Ausverkauf der Alpen

Wer demnächst in seinen Skiurlaub startet, sollte im Sinne einer ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit darauf achten, wohin er fährt. Schon morgen könnte die Bergwelt der Alpen keine magischen Gipfelerlebnisse in unberührter Natur mehr bieten.

Der Preis ist heiß, das ist schon klar – wer will schon für einen schönen Skiurlaub mehr Geld ausgeben, als wirklich notwenig?! Keiner. Was wollt Ihr im Skiurlaub? Skifahren, spannende und schöne Pisten, unberührte Natur und spektakulären Gipfelgenuss, eine kuschelige und saubere Wohlfühlunterkunft, gutes Essen und gepflegtes Trinken in urigen Gasthöfen und Hütten, eventuell eine Sauna…

Das alles könnt Ihr haben, keine Frage. Die Skigebiete in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz bieten alles, was man braucht. Aber nicht überall ist es um die ökologische Nachhaltigkeit gut bestellt. Hier und da findet vor allem im Winter aber auch im Sommer ein Ausverkauf der Alpen statt. Vom Dilemma um den so genannten „Alpspix“ haben wir Euch schon berichtet. Nun sind wir empört über einen weiteren Fakt zum Ausverkauf der Alpen auf der Silvretta.

Wir fahren gerne nach Tirol, der Natur, der Berge und Täler, der sympathischen Menschen und des kulturellen und kulinarischen Angebotes wegen. Sehr gerne sind wir zum Beispiel im Paznauntal und auf der Silvretta. Nur um Ischgl machen wir im Sommer wie im Winter einen großen Bogen. Im Winter ist Ischgl überlaufen, teuer und hat ein bisschen Ballermann-Flair. Über Geschmack lässt sich streiten, wem es im Winter in Ischgl gefällt, bittesehr, der kann ja hinfahren…

Im Sommer ist Ischgl weniger umtriebig, das gefällt uns ganz gut. Was uns im Sommer nicht gefällt ist die Mondlandschaft, die wir rund um die Flimmspitze sehen und die uns jedes Mal aufs neue vor Augen führt, was ein groß ausgebauter kommerzieller Skibetrieb in der sensiblen Bergwelt anrichtet. Da war es direkt erhellend, als wir auf der Schweizer Seite wieder grüne, intakte Gipfel erklimmen konnten, Murmeltieren, Gamsen und Adlern begegnen konnten und Pflanzen bestaunen konnten, die auf der Liste bedrohter Arten zu finden sind.

Silvrettastausee Madlenerhaus Paznauntal
Als wäre das Skigebiet der Silvretta mit seinen 238 Pistenkilometern nicht schon weit genug ausgebaut und würde es nicht eh schon für jedes Skihaserl die richtige Piste bieten, hat die Silvretta Seilbahn AG nun schlussendlich durchgesetzt, dass sie auch auf dem Piz Val Gronda eine Seilbahn und eine Pistenstrasse errichten darf. Der Berg wird also an das bestehende Skigebiet der Silvretta und damit an Ischgl angeschlossen. Flora und Fauna werden weichen müssen und auch auf dem Piz Val Gronda – mit dem Stützpunkt Heidelberger Hütte – wird also in Zukunft keine magische Bergwelt mehr zu erleben, sondern im Sommer eine Mondlandschaft und im Winter Pistenhalligalli zu erdulden sein. Wir sind nicht gegen Wintersport, ganz im Gegenteil: wir würden uns freuen, wenn alle, die die Berge ebenso lieben wie wir und gerne in Skiurlaub fahren, oder auf Bergtouren gehen, dabei auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit achten.

Der Ausbau des Silvretta-Skigebietes ist nicht nur die Flora und Fauna betreffend sehr bedenklich, auch geologisch ist es wohl nicht ratsam auf dem Piz Val Gronda eine weitere Piste zu eröffnen und eine Seilbahn zu erreichten, denn dieser Berg hat laut geologischem Gutachten im Gipfelbereich ein starkes und labiles Gipsvorkommen, zudem gibt es Einsturztrichter und deutlich sichtbare Abrisskanten.

Das Land Tirol jedoch hat nun zu Gunsten der Tourismusindustrie im Herbst 2012 entschieden, dass diese Fakten keine Ausschlusskriterien für eine Skigebietserweiterung seien. Dem Gesamtausbau der Silvretta könnten die Tiroler mit dieser Entscheidung einen Freifahrtsschein erteilt haben.  Und das geht so lange gut, bis etwas passiert…doch dann ist die Bergwelt dort schon keine unberührte Natur und kein erholsamer Zufluchtsort für zauberhafte Gipfelerlebnisse mehr, dann wird auch auf dem Piz Val Gronda eine sich kaum regenerierende, graue und leblose Mondlandschaft vorzufinden sein.

Achtet bei der Wahl Eures Urlaubsgebietes auf Naturschutz und Nachhaltigkeit in vielerlei Hinsicht. Nicht nur wir und „Mollepiff“ mit Familie danken Euch dafür. Tut es für Euch selbst und die  Welt von morgen!

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One thought on “Ausverkauf der Alpen

  1. Ulrike

    Das Problem geht ja leider noch weiter! Man muss auch mal an die Wälder denken und die Tiere die darin leben. Vielleicht könntest du etwas mit http://www.mcpfe.org/ zusammen machen. Ist ja mehr oder weniger das selbe Thema.

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