Auszeit

Gibt man dieses Wort in die Suchmaschine ein, gibt es folgende Vorschläge: Auszeit in der Natur, Auszeit im Allgäu, Auszeit – Wellness mit Ambiente und übersetzt wird es ins Englische mit Timeout, was wir wiederum aus dem Sport kennen, denn das bedeutet ja eine Unterbrechung des Spiels. Eine Auszeit, ein Timeout ist ganz ähnlich wie die „Stille Treppe“ merkwürdiger Trash-TV-Pädagogen. Überdrehte Kinder sollen auf der so genannten „Stillen Treppe“ zur Ruhe kommen und einen klaren Kopf kriegen. Aus der Werbung kennen wir auch „Have a Break..“, aber wir müssen ja nicht immer gleich einen Schokoriegel verdrücken…

AuszeitWir haben alles gegeben, wir haben viel bewegt, wir haben einiges geschafft und vielleicht haben wir uns richtig verausgabt, manchmal haben wir uns eventuell sogar überschätzt – aber das geben wir niemals zu. Nun müssen wir deshalb auf die „Stille Treppe“, brauchen einen klaren Kopf, nehmen eine Auszeit in der Natur, oder sogar eine Auszeit im Allgäu, oder eine „Wellness-Auszeit mit Ambiente“, wer weiß, was da auf uns zukommt. Und bis es soweit ist, raten wir jedem einfach mal in die Luft zu gucken. Das ist sehr wichtig. Sich kurz aus dem Alltagstrubel wegträumen…und es hilft – auch im Stau. Probiert es mal aus.

Die Urlaubszeit beginnt, der Countdown zum Staudown läuft. Schon am vergangenen Wochenende rollte die Autokarawane massiv gen Süden. Manche brauchten für ihren Weg doppelt so lange als üblich und kamen völlig verstrubbelt an.
Aber es hilft ja alles nichts, man muss losfahren, ankommen, einchecken und auspacken, bevor die wahre Auszeit beginnt.

Eine Auszeit in der Natur kann man eigentlich jeden Tag und in jeder Stadt haben. Ihr müsst Euch nur trauen mit dem Fahrrad zu fahren oder sogar zu Fuß zu gehen, also zu entschleunigen. Dann ist man auch nach einem harten Tag mal im Park, im Wald, am Weiher oder an einsamen Stellen am Flussufer und kann einfach in den blauen Himmel schauen. Das kostet nichts und ist unbezahlbar.

Manch einer gibt so lange alles, bis sozusagen eine Auszeit nötig ist, eine Auszeit also, die sein muss, aber es hilft ja nichts. Da muss man durch und wer weiß, wofür eine solche „Zwangsauszeit“ dann auch wieder gut ist. In den blauen Himmel kann man ja trotzdem gucken, die Nase in den Wind halten und die Augen schließen geht auch und ein wunderbarer Teil einer Auszeit, die man sich nicht selbst ausgesucht hat ist es, einfach mal Ausschlafen zu können, im Bett zu frühstücken, Filme zu gucken, für die man jetzt Zeit hat, mit Freunden zu quatschen ohne Zeitdruck und auf neue Ideen zu kommen, denn – und das ist daran das Wichtigste – die anderen kümmern sich jetzt mal.

Auch das Timeout, die Auszeit im Sport, dient dazu Taktiken neu zu überdenken, oder sie an neue Gegebenheiten anzupassen. Im American Football, im Tischtennis, im Basketball im Hockey und auch im Handball ist sie nach Einwilligung und Regelung des Schiedsrichters möglich. Im Fußball wäre sie manchmal nicht schlecht, da gibt es sie die Auszeit aber noch nicht.

Und auch im Film wird das Thema „Auszeit“ behandelt. Im gleichnamigen Kurzfilm von Michael Stehle (2010) nimmt sich Axel (Stephan Seil) nach der Trennung von Blanca (Diana Amft) eine Auszeit und beschließt, eine Zeitlang als moderner Eremit in seiner Wohnung zu bleiben und ahnt noch nicht, dass das Glück ganz nah ist. 15 Minuten ist der Kurzfilm lang und einen Preis hat er auch gewonnen.

Der Franzose Laurent Cantent schildert in seinem Film „Auszeit“ aus dem Jahr 2001, wie ein Manager vertuscht, dass er arbeitslos wurde und seine Familie und sein Umfeld dabei zum Narren hält. Klar wird, wie kalt die Arbeits- und Wirtschaftswelt geworden ist und wie sie Menschen in Hundertstel-Sekunden nach ganz unten ziehen kann. Mal sind die Bilder Symbol überladen, manchmal so treffend, dass es uns erschüttert. Aber natürlich hat der Film ein Happy End. Es konnte ja auch nur noch besser werden…

Eine Auszeit ist notwendig – und wenn es nur mal ein Moment, ein paar Tage, oder auch nur zwei oder drei, oder vier Wochen sind – und sie ist gar nicht schlimm. Sie lässt uns einfach mal in die Luft gucken, eröffnet neue Perspektiven, birgt eventuell sogar ungeahntes Glück. Sie gibt uns einen klaren Kopf, lässt uns zur Ruhe kommen und unsere Taktik überdenken. Eine Auszeit ist besser, als wir manchmal denken. Und nach der Auszeit – und sei sie nur einen Moment lang – kann es ja nur noch besser werden. Ihr werdet schon sehen.

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