramm.de

Da stehen einem Hut und Haare zu Berge…

Am Dienstag war es endlich soweit und das mittlerweile komplett fränkische Führungsduo eröffnete nach drei Monaten Sommerpause wieder die Pforten zur Anstalt. Nach dem Weggang des misanthropischen Patientensprechers Lothar Dombrowski und dem Neueinzug des fränkischen Cordhutträgers Erwin Pelzig war man natürlich gespannt, wie sich diese personelle Neuordnung auf das Konzept der Sendung wohl auswirken könnte.

Neues aus der Anstalt mit Erwin Pelzig

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von www.pelzig.de

Viele befürchteten schon im Vorfeld, dass die Anstalt bzw. das Zusammenspiel der Akteure doch gehörig an Biss verlieren könnte, steht doch die Figur des Erwin Pelzig eher für die grüblerischen, leisen Töne.

Ausreichend politisch brisanten Stoff hatten die Männer mit den eigenwilligen Kopfbedeckungen und ihre Gäste auf jeden Fall zu verarbeiten, was wie immer inhaltlich gewohnt bissig und pointiert umgesetzt wurde. Auch Pelzigs Einstand wurde konzeptionell gut gelöst. Allerdings muss man auch sagen, dass es wohl noch etwas Zeit braucht, bis sich die zwei Franken in ihrem Zusammenspiel so gut ergänzen, wie es beim Duo Priol/Schramm der Fall war. Dennoch hatten viele eine große Träne im Knopfloch. Auch wenn man insgesamt eine gute Sendung zu sehen bekam, ertappte man sich als regelmäßiger “Anstaltsgugger“ doch immer wieder dabei, dass man auf die grollende, erlösende Stimme des Einarmigen wartete. Aber was soll man sagen…vorbei ist vorbei!

Gut Ding will Weile haben und schließlich ist die Lücke die Georg Schramm hinterlassen hat nicht so einfach zu füllen. Man sollte den beiden Franken wünschen, dass es so gelungen weitergeht, wie es begonnen hat und dass das erfrischend hohe Niveau der Anstalt gehalten wird. Der Pelzig ist nämlich, genau wie es schon gesagt wurde… nicht nur ein “fränkischer Konsonantenschänder“ sondern auch ein  „DIP DOP DYP“!! ;)

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